Frontalcrash in Belgien

15. Februar 2010 10:01; Akt: 15.02.2010 23:06 Print

Schreie, Blut und Trümmer: «Ein Alptraum!»

Mindestens 18 Menschen sind bei einem Frontalzusammenstoss von zwei Regionalzügen in Buizingen bei Brüssel ums Leben gekommen. Die Opferzahl könnte jedoch immer noch steigen; Augenzeugen sprachen von einem «Blutbad».

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Am Montagmorgen sind im belgischen Ort Buizingen bei Halle zwei Regionalzüge zusammengestossen. Am Montagmorgen sind im belgischen Ort Buizingen bei Halle zwei Regionalzüge zusammengestossen. Das Unglück ereignete sich ungefähr um 8.40 Uhr auf der Linie Brüssel-Süd nach Quévy. Die Belgischen Behörden haben sofort Notfallmassnahmen in Gang gesetzt. Die Unfallstelle aus der Luft aufgenommen. Beim frontalen Zusammenstoss verkeilten sich die beiden ersten Waggons der Züge in einander. Bis zu 150 Menschen sollen beim Unglück verletzt worden sein. Mehrere Passagiere sind noch eingeschlossen in den Waggons. Mindestens 11 Schwerverletzte wurden geborgen. Die Brüsseler Staatsanwaltschaft geht von acht bis zwanzig Toten aus. Einer der beiden Züge kam aus Richtung Löwen und war nach Braine-le-Comte unterwegs. Dieser Zug soll ein Stoppsignal überfahren haben. Der andere Zug fuhr von Quiévrain nach Lüttich. Dieser habe die Signale korrekt befolgt, war aber zehn Minuten verspätet. Die Überlebenden schildern das Unglück den Medien ihre Erlebnisse. «Alles kam brutal schnell; Passagiere wurden zu Boden geworfen, Schreie, blutenden Gesichter.» Zwei Waggons wurden beim Zusammenprall total zerstört. Ein dritter wurde aufs Nebengleis geschleudert. Nach Angaben eines Passagiers fuhr ein Zug noch nicht mit voller Geschwindigkeit, als es zum Zusammenprall kam. «Sonst wären die Folgen noch verheerender», glaubt er. «Der Aufprall war sehr stark, die Leute flogen überall herum», erzählt eine Frau. Nach dem Aussteigen sah sie das Blutbad, das der Zusammenstoss angerichtet hatte. Zum Unfallzeitpunkt herrschte dichtes Schneetreiben ... ... und die Gleise waren vereist. Passagiere berichten, wie sie eingeklemmt ausharren mussten, bevor sie von den Rettungskräften geborgen werden konnten. 250 bis 300 Personen waren in den beiden Zügen unterwegs. Das erste Bild des Zusammenstosses. Es war auf Twitter erschienen.

Die Unfallstelle in Buizingen

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Das Unglück ereignete sich um ungefähr 8.40 Uhr auf der Linie Brüssel-Süd nach Quévy zwischen den Bahnhöfen Buizingen und Halle am Stadtrand von Brüssel. Bei dem frontalen Zusammenstoss verkeilten sich die beiden ersten Waggons der Züge ineinander; die Wucht des Aufpralls schob sie nach oben und hob sie aus den Gleisen. Die Aussenhaut eines Waggons wurde weggerissen; ein anderer wurde ebenfalls total zerstört, ein dritter auf ein anderes Gleis geschleudert. Während des Unfallzeitpunkts herrschte dichtes Schneetreiben, zudem waren die Geleise vereist, wie belgische Medien berichten.

Menschen im Zugwrack eingeklemmt

Nach Angaben des Gouverneurs der belgischen Provinz Flämisch-Brabant, Lodewijk De Witte, sind beim Unglück 18 Personen ums Leben gekommen, darunter ein Kind. Zugleich wurden 162 Fahrgäste verletzt, davon elf schwer, so die vorläufige Bilanz am Montagabend. «Normalerweise dürften jetzt keine Opfer mehr in den Waggons liegen», sagte De Witte.

In den beiden Zügen seien zusammen zwischen 250 und 300 Menschen gewesen. Augenzeugen und Rettungskräfte berichteten von schwersten Verletzungen. Das Rote Kreuz bat um Blutspenden.

Stoppsignal überfahren

Der Lokführer der Regionalbahn aus Löwen habe ein Haltesignal übersehen, sagte De Witte. Vermutlich spielte das schlechte Wetter mit dichtem Schneefall eine Rolle. Der Fahrplan sei durcheinandergeraten, da der entgegenkommende Zug zehn Minuten Verspätung hatte.

Nach Angaben des belgischen Bahnnetz-Betreibers Infrabel war die Strecke mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, das Züge beim Überfahren eines roten Signals automatisch stoppt. Doch seien noch nicht alle Züge damit ausgerüstet.

Der eine der beiden beteiligten Züge kam aus Richtung Löwen und war nach Braine-le-Comte unterwegs. Dieser Zug soll, wie De Witte sagte, das Stoppsignal überfahren haben. Der andere Zug, der von Quiévrain nach Lüttich fuhr, habe die Signale korrekt befolgt. Allerdings hatte er eine Verspätung von rund zehn Minuten.

Leichen neben den Gleisen

Nach Zeugenaussagen dauerte das Unglück etwa 15 Sekunden. «Es war ein Alptraum», sagte der Überlebende Christian Wampach der Nachrichtenagentur AP. Der 47-Jährige wurde wie andere Leichtverletzte in einem Sportkomplex behandelt. Nach seinen Worten gab es in seinem Zug offenbar lediglich im ersten Wagen Todesopfer.

«Als wir rauskamen, haben wir Leichen neben den Gleisen liegen sehen. Manche waren verstümmelt», sagte die 40-jährige Patricia Lallemand, die im selben Wagen wie Wampach war.

«Ich habe viel Glück gehabt»

Das Unglück habe sich angefühlt wie eine Entgleisung, sagte ein Überlebender dem belgischen TV-Sender VRT: «Der Zug fiel plötzlich auf die Seite und die Waggons wurden durcheinander geschüttelt.» Der Passagier musste etwa zehn Minuten lang eingeklemmt ausharren, bevor die Rettungskräfte zur Stelle waren und ihn befreiten. «Ich habe viel Glück gehabt; andere Menschen im Waggon waren viel schlimmer dran.» Nach Angaben eines anderen Passagiers fuhr der Zug noch nicht mit hoher Geschwindigkeit, als es zum Zusammenprall kam. «Sonst wären die Folgen noch dramatischer.»

«Ich hatte den Zug in Halle bestiegen und kurz darauf vernahmen wir einige laute Schläge», erzählte eine Augenzeugin, die das Unglück von einem anderen Zug aus mitbekam. «Der Zug hielt an und dann sahen wir durch das Fenster die umgestürzten Waggons.» Die ersten beiden Waggons seien total kaputt: «Von denen blieb wirklich nichts mehr übrig.»

«La Dernière Heure» zitiert einen Augenzeugen, der den Unfall unverletzt überlebte: «Als ich durch ein Fenster schaute, sah ich einen zerfetzten Körper. Bahnmitarbeiter sind dann schnell gekommen und haben uns gesagt, wir dürften nicht aussteigen, da die Oberleitung defekt sei und die Gefahr bestehe, dass wir einen Stromschlag erhielten. Etwa zehn Minuten nach der Kollision sind dann die Rettungskräfte und die Polizei gekommen, und die Polizisten haben dann begonnen, uns aus dem Zug zu holen.»

Andere Augenzeugen schilderten ihre Erlebnisse dem Sender RTBF: «Alles kam brutal schnell; Passagiere wurden zu Boden geworfen, Schreie, blutende Gesichter, zerfetzte Türen, wir sind aus dem Zug geklettert, wie es eben ging. Es war ein Blutbad.» Eine Frau erzählte: «Der Aufprall war sehr stark; die Leute flogen überall herum.» Nach dem Aussteigen habe sie dann das Blutbad vorn gesehen.

Zugverkehr eingestellt

Der Zugverkehr zwischen Brüssel und dem Südwesten des Landes wurde vorübergehend eingestellt. Unterbrochen waren auch die Verbindungen des Eurostars und des Thalys zwischen Paris, Brüssel, Amsterdam und Köln.

Die Katastrophe mitten im morgendlichen Pendlerverkehr ereilt Belgien knapp drei Wochen nach der schweren Gasexplosion in Lüttich mit 14 Toten. Diesmal waren nach Angaben des Krisenzentrums der Polizei 15 Männer und drei Frauen unter den Toten.

Erste Bilder auf BBC:
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Youtube-Video vom Unglücksort:


(dhr/sda/ap)