Kontroverse App

23. Januar 2017 14:11; Akt: 23.01.2017 14:11 Print

Prinzip Tinder – mit einem Wisch zum Adoptivkind

Man bewegt den Finger nach rechts und nach links über den Bildschirm und sucht nach einem Partner. Eine neue App will das Tinder-Prinzip für Adoptionen nutzen.

Per Swipe zum Adoptivkind, das soll mit der App Adoptly möglich sein. (Video: Tamedia Webvideo via Vizzr)
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Eine neue App löst unter IT-Experten – und bei unzähligen Menschen – völlige Konsternation aus: Das Tool namens Adoptly soll zur Adoption freigegebene Kinder und adoptionswillige Paare zusammenbringen. Die Idee mag zwar gut gemeint sein, aber die Ausführung ist kontrovers: Die App funktioniert nach dem Tinder-Prinzip. Das heisst, die potentiellen Eltern wischen mit dem Finger über den Bildschirm und beurteilen die Kinder nach deren Aussehen.

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Gefällt ihnen ein Kind aus dem Bilderkatalog nicht, wischen sie es einfach weg. Findet das Paar hingegen ein Kind, das ihm gefällt, bekommt es ein Like. «Elternschaft ist nur einen Fingerwisch entfernt», verspricht Adoptly-Mitgründer Josh Weber in einem Video, mit dem das Unternehmen vergangene Woche seine Crowdfunding-Kampagne auf «Kickstarter» lancierte.

Kinderprofile im Netz sind nicht anders

Ist das ein Hoax? Und wenn nicht, ist das überhaupt legal? Das fragten sich die Journalisten der IT-Zeitschrift «Engadget», nachdem sie sich das Video angesehen hatten. Doch bevor sie diese Fragen beantworteten, waren sie sich einig: «So oder so ist das Projekt völlig entmenschlichend.»

Eine Recherche ergab jedoch, dass die Methode, zur Adoption freigegebene Kinder nach deren Aussehen auszuwählen, in den USA gang und gäbe ist. Adoptionsagenturen im Internet wie AdoptUSKids filtern Kinderprofile nach Hautfarbe, Geschlecht und Alter. «Was also bei Adoptly neu wäre, ist allein, dass statt gescrollt, mit dem Finger über einen Bildschirm gewischt wird», schreibt «Engadget».

Der Adoptionsprozess soll attraktiver gemacht werden

Auch das Online-Magazin «The Verge» versuchte abzuklären, ob es sich bei Adoptly vielleicht um einen schlechten Witz handelt. Ganz sicher ist sich der Journalist bis am Schluss nicht, doch eines stellte er mit Schrecken fest: «Während die meisten von uns die Idee monströs finden, haben bereits 16 Menschen dem Projekt via Kickstarter Geld gegeben.»

Adoptly-Mitgründer Alex Nawrocki versicherte auf Anfrage von «The Verge», dass seine Firma es ernst meint. «Wir machen uns auf keinen Fall über den Adoptionsprozess lustig. Wir haben aber bemerkt, dass es in diesem Bereich eine Lücke gibt.»

Die App wolle die gewöhnlichen Adoptionsdienste nicht ersetzen, sagte Nawrocki. «Der Prozess soll für Millennials, die jetzt langsam in ein Alter kommen, in dem sie über Kinder nachdenken, attraktiver gemacht werden.» Die persönlichen Treffen mit den Behörden, die rechtlichen Abklärungen und die Hintergrundchecks werden weiterhin Teil des Adoptionsprozederes bleiben.

Ein Smiley reicht, um eine Familie zu gründen

Was bei Adoptly so unfreundlich wirkt, ist vor allem die gefühllose Art und Weise, wie sie im Werbeclip präsentiert wird. Besonders schockierend ist eine Funktion in der App, mit der das gelikte Kind seine potentiellen Eltern zurückliken kann.

Das Unternehmen betont, dass die Kinder dies immer unter Beaufsichtigung der Pflegefamilie oder des Heims tun. «Aber genau das ist so falsch an Adoptly», kritisiert «Engadget». «Wo bleibt die menschliche Interaktion? Wer will schon nur aufgrund eines Emojis in einer neuen Familie wohnen wollen?»

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • antonzum am 23.01.2017 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie schräg ist denn das?

    Wieso nicht gleich im Coop oder Aldi das Kind auswählen und mit Superpunkten oder Cumulus bezahlen? Ich finde dies richtig verwerflich und würde das nie tun.

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  • Rarity am 23.01.2017 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    Hauptsache gesund ...

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  • Papa Bär am 23.01.2017 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig emotionslos...

    ...ist noch gelinde ausgedrückt. Dazu schreibe ich nur "unter jeglicher Menschenwürde" und verkneife mir mit Rücksicht auf den Anstand doch mit Widerwillen, hier die wohl unflätigsten Worte der übelsten Art zu verwenden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jan U. am 23.01.2017 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig.....

    Die antwort von dem geschäftsführer: die millennials kommen nun in ein alter wo sich sich gedanken machen kinder zu haben. Die millennials sind erst anfang zwanzig. Wie wärs zuerst mal mit probieren selber welche zu machen? In der schweiz kann man soweiso erst ab 28 jahren oder so ein kind adoptieren. Was soll diese aussage? Naja...

  • Fran am 23.01.2017 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Auswahlverfahren

    Hmm. Wenn man drüber nachdenkt, passiert das mit der Auswahl des Kindes ja auch ohne App..

  • Georg Kuster am 23.01.2017 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    Bei Adoptionen ist Liebe auf den ersten Blick doch das wichtigste. Also einfach wegwischen, was man nicht mag. Irgend ein anderer verliebt sich dann genau in das Kind. Schliesslich hat in Amerika auch keiner ein Problem wenn man ein Kind nach Geschlecht, Haarfarbe und vor allem Hautfarbe aussucht wie bei Amazon.

  • Anneli am 23.01.2017 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache

    Ihr wisst aber schon, dass es in der CH viel zu wenig Kleinkinder gibt, die zur Adoption freigegeben werden... Da gibt's nichts zu wischen.

    • Adoptierte am 23.01.2017 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anneli

      Ich bin Adoptiert und finde es traurig zu sagen , es gäbe zu wenig Kinder die zur Adoption frei gegeben werden ! Ich finde jedes einzelne ist zuviel ( man überlege sich mal aus der Sicht des Kindes , warum es soweit kam )

    • Adomami am 23.01.2017 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Adoptierte

      Liebe Adoptierte - das stimmt. Ich glaube jedoch, dass einfach die Wortwahl unglücklich war. Es gibt nicht ZU wenige, sondern zum Glück wenige (die aber ein liebevolles Daheim haben sollen). Sie meinte wohl, es gibt zu wenige für eine solche App-Auswahl.

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  • Anneli am 23.01.2017 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedingungslose Liebe

    Was die Eltern-Kind-Beziehung auszeichnet, ist doch die völlige Bedingungslosigkeit. So gesehen ist das absurd und stossend - allerdings ist es ja offenbar auch ohne App nicht anders.