06. April 2005 07:56; Akt: 06.04.2005 07:59 Print

Schriftsteller Saul Bellow gestorben

Der Literaturnobelpreisträger Saul Bellow ist tot. Er starb im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Brookline im US-Bundesstaat Massachusetts, wie seine Familie mitteilte.

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Der in Kanada geborene Autor, der mit Romanen wie «Herzog» und «Humboldts Vermächtnis» weltberühmt wurde, gehörte zu den am meisten bewunderten und verehrten Schriftstellern Nordamerikas. Zusammen mit William Faulkner stelle er das «Rückgrat der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts» dar, lobte einst Schriftstellerkollege Philip Roth.

In seinen Werken begab sich Bellow oft auf die Suche nach der Essenz des menschlichen Seins. Eine grosse Rolle spielte auch die Erfahrung der Einwanderung nach Amerika, insbesondere von Juden.

Bellow kam am 10. Juni 1915 in der kanadischen Provinz Québec als viertes Kind einer aus Russland stammenden Familie auf die Welt. Sein Vater war zwei Jahre vor seiner Geburt aus St. Petersburg nach Nordamerika gekommen und hatte als Zwiebel-Importeur die Familie nur mühsam über Wasser gehalten - zunächst in Kanada, dann in Chicago.

Kritiker würdigten Bellow oft als bedeutenden Chronisten amerikanisch-jüdischer Intellektualität. Zu seinen literarischen Verdiensten gehörte die Schaffung eines stark intellektbetonten Heldentyps.

Nach dem Studium der Sozialwissenschaften und der Anthropologie arbeitete Bellow zunächst als Universitätsdozent. Den Durchbruch zu einer grossen Schriftstellerkarriere schaffte er im Alter von 29 Jahren mit dem Kurzroman «Der Mann in der Schwebe».

Als 1953 sein Buch «Die Abenteuer des Augie March» erschien, kürte die US-Kritik den fast 800 Seiten umfassenden Roman zum bedeutendsten literarischen Werk des Jahres.

1965 kam sein tragikomischer Roman «Herzog» heraus, den nicht wenige für sein bestes Werk halten. Zehn Jahre später erreichte Bellow mit «Humboldts Vermächtnis» den Höhepunkt seines Ruhms.

Der Autor habe mit diesem Roman um die Zweifel eines Intellektuellen an seiner Gesellschaft tiefes «menschliches Verständnis» bewiesen, lobte die Schwedische Akademie in Stockholm, die Bellow dafür 1976 den Nobelpreis verlieh.

(sda)