Paris

05. Dezember 2008 11:15; Akt: 05.12.2008 18:25 Print

Riesenbeute bei Raubüberfall

Eine bewaffnete Diebesbande hat bei einem Pariser Nobel-Juwelier den bisher grössten Raub in der Geschichte Frankreichs begangen. Ermittler schätzten den Wert der Beute am Freitag auf etwa 80 Millionen Euro (123 Millionen Franken).

Fehler gesehen?

«Echte Experten» seien hier am Werk gewesen, sagte eine Justizsprecherin. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit betraten am Donnerstag drei bewaffnete Männer den Laden. Sie hatten sich als Frauen verkleidet und trugen Perücken.

Ein vierter sicherte möglicherweise den Fluchtweg. Die Täter bedrohten die etwa 15 Angestellten und Wachleute mit ihren Waffen und trieben sie mit Gewalt in eine Ecke des Ladens.

Sie prügelten auf mehrere von ihnen mit den Gewehrkolben ein, doch es fiel kein einziger Schuss. «Die Täter kannten sich hervorragend aus», sagte die Justizsprecherin. «Sie haben einige Mitarbeiter namentlich gekannt.»

Lange Ermittlungen erwartet

In Windeseile räumten die Diebe fast das ganze Geschäft leer. Sie wussten offenbar auch, wo die besonders wertvollen Stücke aufbewahrt wurden. Wie sie in der belebten Einkaufsstrasse entkommen konnten, blieb zunächst ungeklärt.

Eine für Bandenkriminalität zuständige Spezialabteilung der Pariser Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf. Die Polizisten verhörten erste Zeugen des Vorfalls und werteten die Aufzeichnungen der Überwachungskameras sowie die Alarmanlage aus, die mit einer Zentrale in der Schweiz verbunden ist.

Die Polizei rechnet mit einer langen Ermittlung. Bei den «professionellen» Tätern könne es sich um eine kriminelle Bande sowohl aus Frankreich wie aus östlichen Ländern handeln. Letztere hätten sich zu einem «Eldorado für Schwarzhändler» entwickelt.

Noch grössere Beute 2003

Der Luxusjuwelier Harry Winston ist mit mehreren Boutiquen in der ganzen Welt vertreten. Zur Kundschaft der US-Kette gehören die britische Königin Elizabeth II. sowie Madonna, Gwyneth Paltrow und Scarlett Johansson. Die Pariser Filiale liegt in der Avenue Montaigne, wo die Reichsten der Reichen einkaufen gehen.

Die Filiale war bereits im Oktober vergangenen Jahres überfallen worden. Damals erbeuteten die Diebe Schmuck im Wert von zehn Millionen Euro. Beim bislang grössten Schmuckdiebstahl Europas im belgischen Antwerpen 2003 stahlen Einbrecher Diamanten und Wertpapiere im Wert von 100 Millionen Euro (154 Millionen Franken).

(sda)