02. August 2007 06:02; Akt: 02.08.2007 18:55 Print

Schulausflug endete nur Meter vor der Katastrophe

Mitten im Berufsverkehr ist eine achtspurige Autobahnbrücke über den Mississippi in Minneapolis eingestürzt. Dabei wurden mindestens neun Menschen in den Tod gerissen. 20 Personen werden noch vermisst. Unglaubliches Glück hatte eine Schulklasse.

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Aufeinander gekrachte Fahrzeuge, Brocken von abgerissenem Asphalt und verdrehte Stahlträger: Die achtspurige Autobahnbrücke über den Mississippi bietet nach ihrem plötzlichen Einsturz ein Bild des Grauens. Verzweifelte Angehörige warten auf Nachricht von Vermissten, und viele der Autofahrer, die während des Unglücks auf der Schnellstrasse Interstate 35W unterwegs waren, berichten von dramatischen Szenen.

«Ich bin auf die Bremse getreten und habe vor mit etwas verschwinden sehen», sagt Dennis Winegar, der zusammen mit seiner Frau auf der Brücke zwischen Minneapolis und St. Paul unterwegs war. Schätzungsweise 15 Meter stürzte das Ehepaar mit seinem Fahrzeug nach unten. «Ich habe gebetet, dass wir uns nicht überschlagen», berichtet Winegar. Er konnte sich aus dem Wagen befreien, neben und unter sich sieht er eingeklemmte Fahrzeuge. Seine Frau Jamie berichtet, sie habe zuerst an ein Erdbeben gedacht. Alle hätten einander geholfen, betont sie.

Bislang sieben Tote

Mindestens sieben Menschen wurden bei dem plötzlichen Einsturz der achtspurigen Autobahnbrücke am Mittwochabend in den Tod gerissen, Dutzende erlitten nach Angaben der Feuerwehr zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Etwa 50 Fahrzeuge fielen zusammen mit riesigen Beton- und Metallteilen rund 20 Meter in die Tiefe.

Peter Siddons war gerade auf dem Heimweg, als er ein Knirschen hörte. Die Brücke sei vor seinen Augen zusammengebrochen, sagte der Pendler der Zeitung «Star Tribune». In seinem Auto stürzte er mit nach unten und kam erst zum Stehen, als er in ein weiteres Fahrzeug rollte. «Ich dachte, das ist das Ende», sagte er. «Ehrlich, ich dachte, es ist vorbei.»

Lastwagen schleuderten wie Spielzeugautos

Grosses Glück hatte auch eine Schulklasse, die auf dem Rückweg von einem Ausflug war. Ihr Bus landete auf einer der nach unten gestürzten Betonplatten, wie eines der Kinder, Ryan Watkins, berichtete. Der Bus sei zweimal aufgeprallt und dann zum Stehen gekommen, die Vordertür mit einem Betonblock verkeilt. Durch den Hinterausgang konnten die Schüler in Sicherheit gebracht werden.

Der Lkw-Fahrer Charles Flowers wurde vom Mississippi-Ufer aus Zeuge des Unglücks. Zahlreiche Fahrzeuge seien ins Wasser gestürzt, verletzte und benommene Menschen hätten um Hilfe gerufen. Er habe eine Frau aus dem Fluss gezogen, glaube allerdings nicht, dass sie überlebt habe. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so etwas sehe», sagte Flowers der «Star Tribune».

Weniger Verkehr wegen Bauarbeiten

Auf zwei Spuren standen die Autos zum Zeitpunkt des Unglücks Stossstange an Stossstange, wie die Polizistin Amelia Huffman berichtete. Dabei war das übliche Verkehrsaufkommen auf dem Teil der Schnellstrasse Interstate 35W erheblich reduziert, weil wegen Bauarbeiten nicht alle Spuren befahrbar waren. Der Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, betonte, die 1967 erbaute und 580 Meter lange Brücke sei in den Jahren 2005 und 2006 vom regionalen Verkehrsministerium überprüft worden. Dabei seien ein paar geringfügige Schäden registriert worden, aber keine grundlegenden Mängel.