Dramatische Aussichten

30. November 2011 22:13; Akt: 30.11.2011 22:13 Print

Schmelzender Permafrost führt zu Klimawandel

Bislang war nicht bekannt, wie sehr sich die Erderwärmung mit dem Auftauen der Permafrostböden beschleunigt. Eine Studie warnt jetzt, die Schmelze könnte den Klimawandel stärker beeinflussen als die weltweite Abholzung.

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Wegen der hohen Methankonzentration haben schmeltzende Permafrostböden eine zweieinhalb Mal grössere Auswirkung auf den Klimawandel als die weltweite Abholzung. (Bild: Keystone)

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Die schmelzenden Permafrostböden beschleunigen den Klimawandel voraussichtlich stärker als bislang gedacht. Nach einer neuen Berechnung könnten sie bis zum Ende des Jahrhunderts ähnlich viel Kohlenstoff freisetzen wie die weltweite Abholzung.

Die Auswirkungen auf unser Klima wären wegen der hohen Methankonzentration jedoch zweieinhalb Mal grösser. Zu diesem Schluss kommen Edward Schuur, Benjamin Abbott und 39 weitere internationale Experten des «Permafrost Carbon Research Network», die ihre neuen Berechnungen in einem Kommentar der Zeitschrift «Nature» veröffentlichen. Das Treibhausgas Methan heizt die Atmosphäre wesentlich stärker auf als Kohlendioxid.

Wie sehr sich die Erderwärmung mit dem Auftauen der Permafrostböden beschleunigt, war bislang nicht genau zu berechnen. Schuur, Abbott und Kollegen haben nun anhand neuer Modelle ermittelt, wie viel Permafrost auftauen wird, wie viel Kohlenstoff dies freisetzt und wie viel davon in Form von Kohlendioxid (CO2) und von Methan in die Luft gelangen könnte.

Viel mehr CO2

Die Permafrostböden enthalten etwa 1700 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff, also Überreste von Pflanzen und Tieren aus Tausenden von Jahren. Das sei dreimal mehr als bislang angenommen, schreiben die Forscher - und etwa doppelt so viel, wie momentan in der Atmosphäre enthalten sei.

In dem sich erwärmenden arktischen und antarktischen Boden zersetzen Mikroben diesen alten Kohlenstoff und geben CO2 und Methan in die Atmosphäre ab. Riesige Tundrenfeuer und Methan, das aus arktischen Seen blubbert, seien bereits Zeugen dieses Erwärmungsprozesses.

Um zu berechnen, wie schnell sich der Permafrost erwärmt und wie viel Klimagase er dabei freisetzt, orientieren sich die alten Modelle vor allem an der steigenden Lufttemperatur. Die Wirklichkeit sei jedoch sehr viel komplexer, so die Autoren.

Alarmierende Ergebnisse

Mit dem Schmelzen von Eiskeilen im Boden kollabiere der Untergrund - und dies beschleunige wiederum den Tauvorgang. Das sichtbare Ergebnis seien die wie «betrunken» aussehenden, schiefstehenden Bäume. Weitere Faktoren seien die Bodenfeuchte und sehr tief liegende Kohlenstoffvorkommen.

Die Ergebnisse der neuen Berechnungen sind alarmierend: Unter dem stärksten Erderwärmungsszenario - ein Temperaturanstieg von 7,5 Grad Celsius bis 2100 - würden 47 bis 61 Prozent der obersten drei Meter des Permafrostbodens bis zum Ende des Jahrhunderts zerfallen.

Der CO2-Ausstoss beschleunigt sich dabei über die Jahre: Bis 2040 würden 30 bis 63 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt - sowohl als CO2 als auch als Methan; bis 2100 vervielfache sich diese Menge auf 232 bis 380 Milliarden Tonnen. Dieser Anstieg an Kohlenstoff wäre 1,7 bis 5,2 Mal stärker als bisher berechnet.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Niels Br am 30.11.2011 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohin führt uns der Klimawandel

    Mir macht dieser Klimawandel sehr grosses Kopf zerbrechen. Habe echt Angst, wohin führt dies und hat es noch einen Sinn zu Leben. Und was wollen wir Schweizer dagegen tun. Wahrscheindlich ist alles schon viel zuspät.....

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  • M... B... am 01.12.2011 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant...

    Es ist interessant das, egal wie sehr sich der Prozess beschleunigt, die signifikante Erwärmung von "7" Grad trotzdem immer erst im 2100 erreicht wird laut diesen "Wissenschaftlern" und das obwohl allein in der Schweiz seit 1990 die Durchschnitts Temperatur bereits um 6 Grad gestiegen ist.... (Quelle für die 6 Grad sind div Zeitungen und andere Quellen aus der Schweiz, unter anderem auch 20min und Meteo)

  • Marco Binder am 01.12.2011 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausgleich

    na ja. das gleicht sich dann wieder aus mit dem oel, welches wir nicht mehr zum verbrennen haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco Binder am 01.12.2011 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausgleich

    na ja. das gleicht sich dann wieder aus mit dem oel, welches wir nicht mehr zum verbrennen haben.

  • M... B... am 01.12.2011 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant...

    Es ist interessant das, egal wie sehr sich der Prozess beschleunigt, die signifikante Erwärmung von "7" Grad trotzdem immer erst im 2100 erreicht wird laut diesen "Wissenschaftlern" und das obwohl allein in der Schweiz seit 1990 die Durchschnitts Temperatur bereits um 6 Grad gestiegen ist.... (Quelle für die 6 Grad sind div Zeitungen und andere Quellen aus der Schweiz, unter anderem auch 20min und Meteo)

  • peter bob am 01.12.2011 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Und wieder ein neuer Weltuntergang!

    Auch diese Forscher benötigen ihre For.-Gelder und rühren in der Katastrophensuppe. Ein neuer Tross von Leuten wird wieder an irgend einen abgelegenen Ort der Welt pilgern und so tun als ob die Menschheit irgend etwas zur Planetenentwicklung beizutragen hätte. Das Volk wird mit sektirerischer Manier mit Angst versetzt und dem Glauben ausgesetzt, dass alle Vorgänge auf dieser Welt zyklischen Ursprungs seien und sie die Schuld an der Veränderung haben. Dabei gibt es nichts in diesem Universum das zweidimensional wiederkehrend ist. Es hat alles eine dritte Dimension und ist demnach Linear.

    • Bayri am 01.12.2011 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ignorant

      Aha und das der Mensch weltweit schon mehr als 70% des ursprünglich vorhandenen Waldes abgeholzt hat, hat nicht im geringsten mit der Klimaer-wärmung zu tun...Neeeeeein alles nur Panikmache...Hat ja noch 30% übrig...Mach die Augen auf und lass deine Ignoranz links liegen wenn dir das Leben unserer Nachfahren was wert ist!

    • Stergi am 04.12.2011 19:31 Report Diesen Beitrag melden

      Nach Peter Bob die Sintflut

      Mehr braucht man dazu nicht zu sagen, denunziert hat er sich ja schon selbst. Ts, ts, traurig diese Engstirnigkeit

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  • Prof. Windus am 30.11.2011 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Klimalüge

    Erst wird es warm, dann erhöht sich die CO2-Konzentration.

  • Heiri Kalberer am 30.11.2011 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nix verstanden - Wälder braucht es!

    Borkenkäfer, Gletscher, Arktis, CO2 und wieder eine neue Modeerscheinung, welche für das Unvermögen der WIssenschaft und Politik hinhalten muss. Eigentlich ist das ganze einfach: CO2 wird von den Pflazen und Bäumen gebraucht um sich zu entwicklen, als Nebenprodukt fällt Sauerstoff ab und das Klima wird beeinflusst - wieso lassen wir das Abholzen der Wäder denn überhaupt zu?