Mega-Prozess geht weiter

03. Juni 2011 13:16; Akt: 03.06.2011 14:48 Print

Revision im Prozess gegen Kachelmann

Die Staatsanwaltschaft Mannheim will Revision gegen das Kachelmann-Urteil einlegen. Der Schritt war allerdings erwartet worden. Er bedeutet nicht, dass sich nun ein weiteres Gericht des Falles annehmen muss.

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Über hundert wollen am 31. Mai 2011 an die Urteilsverkündung im Kachelmann-Prozess. Die ersten stehen schon seit 5 Uhr morgens an. Vor dem Landgericht Mannheim bildet sich eine lange Schlange. Dann kommt Jörg Kachelmann im Wagen seiner Pflichtverteidigerin Andrea Combe beim Gerichtsgebäude an. Das Auto wird sofort Natürlich erscheint auch Kachelmanns zur Urteilsverkündung. Die Richter hatten zuvor seinen Stil scharf kritisiert. betritt Jörg Kachelmann den Saal des Landgerichts Mannheim. Der Angeklagte und sein Anwaltsduo: Kachelmann mit Der Prozess gegen den Wetterexperten ist ein riesiges Medienereignis. Auf dem Bild: «Emma»-Herausgeberin und «Bild»-Kolumnistin Auch die Werner Mägerle, Lars-Torben Oltrogge und Oberstaatsanwalt Oskar Gattner (v.l.) sind zugegen. Ruhe im Saal! Der Vorsitzende Richter Michael Seidling verkündet das Urteil des fünfköpfigen Gremiums. Es lautet: Freispruch wegen begründeter Zweifel. Äusserlich gefasst reagiert Jörg Kachelmann auf den Im Saal jedoch bricht Jubel aus. die ihren Ex-Freund vor Gericht gebracht hatte, verliert die Fassung und bricht in Tränen aus. (Bild: Die Radiomoderatorin am Prozesstag vom 24. Mai 2011) Blickt Kachelmann nun in Er wird auf jeden Fall ab sofort wieder bei Meteomedia Gruppe als Wetterfrosch arbeiten. Nach dem Urteil verlässt er das Gerichtsgebäude auf dem Rücksitz des Wagens seiner Pflichtverteidigerin Andrea Combe. Oder wenigstens einen Blick auf den berühmten Freigesprochenen werfen. Kachelmanns Pflichtverteidigerin Andrea Combe steuert den Wagen mit Kachelmann durch die Menschenmenge. Da Kachelmann offenbar nicht mit der Presse reden will, müssen sich die Journalisten mit den Nebendarstellern begnügen. «Herr Kachelmann wurde aufs Schäbigste behandelt.» «Unser Justizsystem gibt dem mutmasslichen Täter Vorteile.» Nach 44 Verhandlungstagen und fast neun Monaten ist der Prozess vorbei. zwischen Jörg Kachelmann und seiner damaligen Freundlich Sabine W., werden wir wohl nie erfahren.

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Dem Vergewaltigungs-Prozess rund um den Wettermoderator Jörg Kachelmann wird ein weiteres Kapitel hinzugefügt: Wie Staatsanwalt Oskar Gattner gegenüber dem deutschen Sender SWR sagte, will die Staatsanwaltschaft Mannheim gegen den Freispruch Revision einlegen. Die Staatsanwaltschaft gehe in Revision, um eine vollständige schriftliche Urteilsbegründung zu erhalten. Der formale Beschluss dazu stehe noch aus, hiess es weiter. «Vor Montag wird darüber nicht offiziell entschieden», sagte Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Die Revisions-Ankündigung entspricht allerdings einem rein formalen Akt, der nicht anders zu erwarten war. Um sich die Möglichkeit zu bewahren, den Fall tatsächlich zur nächsten Instanz – in diesem Fall der Bundesgerichtshof – weiterzuziehen, muss die Staatsanwaltschaft nämlich spätestens eine Woche nach der Urteilsverkündung Revision einlegen. Dies will sie nun offenbar tun.

Erwarteter Schritt

«Ich hätte diesen Schritt eigentlich schon am Tag des Urteils selbst erwartet», sagt Gisela Friedrichsen, Spiegel-Gerichtsreporterin und intime Kennerin des Falles gegenüber 20 Minuten Online. Womöglich habe sich die Ankündigung wegen des gestrigen Feiertags noch etwas verzögert.

Ob sich der Bundesgerichtshof eines Tages tatsächlich über die unzähligen Akten im Fall Kachelmann beugen muss, ist noch völlig offen. Friedrichsen rechnet nicht damit: «Die Beweislage ist sehr dünn und sie wird nicht besser mit der Zeit. Es kann nicht damit gerechnet werden, dass nun plötzlich völlig neue Erkenntnisse ans Tageslicht kommen.» Den definitiven Entscheid einer Revision wird die Staatsanwaltschaft erst fällen, wenn ihr die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt – und dies wird erst in dreieinhalb Monaten der Fall sein.

Politischer Entscheid

Letztlich dürfte die Frage eines juristischen Weiterzugs auch eine politische sein: Die Staatsanwaltschaft Mannheim ist dem Justizministerium von Baden-Württemberg unterstellt und weisungsgebunden. Sie kann die Staatsanwaltschaft Mannheim also jederzeit zurückpfeifen.

Jörg Kachelmann war am Dienstag vom Vorwurf der besonders schweren Vergewaltigung freigesprochen worden. Das Landgericht Mannheim hatte den 52-jährigen Schweizer vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Exfreundin aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nach Auffassung der Richter reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung aus. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und drei Monate Haft gefordert.

(fum/sda)