Anschlag auf Weihnachtsmarkt

27. Dezember 2017 08:19; Akt: 27.12.2017 13:47 Print

Radikaler Imam spricht an Berlin-Gedenkfeier

Zum Jahrestag des Terroranschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurde ein Imam eingeladen. Nun zeigt sich: Der Prediger sympathisiert mit der Muslimbruderschaft.

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In der Berliner Gedächtniskirche wurde am 19. Dezember eine Gedenkfeier für die Opfer des Terroranschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt von vor einem Jahr abgehalten. Bei der offiziellen Veranstaltung von Bundesregierung, Berliner Senat und Gedächtniskirche sprach Imam Mohamed Matar von der Berliner Dar-as-Salam-Moschee beziehungsweise der Neuköllner Begegnungsstätte (NBS). Bei der religionsübergreifenden Andacht in der Gedächtniskirche las er aus dem Koran. Eingeladen wurde der Imam auf Vorschlag des Zentralrats der Muslime.

Nun zeigen Recherchen der «Bild»-Zeitung, dass die Dar-as-Salam-Moschee den deutschen Sicherheitsbehörden seit Jahren bekannt ist. Der Berliner Verfassungsschutz beobachtet die Neuköllner Begegnungsstätte und ordnet sie der islamistischen Muslimbruderschaft zu. Diese setzt sich weltweit für die Etablierung des islamischen Scharia-Rechts ein. Auch die palästinensische Terrororganisation Hamas ist aus der Muslimbruderschaft hervorgegangen. Neben Anhängern der Muslimbrüder und der Hamas besuchen laut Berichten auch Salafisten die Neuköllner Begegnungsstätte. So soll vor rund vier Jahren ein salafistischer Hassprediger aufgetreten sein.

Foto von palästinensischer Terroristin gepostet

Auch Imam Mohamed Matar selbst ist bereits negativ aufgefallen. Auf Facebook postete der Prediger ein Foto einer erschossenen palästinensischen Terroristin, die er als Märtyrerin zu betrachten scheint. Die junge Frau hatte versucht, mit einem Messer Sicherheitskräfte zu töten. Nach Kritik löschte er den Post. Zudem posierte Mohamed Matar auf einem Foto mit der sogenannten «R4bia»-Geste (vier hochgestreckte Finger). Dieses Handzeichen entstand als Solidaritätsbekundung mit den Muslimbrüdern. Und der umstrittene Imam likt auf Facebook etliche radikale Prediger.

Tragische Nacht in Berlin

Vertreter jüdischer Organisationen sowie Islamismus-Experten kritisieren laut «Bild» die Einladung von Mohamed Matar. Den Vertreter einer umstrittenen Moschee als Redner an einen Gedenkgottesdienst für Terroropfer einzuladen, sei zynisch und lasse jegliches Taktgefühl den Opfern und ihren Hinterbliebenen gegenüber vermissen. Schliesslich wurde Attentäter Anis Amri – er fuhr vor rund einem Jahr mit einem Lastwagen auf den Berliner Weihnachtsmarkt und tötete dabei zwölf Menschen – durch einen islamistischen Moscheeverein beeinflusst. Dieser Hintergrund des Täters dürfe niemals in Vergessenheit geraten. Ein Sprecher des Berliner Senats erklärte auf Anfrage von «Bild», dass ihn keine Kritik erreicht habe.

(scl)