Auge um Auge

15. Dezember 2008 16:32; Akt: 15.12.2008 16:32 Print

Säurewerfer soll zur Strafe seine Augen verlieren

Fünf Tropfen Säure in jedes Auge. Dies soll die Strafe sein für einen Iraner, der einer Frau Säure ins Gesicht gegossen hatte, weil sie nichts von ihm wissen wollte.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ameneh Bahrami, so heisst die Iranerin, hat sich vor einem islamischen Gericht in Teheran durchgesetzt: Der Mann, der ihr vor vier Jahren das Augenlicht raubte und ihr Gesicht verstümmelte, soll selber geblendet werden.

Gerechtigkeit statt Schadenersatz

Bahrami hatte das Angebot zurückgewiesen, vom Übeltäter Schadenersatz in Form einer Geldbusse («Blutgeld») entgegenzunehmen, wie das im islamischen Rechtssystem der Scharia möglich ist. Sie hat auch sein Angebot nicht akzeptiert, sie trotz allem doch noch zu heiraten. Sie habe lang und hart gekämpft, um Gerechtigkeit zu erlangen, sagte sie laut der Online-Ausgabe der «Washington Post». «In einem Alter, in dem ich das Hochzeitskleid anziehen sollte, verlange ich, dass jemandem Säure in die Augen geträufelt wird.» Das tue sie nur, damit so etwas keiner anderen Frau mehr zustosse.

Säure-Attacke auf dem Heimweg

Vor der Säure-Attacke war die heute 31-jährige Bahrami finanziell unabhängig und arbeitete als Elektro-Technikerin in einer Firma, die medizinische Geräte herstellte. Mehrere Männer hatten sich schon für sie interessiert, aber der Richtige war noch nicht darunter gewesen. Auch Majid war nicht der Richtige. Der 27-Jährige hatte Bahrami an der Universität kennen gelernt und wollte sie heiraten. Bahrami lehnte ab, obwohl Majids Mutter mehrere Versuche unternahm, eine Hochzeit zu arrangieren.

Doch Majid liess nicht locker. Er akzeptierte ihr Nein nicht und begann, ihr am Arbeitsplatz aufzulauern und sie zu bedrohen. Schliesslich versuchte Bahrami ihn mit einer Notlüge loszuwerden: Sie sagte ihm, sie sei bereits mit einem anderen Mann verheiratet. Majid drohte darauf, sie «für den Rest des Lebens» zu verbrennen.

Zwei Tage später, im November 2004, machte der verschmähte Liebhaber seine Drohung wahr: Als Bahrami von der Arbeit nach Hause ging, folgte er ihr und goss ihr eine Flüssigkeit ins Gesicht — Säure. Passanten versuchten noch, der Frau zu helfen und die Säure wegzuwaschen. Doch ihre Augen waren bereits irreparabel geschädigt, für immer blind; das Gesicht zerstört.

Letzteres wird ihrem Peiniger nicht geschehen: Er soll «lediglich» seine Augen verlieren.