Flughafen Tirana

10. April 2019 20:43; Akt: 10.04.2019 20:46 Print

Getöteter Räuber war aus Gefängnis ausgebrochen

Nach dem Überfall auf ein Flugzeug am Flughafen Tirana werden Zweifel über die Sicherheitsvorkehrungen laut. Die Täter haben wohl mit gut informierten Komplizen zusammengearbeitet.

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Eine fünfköpfige Räuberbande stürmte am Dienstagabend schwer bewaffnet mit Kalaschnikow-Sturmgewehren und Handgrananten aufs Rollfeld des Flughafens von Tirana. Die Räuber hatten es auf einen Geldtransport an Bord einer Austrian-Airlines-Maschine nach Wien abgesehen. Die AUA-Maschine war bereits startbereit, die Triebwerke liefen, als die maskierten und bewaffneten Räuber das Rollfeld stürmten. Die vermummten Räuber bedrohten die Flughafen-Mitarbeiter mit vorgehaltenen Sturmgewehren. Auch die Flugzeug-Insassen bekamen den Raub mit. Die Räuber hatten sich zuvor als Zollbeamte ausgegeben und anschließend Flughafen-Mitarbeiter bedroht. Rund 10 Millionen Euro Bargeld sollen die Räuber erbeutet haben. Weil der albanische Präsident kurz zuvor mit dem selben Flugzeug in Tirana gelandet war, waren am Flughafen besonders viele Sicherheitskräfte anwesend. Es kam zu einer Schiesserei und einer anschliessenden Verfolgungsjagd. Einer der fünf Räuber starb im Kugelhagel. Die übrigen vier Täter liessen den Toten zurück. Bei ihm fanden die Behörden ein Sturmgewehr, Handgranaten und Sprengstoff. Ihr Fluchtfahrzeug, einem weissen Minivan, steckten die Täter in Brand bevor sie ihre Flucht fortsetzten. Die Täter sind weiterhin mit der Beute auf der Flucht. Berichten zufolge sollen einige der Täter sogar auf Fahrrädern weiter geflohen sein. Die Ermittlungen der Behörden laufen auf Hochtouren. 40 Personen wurden inzwischen bereits einvernommen. Gegen vier Flughafen-Mitarbeiter wurden Haftbefehle erlassen. Die Täter dürften Insider-Informationen über den geplanten Geldtransport gehabt haben. Gegen vier Flughafen-Mitarbeiter wurden Haftbefehle erlassen. Die Täter dürften Insider-Informationen über den geplanten Geldtransport gehabt haben. Im Bild zu sehen ist Albaniens Präsident Ilir Meta. (Archiv)

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Einer der Verbrecher ist tot, die anderen sind mit einer Millionensumme auf der Flucht: Nach einem spektakulären Raubüberfall auf eine Passagiermaschine am Flughafen der albanischen Hauptstadt Tirana rücken die Sicherheitsvorkehrungen an dem Airport in den Fokus der Ermittler. Sie befragten Flughafenangestellte, darunter auch Sicherheitspersonal, um Komplizen der offenbar gut informierten Räuber zu finden.

Drei als Soldaten verkleidete Angreifer waren laut Polizeiangaben am Dienstag auf das Rollfeld gestürmt, als ein Flugzeug der österreichischen Fluggesellschaft Austria Airlines gerade mit Geld beladen wurde. Dieses sollte zu einer Bank nach Wien geflogen werden. Ausländische Banken wählen diesen Weg, weil die albanische Zentralbank keine ausländischen Devisen annimmt.

Rund 40 Personen wurden befragt

Die Beute soll Medienberichten zufolge zwischen 2,5 und zehn Millionen Euro betragen. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei wurde einer der Räuber getötet. Später nahm die Polizei vier Männer fest und befragte rund 40 weitere.

Laut albanischen Medien hat die Familie des getöteten Verbrechers seine Leiche mittlerweile identifiziert: Es handele sich um Admir Murataj, der 2013 mit einem Dutzend anderer albanischer Krimineller aus einem griechischen Gefängnis geflohen sein soll. Murataj galt auch nach einem Überfall auf einen Geldtransport auf der Strasse zwischen Tirana und dem Flughafen im Jahr 2016 als Hauptverdächtiger.

Nicht der erste Überfall am Flughafen

Der Mutter-Teresa-Flughafen war in den vergangenen Jahren immer wieder das Ziel von Räubern. Bereits im Jahr 2015 hatte es zwei Überfälle gegeben, im Juni 2016 erbeuteten Kriminelle bei einem Raubzug 995'000 Euro. Im Februar 2017 machten sich Verbrecher dann mit 3,2 Millionen Euro davon.

Am Mittwoch wurde die Kritik an den Sicherheitsmassnahmen am Flughafen lauter – zumal ein hochrangiger Beamter des US-Aussenministeriums Tirana am gleichen Tag besuchte. Die albanische Opposition kritisierte die «Inkompetenz» der Regierung des sozialistischen Premierministers Edi Rama. Spiro Brumbulli, Generalsekretär der albanischen Bankengesellschaft, erklärte die Sicherheitsmassnahmen innerhalb des Flughafens gegenüber der Nachrichtenagentur AFP für «vollständig gescheitert».

Mehrfache Warnung

Der Flughafen wird von einem chinesischen Unternehmen betrieben. Die Regierung habe die Firma mehrfach gemahnt, die notwendigen Investitionen für das Sicherheitssystem zu tätigen, sagte Infrastrukturministerin Belinda Balluku. Allerdings habe der chinesische Konzessionär dies nicht beachtet. Der Flughafen sei «sehr anfällig» für Überfälle, sagte Balluku.

Eine Sprecherin von Austria Airlines sagte, die Passagiere hätten sich zum Zeitpunkt des Überfalls am Dienstag bereits im Flugzeug befunden. Weder für die Fluggäste noch für die Besatzung habe eine Gefahr bestanden. Die Maschine startete schliesslich mit fast dreistündiger Verspätung. Austria Airlines will nach eigenen Angaben wegen Sicherheitsbedenken künftig keine Geldtransporte aus Albanien übernehmen.

(afp)