22. Juni 2008 14:35; Akt: 22.06.2008 15:17 Print

Schriftsteller Gerhard Meier ist tot

Zwei Tage nach seinem 91. Geburtstag ist der Schweizer Schriftsteller Gerhard Meier im Spital Langenthal gestorben.

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Meier galt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Schweiz, führte aber ein sehr zurückgezogenes Leben in Niederbipp, wo er als Ehrenbürger zeitlebens in seinem Elternhaus wohnte.

Meier starb am Sonntagmorgen im Spital von Langenthal, wie der Gemeindepräsident von Niederbipp, Ueli Simon, auf Anfrage sagte. Er war bereits seit vergangenem November schwer krank. In den vergangenen Tagen habe sich sein Gesundheitszustand zusehends verschlechtert. Die Gemeinde Niederbipp hatte Meier vor elf Jahren das Ehrenbürgerrecht verliehen und die Strasse, an der er wohnte, in den Gerhard-Meier-Weg umbenannt.

Meier hatte im deutschsprachigen Raum als Schriftsteller einen sehr hohen Stellenwert. Er lebte allerdings sehr zurückgezogen im bernischen Niederbipp, wo er zusammen mit fünf Geschwistern aufwuchs. Seine Mutter stammte von der Insel Rügen. Anfang 1997 starb seine Frau Dora, mit der er drei Kinder hatte und während 60 Jahren verheiratet war.

Meier ist Verfasser von Gedichten, lyrischer Kurzprosa und Romanen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er 1979 bekannt, als ihm Peter Handke die Hälfte des ihm verliehenen Kafka-Preises zukommen liess. Auch nach dem Erscheinen seiner Hauptwerke in den 70-er und 80-er Jahren und einer stetig steigenden Anerkennung durch die Literaturkritik mied er die Öffentlichkeit weitgehend. Er selber bezeichnete sich als «Provinzler, der aber immer nur die Welt in die Provinz hineinholen wollte». Zu seinen bekanntesten Werken gehörten der 1982 erschienene Roman «Borodino». Fünf Jahre nach der «Ballade vom Schneien» beendete Meier mit «Land der Winde» 1990 die «Baur und Bindschädler»-Tetralogie und erntete dafür hohe Auszeichnungen wie den Hermann-Hesse-Preis und den Berliner Kunstpreis. 1999 wurde er auch mit dem Heinrich-Böll-Preis geehrt.

Im April 2007 erschien in den Schweizer Kinos Friedrich Kappelers Film «Gerhard Meier - das Wolkenschattenboot», in dem die Lebenssituation des Autors beleuchtet wurde. Der Film galt als eine Art Fortsetzung von «Gerhard Meier - Die Ballade vom Schreiben» aus dem Jahr 1995, in dem auf die Werke Meiers eingegangen worden war.

Ursprünglich wollte Meier Architekt werden. Nach Abschluss seiner Schulausbildung begann er am Technikum in Burgdorf ein Hochbaustudium, das er aber vorzeitig wieder abbrach. Schon als Student versuchte er sich an literarischen und essayistischen Arbeiten, wagte es aber damals noch nicht, seiner früh entdeckten «Liebe zu den Wörtern» nachzugeben. Stattdessen verdiente er sich nach dem Abbruch des Studiums ab 1938 seinen Lebensunterhalt als Arbeiter in der Lampenfabrik seines Heimatdorfes, wo er, unterbrochen vom Militärdienst in der Schweizer Armee während dem Zweiten Weltkrieg, 33 Jahre lang tätig war und eine bescheidene Karriere als Zeichner, Designer und schliesslich als technischer Leiter durchlief. Erst während einer Tuberkuloseerkrankung fand er als etwa 40-Jähriger zum Schreiben zurück. 1964 erschien sein erster Gedichtband «Das Gras grünt».

(ap)