Tödliche Transplantation

19. Dezember 2012 22:32; Akt: 19.12.2012 22:33 Print

Raucherlunge erhalten – an Krebs gestorben

Eine Organspende erfüllte eine schwer kranke Engländerin mit neuer Hoffnung. Was sie nicht wusste: Die Lunge stammte von einem starken Raucher – und brachte ihr einen qualvollen Tod.

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Auf ihrem Hochzeitsfoto vom September 2011 strahlt Jennifer Wederell übers ganze Gesicht: Monate zuvor war noch nicht einmal klar, ob es je zur Heirat kommen würde. Die junge Engländerin litt an einer zystischen Fibrose – einer angeborenen Stoffwechsel-Störung, die die Funktion der Lunge stark einschränkt. Sie musste rund um die Uhr mit künstlichem Sauerstoff versorgt werden.

Für Jennifer kam die Rettung vor der Krankheit, an der ihr Bruder verstorben war: Nach 18 Monaten auf der Warteliste erhielt Jennifer eine Spenderlunge. Doch das neu geschenkte Leben hielt nicht lange: Weniger als ein Jahr später wurde bei ihr Lungenkrebs diagnostiziert – weitere vier Monate später, im August 2012, starb sie im Alter von 27 Jahren.

40 Prozent der Spenderlungen von Rauchern

Bei der Diagnose erfuhr Jennifer, was sie vorher nicht gewusst hatte: Die Spenderlunge stammt von jemandem, der täglich 20 Zigaretten rauchte. «Jennifer hätte dieser Transplantation nie und nimmer zugestimmt», sagt ihr Vater gegenüber «Telegraph». «Sie verabscheute das Rauchen. Sie hätte eher gewartet, mit all den verbundenen Risiken, als eine Raucherlunge anzunehmen.» Die bösartigen Tumore breiteten sich im ganzen Körper aus, die Ärzte konnten nichts für sie tun. In einem Video-Interview mit «BBC» sagt ihr Vater: «Sie starb einen Tod, der für jemand anderes bestimmt gewesen wäre»

Nun wird am Spital und an der Spendepraxis in England, wo laut «Telegraph» vier von zehn Spenderlungen von Rauchern stammen, Kritik laut. Das Spital entschuldigte sich und gab zu, dass man Jennifer die Wahl hätte geben müssen, sich gegen die Spende zu entscheiden. Es sei aber sehr selten, dass Patienten auf die Transplantation einer Lunge verzichten wollen, weil der Spender geraucht habe. Die Chance, einen geeigneten Spender zu finden, würde dadurch um 40 Prozent verringert.

Jennifers Eltern fordern volle Transparenz: «Die Menschen, die ihr ganzes Leben auf eine Lunge warten, sollen alle Fakten erhalten», sagt ihr Vater. Er hat eine Facebook-Seite eröffnet, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Sie heisst «Jennifer’s Choice» – und soll anderen Betroffenen die Wahlmöglichkeit geben, die seine Tochter nie hatte.

(rey)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • t.s am 20.12.2012 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lunge allgemein

    raucherlungen aind warscheinlich scho nicht die besten spendeorgane. jedoch besteht trotzdem die chance, dass man mit der neuen lunge weiterleben kann. ausserdem kann eine lunge eines nichtrauchers noch schlechter sein wenn er ständig staub oder dämpfe eingeatmet hat bei der arbeit oder in einer aspest gegend gewohnt hat....

  • Prost am 20.12.2012 23:36 Report Diesen Beitrag melden

    Blut spenden

    Immer wenn ich Blut spende, müssen sie den Empfänger auch darüber informieren, dass er mindestens 24h nicht autofahren darf, hicks!

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  • Sascha am 20.12.2012 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finito

    Ach, regt euch nicht auf , in einer halben stunde ist ja wieder mal weltuntergang. Da bringt das spenden seiner organe nun auch nichts mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sabine Z. am 22.12.2012 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beileid

    Es gibt kein Anrecht auf ein gesundes, langes Leben. Ob nun mit oder ohne Spenderorgan! Aber dieser Fall ist schon besonders tragisch! Mein Beileid an die Eltern.

  • Ruedi am 22.12.2012 00:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Frage...

    Wieviele solcher Fälle gibt es eigentlich weltweit?? Ist das ein trauriger Einzelfall? oder gibts da tausende?? Nun sowas kann doch wirklich mal passieren, so tragisch es ist... oder??

  • root am 21.12.2012 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    Argument für Widerspruchslösung

    Der Vorfall ist ein gutes Argument für die Widerspruchslösung: Durch den chronischem Mangel an verpflanzungsfähigen Organen müssen auch nicht optimale Organe transplantiert werden, dadurch steigt die Gefahr für die Spendenempfänger. Ob das jetzt eine Raucherlunge oder ein nicht ganz kompatibles Organ ist spielt dabei keine Rolle. Mit der Widerspruchslösung wäre automatisch jeder der nicht verneint Spender, d.h. viele Leute denen es egal ist und die sich keine Gedanken darüber gemacht haben. Wer nicht will muss trotzdem nicht. Die heutige Lösung bei der man es bestätigen muss ist untauglich.

  • t.s am 20.12.2012 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lunge allgemein

    raucherlungen aind warscheinlich scho nicht die besten spendeorgane. jedoch besteht trotzdem die chance, dass man mit der neuen lunge weiterleben kann. ausserdem kann eine lunge eines nichtrauchers noch schlechter sein wenn er ständig staub oder dämpfe eingeatmet hat bei der arbeit oder in einer aspest gegend gewohnt hat....

  • Prost am 20.12.2012 23:36 Report Diesen Beitrag melden

    Blut spenden

    Immer wenn ich Blut spende, müssen sie den Empfänger auch darüber informieren, dass er mindestens 24h nicht autofahren darf, hicks!

    • @myself am 23.12.2012 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ? ? ?

      Noch nie davon gehört und ich bin seit 100 Jahren Blutspenderin.

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