Pendlerzeitungen

06. Dezember 2008 14:28; Akt: 06.12.2008 14:33 Print

Qualität und Glaubwürdigkeit entscheidend

Gratis-Pendlerzeitungen bedrängen die alte Presse nicht nur, sondern sie können auch dazu beitragen, dass diese sich auf ihre Qualitäten besinnt. So lautete der Tenor an einem Podium in Luzern.

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Die Stiftung Wahrheit in den Medien ging an ihrem Anlass der Frage nach, ob Gratis-Pendlerzeitungen ein Fluch oder ein Segen sind. Die Antwort darauf sei, sie seien eine Herausforderung, sagte Dozentin Marlis Prinzing.

Prinzing bezeichnete die Schweiz als «Himmel» für die in Skandinavien lancierte neue Zeitungsform. Nirgendwo in Europa würden pro Einwohner so viele Exemplare gedruckt wie in der Deutschschweiz.

Eine Gefahr, die von den Gratis-Pendlerzeitungen ausgehen könne, sei ihr «Journalismus ohne Meinung». Und gratis seien sie nicht, denn sie kosteten Lebenszeit, die möglicherweise sinnvoller genutzt werden könnte, betonte Prinzing.

Eine Chance sieht sie darin, dass der Wandel im Zeitungsgeschäft durch den Erfolg der Gratispresse beschleunigt wird, etwa was neue Technologien (E-Paper) betrifft. Auch könnte das Bewusstsein für Qualität geschärft werden.

Mehrwert

Sacha Wigdorovits, der Gratisblätter lancierte, erklärte, dass es für die bezahlte Tagespresse eine Zukunft gebe, sofern diese dem Käufer einen Mehrwert biete. Dies bedinge aber, dass sie sich auf ihre Qualitäten (Analyse, Kommentare) konzentriere und auch über gut ausgebildete Journalisten verfüge.

Die Zürcher Dozentin Gabriele Siegert brachte die Glaubwürdigkeit von Verlagen und Titeln ins Spiel. Entscheidend sei, ob die Leser diesen zutrauten, sie verlässlich zu informieren.

Thomas Bornhauser (Chefredaktor «Neue Luzerner Zeitung») sagte, die Gratiszeitungen hätten für die bezahlte Presse auch einen Trend gesetzt. Ökonomisch ein Problem sei, dass sie sich ein Stück des Werbekuchens abschnitten.

(sda)