Tirana, Albanien

10. April 2019 02:38; Akt: 10.04.2019 11:02 Print

Wurde Räuber von eigenen Komplizen getötet?

Vor den Augen der Flugpassagiere erbeuteten Verbrecher mehrere Millionen Euro aus einem Transporter, gerade als das Geld verladen werden sollte.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Fünf mit Kalaschnikow-Sturmgewehren und Handgranaten bewaffnete Räuber überfielen am Dienstagabend in Tirana eine Austrian-Airlines-Maschine und erbeuteten dabei mehrere Millionen Euro an Bargeld. Einer der Räuber starb bei einem Feuergefecht mit Sicherheitskräften, die übrigen vier sind noch auf der Flucht.

Am Tag nach dem Überfall kommen neue Details ans Licht. Demnach war der albanische Präsident Ilir Meta mit der überfallenen Maschine zuvor aus Wien nach Tirana geflogen. Deshalb war das Sicherheitsaufkommen am Flughafen auch höher als sonst.

Meta hatte sich in Wien mit Vertretern der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) getroffen. Wegen seiner Ankunft waren zahlreiche bewaffnete Sicherheitskräfte am Flughafen Tirana.

Räuber von eigenen Komplizen umgebracht?

Die Räuber hatten sich als Zoll-Mitarbeiter ausgegeben und waren dafür in alte türkische Uniformen gekleidet, wie albanische Medien berichten. Mit Sturmgewehren und Handgranaten bedrohten sie die Mitarbeiter. Wie viel die Täter erbeuten konnten, ist nicht klar. Einige Medien sprechen von bis zu 10 Millionen Euro.

Bei einem anschliessenden Schusswechsel wurde offenbar einer der Räuber angeschossen. Ob er an den Kugeln der Sicherheitskräfte starb oder gar von seinen eigenen Komplizen umgebracht wurde, ist noch unklar. Nach einer ersten Flucht in einem weissen Lieferwagen liessen die Räuber den Toten zurück und zündeten das Fluchtauto an.

Im weiteren Verlauf sollen einige der Täter auf Velos geflohen sein. Die Polizei geht davon aus, dass die Bande die Gegend gut kannte. Die Räuber sind weiterhin mit der Beute flüchtig.

Ministerin beschuldigt chinesische Betreiberfirma

Die albanische Infrastrukturministerin Belinda Balluku gab der chinesischen Betreiberfirma des Flughafens die Schuld am blutigen Überfall. Das Unternehmen habe bei den Sicherheitsvorkehrungen gespart, dadurch hätten die bewaffneten Räuber erst auf das Rollfeld gelangen können, sagte sie. «Das zeigt uns, dass der Flughafen auch für andere, noch gravierendere Überfälle verwundbar ist», kritisierte Balluku.


Die organisierte Kriminalität stellt in Albanien ein grosses Problem dar. Die Banden organisieren sich oft entlang von Clan-Strukturen, die für die Strafverfolgungsbehörden schwer zu durchdringen sind. Zuletzt war vor drei Jahren ein Geldtransporter auf ähnliche Weise auf dem Flughafen von Tirana ausgeraubt worden.

(heute.at/20 Minuten/sda)