Bundesgericht

22. Dezember 2011 12:00; Akt: 22.12.2011 12:25 Print

Pyro-Schmuggler wurden zu Recht verurteilt

Fussballfans, die am Eingang eines Stadions mit Bengalfackeln erwischt werden, dürfen bestraft werden. Dies entschied das Bundesgericht - und stärkt den Behörden im Kampf gegen Pyros auf Tribünen den Rücken.

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Wer beim Schmuggeln von Pyros ins Stadion erwischt wird, darf bestraft werden. Das entschied das Bundesgericht.

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Der Fall, den das Bundesgericht zu beurteilen hatte, ereignete sich im März 2010. Zwei Männer aus der Basler Fangruppe «Muttenzerkurve» waren zusammen mit Kollegen zum Spiel des FC Basel gegen den FC St. Gallen in die Ostschweiz gefahren. Im Extrazug wurden Pyros verteilt und die Empfänger für deren Abbrennen instruiert.

An der Eingangskontrolle zur St. Galler AFG-Arena fand das Sicherheitspersonal bei den zwei jungen Männern eine Bengalfackel und einen Rauchkörper, die sie in den Unterhosen versteckt hatten. Sie wurden festgenommen und blieben zwei Tage in Untersuchungshaft.

Bedingte Geldstrafe ausgesprochen

Das St. Galler Kreisgericht sprach sie im Juni 2010 frei. Das Kantonsgericht verurteilte die beiden Fussballfans dann aber auf Berufung der Staatsanwaltschaft wegen versuchter Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz zu bedingten Geldstrafen von 60 Tagessätzen.

Das Bundesgericht hat diesen Entscheid nun bestätigt und die Beschwerden der Verurteilten abgewiesen. Diese hatten argumentiert, der Schuldspruch verstosse gegen den Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten». Bei der Kontrolle vor dem Stadion seien die Männer noch nicht entschlossen gewesen, die Pyros später auch zu zünden.

Grenze zum Versuch überschritten

Es wäre vielmehr möglich gewesen, dass sie die Pyros nach dem Spiel ungenutzt mit nach Hause genommen hätten. Das solches nicht ausgeschlossen sei, zeige sich daran, dass die Polizei bei einem Scharmützel nach dem Ende eines anderen Fussballspiels von Fans mit unabgebrannten Bengalfackeln beworfen worden sei.

Auch ein Flyer der «Muttenzerkurve» erwähne die Möglichkeit, eine Bengale wieder mit aus dem Stadion zu nehmen, wenn es keinen Grund zum Abfeuern gebe. Die Richter in Lausanne erinnern zunächst daran, dass das Sprengstoffgesetz die Verwendung von Sprengmitteln oder pyrotechnischen Gegenständen zu Vergnügungszwecken verbietet.

«Point of no return» am Eingang

Im konkreten Fall hätten die beiden Betroffenen die Grenze zum strafbaren Versuch bereits überschritten. Als «point of no return» sei zu Recht das Erreichen der Zugangskontrolle erachtet worden. Am späteren Abbrennen der Pyros seien die Männer nur gehindert worden, weil die Security sie erwischt habe.

Kein einigermassen vernünftiger Mensch setze sich dem Risiko einer Kontrolle und Festnahme aus, um die Fackeln dann nicht zu zünden. Dass sie vom Abbrennen der Pyros im Stadion tatsächlich noch hätten absehen können, sei nur eine theoretische Möglichkeit, die für die Strafbarkeit keine Rolle spiele.

(Urteil 6B_614/2011 und 6B_612/2011 vom 14.12.2011)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Samuel Walter am 22.12.2011 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten, Gesetze

    Gesetze werden ausgesprochen, Geld wird ausgegeben für neuste Kameras und Vereinzelungsanlagen, und so weiter... Emotionen respektieren, Pyrotechnik legalisieren! Ohne Aufpreis, ohne Verletzte, ohne flüchtende Kinder die von der Todesangst getrieben werden! Warum werden Fussballfans gleichgestellt mit Schwerkriminellen?

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  • Ach so am 22.12.2011 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsstaat

    => Der Staat biegt das Gesetz so, dass es für ihn recht ist...

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  • empty()set am 22.12.2011 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    Endlich wieder einmal gute Nachrichten vom Bundesgericht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kapitän Iglu am 23.12.2011 01:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe den Entscheid!

    Wenn ich in einen Club gehe und ein Messer dabei habe, heisst es ja noch lange nicht, dass ich es auch benutze. Trotzdem kann mir die Security den Zutritt verweigern. Auch wenn ich unerlaubt mit einer Waffe rumlaufe, kann ich verurteilt werden, auch wenn ich die Waffe gar nicht gebrauchen wollte.

  • Tinu am 23.12.2011 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Magnesiumfackeln!

    Die sind so was von gefährlich und werden tierisch heiss! Da kann so schnell was passieren und die Verbrennungen werden gewaltig sein! Man kann ja was anderes nehmen, was nicht soooo gefährlich ist und auch cool aussieht!?

  • Marko Savic am 22.12.2011 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    2 Tage U-Haft?

    Am meisten an der Geschichte stört mich, das die zwei Jungs zwei Tage in U-Haft waren. Wegen Pyros die sie nicht mal verwendet hatten.

  • D.K. am 22.12.2011 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so! 

    Die Sache ist ganz einfach: Pyros sind gefährlich und haben nichts im Stadion verlohren punkt. Wieso geht man härter dagegen vor? Weil es immernoch unverbesserliche Fans gibt, die glauben mit dem Feuer spielen zu müssen. Es gilt beim Autoproblem dasselbe: die Straffen werden immer schärfer zum Wohle vieler Unschuldigen und das ist das einzig Richtige!

  • Maxi am 22.12.2011 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegt doch ein bisschen

    An alle, die gegen das Urteil sind. Dann könnte man ja gleich ganze Gesetzesbücher umschreiben. Ich bin zwar mit einer Sturmhaube und einer Pistole vor der Bank durch die Polizei angehalten worden, aber ich hatte sicher nichts böses vor... Jaa, ich hatte zwar die Hosentaschen voll von Drogen, aber ich hatte mich noch nicht entschieden, diese auch zu konsumieren...