Mordprozess

02. Juli 2014 17:26; Akt: 02.07.2014 18:09 Print

Psychiater stuft Pistorius als suizidgefährdet ein

Wegen einer posttraumatischen Störung braucht der Paralympics-Star offenbar weiterhin Therapie. Erst am Montag wurde Oscar Pistorius volle Schuldfähigkeit bescheinigt.

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Am 6. Oktober 2015 ordnete die Berufungskommission an, dass Oscar Pistorius einer Psychotherapie unterziehen muss. Oscar Pistorius hat seinen 28. Geburtstag am 22. November 2014 im Gefängnis verbracht. Zum Feiern war ihm aber dennoch zumute: Seine Geschwister brachten Kuchen und Geschenke. Der Prozess geht weiter: Am 27. Oktober verkündet Staatsanwalt Gerrie Nel, dass er in Berufung geht. Wenige Tage nach dem Urteil gegen Oscar Pistorius sagen June und Barry Steenkamp in einem Interview mit «The Times», dass sie ein Buch über die Ermordung ihrer Tochter Reeva veröffentlichen. Das Kgosi-Mampuru-II-Gefängnis in Pretoria, wo Pistorius aller Wahrscheinlichkeit nach seine Haftstrafe absitzen wird. Am 21. Oktober 2014 verkündete Richterin Thokozile Masipa das Strafmass: Fünf Jahre Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung von Reeva Steenkamp. Pistorius hörte der Richterin unter Tränen zu. Oscar Pistorius verlässt am 16. Oktober von Polizisten eskortiert das Gericht. Der selbsternannte Berufskiller Mikey Schultz sorgte im Saal zwischenzeitlich für Unruhe. Er soll die Schwester des Angeklagten angepöbelt haben. Aimee Pistorius, die Schwester des Angeklagten, nimmt neben ihrer Tante Lois Pistorius am Prozess teil. Pistorius mit seinem Verteidiger Brian Webber vor Gericht am 15. Oktober 2014. Oscar Pistorius soll vor der Tat mit seiner Ex-Freundin Jenna Edkins telefoniert haben. Pistorius stellt in einem Video die Tatnacht nach. Der australische Sender Channel 7 zeigt das Video am 6. Juli 2014. Oscar Pistorius am 2. Juli vor Gericht in Pretoria: Der 27-Jährige brauche weiterhin therapeutische Hilfe, sagte seine Verteidigung. Am 30. Juni wird die Verhandlung in Pretoria fortgesetzt. Die psychiatrische Untersuchung ergab keine psychische Störung, welche die Schuldfähigkeit des Sportlers beeinträchtigt. Am 26. Mai kommt der wegen Mordes angeklagte Sprintstar Oscar Pistorius in der Psychiatrie in Pretoria an. Im Weskoppies Psychiatric Hospital soll Pistorius' geistige Gesundheit untersucht werden. Am 5. Mai 2014 rief Verteidiger Barry Roux einen Nachbarn seines Mandanten Oscar Pistorius (Bild) in den Zeugenstand. «Er schrie, er weinte, er betete», schilderte der Zeuge der Verteidigung den Zustand von Pistorius (Bild). Nach seiner Schilderung war die Erschütterung des Sportlers über den Tod seiner Freundin echt. Pistorius beteuert, er habe Reeva Steenkamp für einen Einbrecher gehalten und aus Angst geschossen. Im Kreuzverhör allerdings sagte der 27-Jährige, er habe gar nicht die Absicht gehabt, zu schiessen. Es sei «ein Unfall» gewesen. Laut Staatsanwaltschaft hat Pistorius seine Freundin nach einem Streit bewusst getötet. In den kommenden zwei Wochen wird die Verteidigung weitere Entlastungszeugen präsentieren, bevor über ein Urteil beraten wird. Ein Urteil wird frühestens in der zweiten Mai-Hälfte erwartet. Am 15. April 2014 wurde das Kreuzverhör mit Oscar Pistorius beendet. Dessen Verteidiger Barry Roux (Bild) liess den Angeklagten am Schluss noch die Valentinskarte vorlesen, die Reeva ihm schenken wollte: «Ozzy» mit Herzchen, danach der Text: «Ich glaube, heute ist ein guter Tag, um dir zu sagen, dass ich dich liebe.» Roux zeigte, dass die Lage der Jeans und des Duvets auf zwei Polizeibildern unterschiedlich ist. Hier scheint die Bettdecke auf den Jeans zu liegen. Das würde Pistorius' Aussage stützen. Auf diesem Polizeifoto hingegen scheint das Duvet unter den Jeans zu liegen. Staatsanwalt Gerrie Nel stiess bei seiner Befragung auf Widersprüche. Anhand von Polizeifotos zeigte er Ungereimtheiten auf. Hier ist etwa das Bild des Tatorts. Links ist die WC-Schüssel zu sehen, dahinter ein Zeitungsgestell. Laut Pistorius sass Reeva an der Stelle, wo das Gestell ist. Ihr Kopf lag auf einer Hand, die auf der Schüssel lag. Das Gestell sei nicht dort gestanden. Laut Staatsanwalt Nel war das Gestell zur Tatzeit aber genau dort, wo es jetzt ist. Anhand der Blutspuren könne man erkennen, dass es nicht bewegt wurde. Ausserdem ist eine Stelle auf dem Gestell von Blutspritzern ausgespart. Das sei die Stelle, wo Reevas Kopf war. Hier ein weiteres Polizeifoto. Laut Pistorius zeigt es den Tatort korrekt. Auf die Frage des Staatsanwalts, ob er an Reeva Steenkamps Tod schuld sei, sagte Pistorius nein. Nel hat im Kreuzverhör viele Ungereimtheiten aufgedeckt. Es ist ihm aber nicht gelungen, jeden Zweifel an der Schuld des Angeklagten aus dem Weg zu räumen. Staatsanwalt Gerrie Nel am 14. April 2014: Unermüdlich löchert er den Angeklagten Oscar Pistorius mit Fragen. Zweimal reagierte der Angeklagte so heftig, dass die Verhandlung unterbrochen werden musste. Laut Staatsanwalt ein Zeichen der Frustration, laut Pistorius ein Zeichen seines Traumas. Auf diesem Polizeifoto zeigte Staatsanwalt Nel das Innere der Toilette, in der Pistorius' Freundin Reeva Steenkamp starb. Ausserdem veranlasste Nel eine Demonstration mit der extra aufgebauten Toilette (hinten links) im Gerichtssaal. Als sich ein Gerichtsdiener auf die Schüssel setzen musste, um zu zeigen, dass man auch sitzenderweise die Tür verriegeln kann, kam es zu Gelächter im Publikum. Die Richterin reagierte irritiert. Nel wollte von Pistorius ganz genau wissen, wann er was getan, gesagt oder gedacht hat. Zum Beispiel, warum er vier Schüsse auf die WC-Tür abgegeben hatte und dann aufhörte. Oder ob es seiner Meinung nach auch ein Unfall gewesen wäre, wenn er «nur» auf Einbrecher geschossen hätte. Anhand dieses Polizeifotos aus dem Schlafzimmer von Pistorius zog Nel in Zweifel, dass der Angeklagte neben dem Ventilator zum Vorhang lief und nachsah, ob sich seine Freundin dahinter versteckt hielt. Immer wieder machte Nel dabei auf kleine Unstimmigkeiten oder Ungenauigkeiten in den Aussagen des Angeklagten aufmerksam. Pistorius rechtfertigte diese damit, dass er die Frage nicht richtig verstanden habe oder dass er sich falsch ausgedrückt habe. Auch diesmal verfolgte die Mutter des Opfers, June Steenkamp, mit versteinerter Miene die Verhandlung. Ebenfalls anwesend waren Verwandte des Angeklagten, zum Beispiel seine Schwester Aimee (M.). Auch Marc Batchelor verfolgte die heutige Verhandlung im Gerichtssaal. Die Begegnung mit dem Ex-Fussballer war am Freitag Thema in der Verhandlung. Pistorius soll ihm einmal aus Eifersucht gedroht haben, er werde ihm seine Beine zerschlagen. Am 11. April 2014 verwickelte Staatsanwalt Gerrie Nel den angeklagten Oscar Pistorius in Widersprüche. Viel Zeit wurde für die Analyse von Polizeifotos aufgewendet. Bei diesem hier ging es um die Frage, ob die Jeans auf oder unter dem Duvet liegen. Ansicht von Richterin und Staatsanwalt: Sie liegen darauf. Das würde den Aussagen von Pistorius über den Ablauf der Geschehnisse in der Tatnacht widersprechen. Oscar Pistorius (r.) brach auch an diesem Verhandlungstag in Tränen aus, aber nicht mehr so oft und nicht mehr so ausgiebig. June Steenkamp, die Mutter der getöteten Reeva, verfolgte die Verhandlung mit versteinerter Miene. Der bisher emotionalste Verhandlungstag fand am 8. April statt: Oscar Pistorius verlässt das Gericht nach seinem Auftritt im Zeugenstand und dem Kreuzverhör durch den Staatsanwalt. Er nahm den Sprintstar in die Mangel: Staatsanwalt Gerrie Nel. Pistorius' Verteidiger Barry Roux. Als Staatsanwalt Nel Pistorius zwingen wollte, ein Foto mit dem blutigen Kopf von Reeva Steenkamp anzusehen, litt auch Aimee, Pistorius' Schwester. Die Mutter des Opfers, Jane Steenkamp, wird von einem Verwandten unterstützt. Am Dienstag hatte der angeklagte Sportstar zum zweiten Mal im Zeugenstand ausgesagt. Dabei kam es zu emotionalen Szenen im Gerichtssaal. Während Pistorius' Schilderungen brachen auch Zuschauer in Tränen aus. Im Bild: die Schwester des Sportlers. Aimee Pistorius litt bereits am ersten Tag, an dem ihr Bruder in den Zeugenstand trat. Tante und Onkel des Angeklagten, Lois und Arnold Pistorius. Die Mutter der erschossenen Reeva Steenkamp. Am ersten Prozesstag hatte sie noch mit versteinerter Miene den Aussagen von Oscar Pistorius zugehört. Er entschuldigte sich bei der Opferfamilie. Auch der Bruder von Oscar Pistorius, Carl, wurde von Emotionen überwältigt. Und natürlich Oscar Pistorius selbst: Er weinte unkontrolliert und ... ... übergab sich auch während des Prozesses.

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Der des Mordes angeklagte Paralympics-Star Oscar Pistorius leidet psychiatrischen Gutachten zufolge unter einer schweren posttraumatischen Störung und ist selbstmordgefährdet. Der 27-jährige Südafrikaner trauere sehr um seine getötete Freundin Reeva Steenkamp.

Pistorius brauche deshalb weiterhin therapeutische Hilfe, heisst es in den am Mittwoch von der Verteidigung vor dem Gericht in Pretoria verlesenen Auszügen aus den Gutachten.

Pistorius war auf Anordnung des Gerichts im Juni psychiatrisch untersucht worden. Die am Montag vorgelegten Gutachten bescheinigten ihm allerdings volle Schuldfähigkeit. Er leide unter keiner psychischen Erkrankung, die seine Urteilsfähigkeit bei der Tat wesentlich beeinträchtigt hätte.

Pistorius hatte in der Nacht zum 14. Februar 2013 in seinem Haus Steenkamp durch eine verschlossene Toilettentür erschossen. Der 27-Jährige beteuert, dass er hinter der Tür einen Einbrecher vermutet habe und in Panik geraten sei. Der Staatsanwalt beschuldigt ihn des kaltblütigen Mordes.

Ängste und Unsicherheit

Weitere Zeugen der Verteidigung schilderten am Mittwoch, dem 36. Verhandlungstag seit dem 3. März, Details über die Beziehungen des Angeklagten zu seiner Freundin, seine Ängste vor Kriminalität und seine Unsicherheit wegen seiner Behinderung.

Es wird erwartet, dass die Zeugenbefragungen diese Woche noch beendet werden. Nach einer mehrwöchigen Pause sollen dann Verteidigung und Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers halten. Bei einem Schuldspruch droht Pistorius eine lebenslange Haftstrafe.

(sda)