Verirrte «Schäfchen»

23. August 2011 22:59; Akt: 23.08.2011 22:03 Print

Profitiert Uriella vom Fukushima-Effekt?

Hat die Sekte Fiat Lux plötzlich wieder Zulauf? Eine Anwohnerin im Schwarzwald-Kaff Ibach will beobachtet haben, dass seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima plötzlich wieder mehr Autos vor dem Ordenszentrum parkieren, wie der «Südkurier» berichtet.

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Uriella, das Oberhaupt der Sekte «Fiat Lux» («Es werde Licht»). Ehemann Icordo (l.), bürgerlich Eberhard Bertschinger-Eicke, und Uriella im Jahr 2000 im Gespräch mit Moderator Patrick Rohr (r.) in der «Arena» zum Thema «Sekten - Macht und Ohnmacht». Die ehemalige Fremdsprachen-Sekretärin Erika Bertschinger-Eicke (geboren 1929) bemerkte angeblich schon 1971, dass sie andere Menschen heilen könne. Nach einem Sturz vom Pferd 1973 wurde sie «erleuchtet». Seither empfängt sie als Uriella Botschaften von Jesus und der Mutter Gottes. Dafür fällt sie regelmässig in Trance. Der Name «Uriella» soll wohl auf den Engel Uriel anspielen. Im Gedankengut der Sekte sind aber nicht nur christliche Themen vertreten. Auch Elemente des Ufo-Glaubens spielen eine wichtige Rolle. Die Sektenmitglieder tragen in Nachahmung ihrer Chefin ausnahmslos weisse Kleider. Weiss, die Farbe der Unschuld: Doch des Öfteren musste sich Uriella in Deutschland und in der Schweiz vor Gericht verantworten. Uriella baut vor einer Gerichtsverhandlung einen kleinen Altar auf. Sie hat auch schon verschiedentlich den Weltuntergang prophezeit, allerdings jedes Mal fälschlicherweise. Ein weiteres Gerichtsverfahren: Im April 2000 vertritt Icordo seine Gattin in einem Zivilprozess am Herisauer Kantonsgericht. Ein ehemaliges Mitglied der Sekte Fiat Lux forderte von deren Oberhaupt Uriella 625'000 Franken zurück. Uriella selber erschien nicht vor Gericht. Fiat Lux ist auch politisch aktiv geworden. Im «Heiligtum» des Ordens in Ibach-Lindau (Kreis Waldshut, Deutschland) beten Uriella und Icordo bei einem Wahlauftritt für den Erfolg ihrer Kandidaten bei den Gemeinderatswahlen. Mit dem Kreuz in der Hand wird für die Fiat-Lux-Kandidaten geworben. Auftritt am Esoterik-Apéro im Häbse-Theater in Basel, zusammen mit Hellseher Mike Shiva (l.). Harfenklänge untermalen den Auftritt: Alles an Uriella atmet eine gewisse Süsslichkeit. So war es denn auch nicht erstaunlich, dass die Geistheilerin bei einem Gastauftritt in Frank Baumanns Sendung «Ventil» einen Nervenzusammenbruch erlitt. Der rüde Moderator hatte sie mit Hardcore-Pornografie konfrontiert. Eine Kontroverse löste auch ihr Handel mit in ihrer Badewanne «behandeltem» Wasser aus. Uriella in früheren Jahren.

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«Das würde mich schon überraschen», erklärt Religionsexperte Georg Otto Schmid gegenüber 20 Minuten. «Wie ich Uriellas Ehemann Icordo kenne, hätte er mit dieser Nachricht nicht zurückgehalten.» Es könne aber gut sein, dass sich damals ein paar Verunsicherte an Uriellas Weltuntergangs-szenarien erinnert und bei der Sekte um Rat gesucht hätten. «Aber der Fukushima-Effekt ist unterdessen auch bei weltanschaulichen Dingen passé.» Uriella, die sich auch das «Sprachrohr Gottes» oder die «Sühnebraut Christi» nennt, ist gemäss dem «Südkurier» übrigens immer noch im Einwohneramt Ibach registriert. Die offenbar schwerkranke 82-Jährige soll alleine auf einem Hof leben.

(fis)