Kosovo

08. Februar 2019 10:23; Akt: 08.02.2019 10:23 Print

Missbrauchte Schülerin von Polizist vergewaltigt

Nachdem ihr Lehrer sie sexuell missbraucht hatte, wandte sich die 16-jährige A. G. an die Polizei. Doch statt der Schülerin zu helfen, vergewaltigte der Beamte sie.

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Ein Fall erschüttert zurzeit den Kosovo: Die damals 16-jährige A. G. aus dem kosovarischen Drenas suchte im September 2016 die Polizei auf. Sie wollte ihren Lehrer anzeigen. S. X.*, ein verheirateter Familienvater, soll das Vertrauensverhältnis zu seiner Schülerin ausgenutzt und mit ihr mehrfach Sex gehabt haben. Dies berichtet das kosovarische Aufdeckungsportal Insajderi.com.

V. V.* (50), der diensthabende Polizist, nahm ihre Aussage auf. Er fotografierte die junge Frau und behauptete, die Fotos als Beweismittel zu brauchen. Doch statt der Schülerin Hilfe zu bieten und den Lehrer festzunehmen, begann auch er, das Mädchen zu belästigen: Nur wenige Tage nachdem A. G. auf die Wache gekommen war, lud der Polizist die 16-Jährige zu einem Kaffee ein.

Als sie ablehnte, machte er sie darauf aufmerksam, dass er im Besitz ihrer Fotos sei sowie intime Aussagen und rechtsmedizinische Befunde von ihr habe. Falls sie sich weiter weigere, mit ihm auszugehen, werde das Folgen haben.

V. V. liess nicht locker. Er tauchte vor ihrem Elternhaus auf, leuchtete mit den Scheinwerfern seines Autos ins Haus und erhöhte so den Druck auf die Jugendliche. Da ihre Eltern nichts erfahren durften, habe die Minderjährige schliesslich eingewilligt und sei mit ihm in ein Motel gefahren, wo die beiden Sex hatten.

Polizist zwang sie zur Abtreibung

Nach diesem Vorfall liess der Polizist nicht von ihr ab, sondern erpresste sie weiterhin. Über ein Jahr lang missbrauchte und vergewaltigte er die junge Frau. Nach einem Jahr war sie schwanger. Der Beamte zwang die Frau am 15. Januar 2019, in einer Klinik in Pristina abzutreiben.

Nach der Abtreibung ging die Schülerin zurück nach Hause. Weil sie nicht wollte, dass ihre Eltern ihren Zustand bemerkten, holte sie sich trotz starker Schmerzen keine medizinische Hilfe. Sie soll vor lauter Verzweiflung mit dem Gedanken gespielt haben, sich das Leben zu nehmen.

«Schockierendstes Ereignis seit dem Krieg»

Schliesslich wandte sie sich an einen Anwalt – und fand endlich Gehör. Der Anwalt schrieb das kosovarische Aufdeckungsportal Insajderi an, das die Sache ins Rollen brachte. Die Polizei durchsuchte mehrere Liegenschaften, so auch das Haus des Polizisten, seinen Arbeitsplatz und die Abtreibungsklinik in Pristina. Am Dienstag wurde der Polizist verhaftet.

Verschiedene Politiker äusserten sich inzwischen zu dem Vorfall, selbst der kosovarische Präsident Hashim Thaci meldete sich zu Wort: «Der Missbrauch an der minderjährigen Schülerin in Drenas ist eines der schockierendsten Ereignisse im Kosovo seit dem Krieg. In unseren Institutionen hat es keinen Platz für die Vergewaltiger unserer Kinder.» Der Fall werde untersucht und die Täter zur Rechenschaft gezogen.

Lehrer wurde verhaftet

Konfrontiert mit den Anschuldigungen gab der damalige Lehrer gegenüber Insajderi an, dass sein Fall bei der Staatsanwaltschaft hängig sei. Nach Bekanntwerden des Falls wurde S. X. vom Lehrdienst suspendiert und verhaftet.

Gegenüber Insajderi gab der Gynäkologe, der die Abtreibung durchgeführt hatte, an, dass das Mädchen beim Eingriff nicht mehr minderjährig gewesen sei. Ausserdem habe er nicht gewusst, dass die Abtreibung auf Druck von aussen gewünscht worden war.

(qll/zos)