Afrika-Reisen

21. Februar 2009 13:20; Akt: 22.02.2009 09:57 Print

Reiseziel: Terroristische Gebiete

von Annette Hirschberg - Nach Niger, Mali, Zentralafrika oder Äthiopien kann man teure Reisen buchen: Entführungsrisiko inklusive. Doch das scheint weder Reisende noch Anbieter abzuschrecken.

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Eine Reise an den «letzten weissen Flecken der Sahara und damit der Welt» bietet ein deutscher Reiseveranstalter an. Die Tour mit Kameltrekking und Jeep führt durch den Tschad. Die Kosten: schlappe 4200 Euro. Und das für eine Reise, von der das Aussenministerium (EDA) in Bern dringend abrät. Denn die politische Lage ist im ganzen afrikanischen Land unsicher: Rebellengruppen bekämpfen die Regierung.

Dass dies böse enden kann, musste jüngst ein Schweizer Ehepaar erfahren: Bei einer Reise im Grenzgebiet zwischen Mali und Niger wurden sie im Januar von Al-Kaida-Terroristen angegriffen und entführt. Seither versuchen die Schweizer Behörden die Freilassung der Geiseln zu erwirken.

«Reisehinweise der auswärtigen Ämter nicht realitätsbezogen»

In Kritik geriet damals auch der Reiseveranstalter. Dieser wies gegenüber den Medien jegliche Verantwortung von sich. Er orientiere sich bei der Durchführung seiner Reisen stark an den Reisehinweisen der auswärtigen Ämter. Teilweise seien diese aber nicht realtitätsbezogen.

Das überrascht, denn das EDA schreibt zur Grenzregion Mali-Niger: «Zahlreiche bewaffnete Gruppen haben sich die Plünderung von Konvois zum Broterwerb gemacht und schrecken auch vor Morden und Überfällen auf Armeekasernen nicht zurück. Ausserdem besteht in diesen Regionen ein erhöhtes Entführungsrisiko.»

Keine Reisen einzige Alternative

Der Reiseveranstalter hielt dem entgegen, dass die Aussenministerien erst nach der Entführung ihre Angaben angepasst hätten. Gleichzeitig fügte er an, dass die Banditen oder Rebellen in der ganzen Sahara verstreut und dank Fahrzeugen sehr flexibel seien. Angesichts dessen sei die einzige Alternative, keine Reisen mehr durchzuführen.

Das wäre für Geri Müller, Präsident der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrates, die logische Konsequenz: «Ich kann nicht verstehen, dass Reisende die Warnungen des EDA ausschlagen und gefährliche Länder bereisen», sagte er auf Anfrage.

Risiken: Entführung, Terroranschlag, Gewalt

Der deutsche Reiseveranstalter führt dennoch weiterhin Trekking-Touren in Niger und Mali durch. Aber auch andere Risikogeländer wie Äthiopien, Kamerun, Mali, Algerien, die Zentralafrikanische Republik oder der Tschad gehören zu seinen Destinationen. Die Lage in all diesen Ländern wird vom EDA als unsicher bezeichnet. Es warnt vor einem erhöhten Entführungsrisiko, vor Terroranschlägen oder gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Der deutsche Reiseveranstalter war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, ist aber nicht der einzige, der mit Reisen in sogenannten Risikoländer lockt. Weitere Abenteuer-Anbieter buhlen um risikofreudige Gäste. Und: Die wenigsten weisen bei ihren Reisebeschreibungen im Internet auf auf die schwierige politische Lage in den jeweiligen Ländern hin. Beim EDA will man sich auf Anfrage dazu nicht nicht äussern. Nur so viel: «Unsere Angaben zu den Risiken und Gefahren sind unserer Meinung nach klar und verständlich», sagt Pressesprecher Andreas Stauffer.