«Sewol»-Unglück

29. Juli 2014 13:11; Akt: 29.07.2014 13:17 Print

Schüler kletterten an Vorhängen aus Fähre

In Südkorea wird der «Sewol»-Prozess heute fortgesetzt. Überlebende Schüler schildern, wie sie sich aus dem sinkenden Schiff befreien konnten.

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Am 25. April entdeckten Taucher 48 Mädchenleichen in einer Kabine im Innern des Schiffswracks. Am Karfreitag wurden immer noch 270 Personen vermisst. 28 Leichen wurden bisher geborgen. Die Retter hatten erneut mit der starken Strömung und Regen zu kämpfen. Neue Theorie: Ein rasanter Kurswechsel könnte die Fähre aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Geohrfeigt aus Verzweiflung: Ein Angehöriger eines Fährenpassagiers... ...schlägt auf einen Regierungsbeamten ein, als dieser beim Gynasium Jindo vorbeikommt,um über die aktuelle Lage zu informieren. Andere versuchen den Mann zu beruhigen. Doch nicht nur dieser aufgebrachte Mann, auch ... ... andere verzweifelte Angehörigen nehmen Regierungsvertreter in die Mangel. Die Opferfamilien fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen und kritisieren insbesondere die mangelhaften Informationspolitik. Selbst Premierminister Chung Hong-won wird von der wütenden Mengen in einer Notunterkunft in Jindo mit einer Wasserflasche und ... ... Faustschlägen attackiert. Unglückskapitän Lee Joon-seok stellte sich am Morgen den Medien: «Ich schäme mich.» Auch 24 Stunden nach dem Fährunglück werden noch knapp 300 Personen vermisst. Über 400 Rettungskräfte waren in der Nacht und am Morgen im Einsatz, um die Vermissten zu suchen. Taucher hätten die ganze Zeit versucht, in das Schiff zu gelangen. Wegen der starken Strömung sei das aber nicht möglich gewesen. Die Angehörigen der Vermissten sind verzweifelt. In der Nacht ging das Bangen um die Vermissten weiter. Immer mehr Angehörige versammelten sich am Hafen von Jindo. Vor der Küste Südkoreas ist es am 16. April 2014 zu einem Fährunglück gekommen. Mitglieder einer Spezialeinheit der Marine versuchen verzweifelt, die eingeschlossenen Schüler aus dem kalten Wasser zu bergen. Luftaufnahmen zeigen zudem Helikopter über einem zu 45 Grad geneigten Fährschiff, dessen Bug im Meer verschwunden ist. Gemäss ersten Spekulationen soll die Fähre eine Kursänderung vorgenommen haben, um Zeit einzusparen, da sie witterungsbedingt Verspätung hatte. Dabei habe sie einen Felsen gerammt. An Bord des Schiffes befanden sich 476 Personen. Militärboote und Helikopter wurden zum Unglücksort entsandt. Hilfskräfte im Einsatz. Unter den Passagieren befanden sich 325 Schüler, die auf einem Ausflug waren. Mehrere Personen wurden verletzt. Das Wasser war zur Zeit des Unglücks 12 Grad kalt. Kurze Zeit später war das Schiff fast vollständig gesunken.

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Dramatische Szenen an Bord der untergehenden südkoreanischen Fähre «Sewol»: Überlebende Schüler haben am Dienstag in weiteren Zeugenaussagen vor Gericht ihren verzweifelten Kampf gegen das Ertrinken beschrieben.

Einige Schüler kamen demnach nur dank der Geistesgegenwart anderer Passagiere mit dem Leben davon oder wurden in letzter Sekunde an eilig improvisierten Seilen aus dem Wrack gezogen.

Eine Schülerin berichtete, wie sie im zweiten Versuch von einem anderen Passagier an einem Feuerlöschschlauch aus dem Wasser geholt wurde. «Ich band ihn um meine Hüfte und er zog mich hoch», sagte die Jugendliche.

Hilferufe aus Nachbarkabine

Ein Schüler erinnerte sich, dass er und mehrere Mitschüler in ihrer Kabine durch heruntergefallene Gepäckstücke blockiert gewesen seien. Passagiere aus einer Nachbarkabine hätten ihre Hilferufe gehört und sich mit Gewalt Zugang verschafft. Schnell sei aus Vorhängen ein Seil geknotet worden. «Dann kletterte ein Mann nach oben und zog uns heraus», beschrieb der Schüler die Rettungsaktion.

Am Montag, dem ersten Tag der Anhörungen der Jugendlichen, hatten bereits viele der Schüler schwere Vorwürfe gegen die Besatzungsmitglieder erhoben. Die Schüler hätten die immer gleichen Anweisungen, mit angelegten Schwimmwesten an Ort und Stelle zu bleiben, befolgt, bis die Fähre so weit in Schieflage geraten sei, dass sich die Tür ihrer Kabinen über ihren Köpfen befunden habe und Wasser durch die Fenster eingedrungen sei.

Wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

In dem am 10. Juni eröffneten Prozess sind der Kapitän Lee Joon Seok und drei andere ranghohe Crew-Mitglieder wegen fahrlässiger Tötung in besonders schwerem Fall angeklagt, ihnen droht die Todesstrafe. Elf weitere Besatzungsmitglieder müssen sich wegen minder schwerer Verletzungen des Seerechts verantworten.

Der Kapitän und seine Crew sollen die Passagiere auf dem sinkenden Schiff angewiesen haben, zu bleiben, wo sie waren – fast eine Stunde lang harrten die Passagiere somit in ihren Kabinen oder auf ihren Sitzen aus.

Die Schiffsführung verliess die Fähre, während Hunderte Menschen noch festsassen. Bei dem Unglück am 16. April kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, unter ihnen etwa 250 Schüler einer Schule in Ansan.

Laut einem Anfang Juli veröffentlichten Bericht zu dem Unglück führten Inkompetenz, Behördenversagen, Korruption und Geldgier zu der Katastrophe. Die Reederei habe den «finanziellen Gewinn über die Sicherheit der Passagiere» gestellt, die Besatzung habe sich «unverantwortlich» verhalten, hiess es darin.

(sda)