11. April 2005 14:47; Akt: 11.04.2005 14:52 Print

Rasche Heiligsprechung von Johannes Paul II.

Der Prozess könne bereits im Oktober auf einer Bischofssynode in Rom eingeleitet werden, sagte der Sekretär der Kongregation für die Heiligsprechung, Edward Nowak.

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Die Krypta des Petersdoms, in der der Papst am Freitag vergangener Woche beigesetzt wurde, soll ab Mittwoch wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein, wie Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls am Montag mitteilte.

Während der Trauerfeier am Freitag war der Verstorbene von der Menge auf dem Petersplatz in Sprechchören immer wieder als «Santo» gefeiert worden, als Heiliger. Auch auf Transparenten war die Forderung nach einer schnellen Heiligsprechung Johannes Pauls zu lesen: «Santo Subito».

Er habe diese Reaktion nicht erwartet, finde sie aber grossartig, sagte Erzbischof Nowak. Es erinnere an die Akklamation von Heiligen, wie sie früher üblich gewesen sei. Zwar hätten sich die Regeln geändert, doch nicht die Kirche, sondern die Menschen, bescheinigten einer Person die Heiligkeit.

Das Kirchenrecht macht eine Heiligsprechung davon abhängig, dass zuerst eine Seligsprechung erfolgt. Dieser Vorgang kann frühestens fünf Jahre nach dem Tod eingeleitet werden - allerdings sind Ausnahmen möglich, wie der Fall der 1997 verstorbenen Mutter Teresa zeigt. Ob auch für Johannes Paul eine solche Ausnahme gemacht werde, müsse der neue Papst entscheiden, erklärte Erzbischof Nowak, der wie Karol Wojtyla aus Polen stammt.

Das Kardinalskollegium kam am Montag erneut zu Beratungen über das kommende Woche beginnende Konklave zusammen. Die Würdenträger hatten am Wochenende verabredet, sich bis dahin nicht mehr öffentlich zu äussern. Der Vatikan gab unterdessen ein Video heraus, in dem unter anderem das Hotel vorgestellt wird, in dem die Kardinäle während des Konklaves wohnen. Ferner sind Bilder der Sixtinischen Kapelle zu sehen, in der die Wahl stattfindet.


Missbrauchsopfer kritisieren US-Kardinal Law

Eine Unterstützergruppe für die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester in den USA übte unterdessen scharfe Kritik daran, dass der frühere Erzbischof von Boston, Kardinal Bernard Law, am Montag die tägliche Messe für Johannes Paul im Petersdom zelebrieren durfte. Dies sei schmerzlich für die Opfer und beschämend für die katholische Kirche. Law war im Dezember 2002 abgetreten. Zuvor war bekannt geworden, dass er der Versetzung von Priestern zustimmte, die Kinder sexuell missbraucht hatten.

Der Skandal erschütterte die katholische Kirche in den USA. Die Diözese erklärte sich später zur Zahlung von 85 Millionen Dollar Schmerzensgeld an jugendliche Missbrauchsopfer bereit.

(ap)