«Plan Social»

06. Februar 2011 22:30; Akt: 07.02.2011 11:20 Print

Schwangere entlassen? 100 Punkte!

Wer alle seine Angestellten entlässt, gewinnt. Und wer Behinderte rauswirft, erhält Extra-Punkte. Das Spiel «Plan Social» ist skandalös – und in Frankreich ein Renner.

storybild

Spiel oder nur Zynismus? «Plan Social». (afp)

Fehler gesehen?

Hat der Spieler alle Angestellten auf die Strasse gestellt, kann er den Standort in Europa schliessen und die Produktion nach China verlagern. Dann hat er gewonnen.

Ob er sich wirklich als Sieger fühlt, ist aber fraglich. In Zeiten von Wirtschaftskrise und hohen Staatsschulden ist das Spiel «Plan Social» der französischen Spielzeugfirma Arplay purer Zynismus. Der Spieler schlüpft darin in die Rolle eines habgierigen Aktionärs.
Brisantes Detail: Wenn er Behinderte, Schwangere oder Gewerkschafter rauswirft, kassiert er Extra-Punkte. In Frankreich ist darob eine heftige Debatte entbrannt. «Mit so einem Spiel verletzt man ein Tabu», sagt etwa Psychi­ater Michel Lejoyeux. Es schüre Aggressivität und bringe die Leute dazu, über die Notlage der anderen zu spotten.

Die Kritik hat indes zu einem Run auf «Plan Social» geführt: Die Erstauflage war im Nu ausverkauft. Jetzt wurden 10 000 weitere Exemplare produziert – die bald auch in der Schweiz auf den Markt kommen sollen. Die Produzenten von «Plan Social» hätten das Spiel übrigens nicht gewonnen: Es wird nicht in China, sondern in Frankreich produziert.

(20 Minuten)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Crok Ette am 07.02.2011 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Spiel auf Realitätsbasis!

    Gute Sache! Auch ewige Tranferleistungsbezüger können sich real auf eine härtere Gangart einstellen. Der Mittelstand hat genug, nur als Melkkuh für linke Umverteiler zu dienen. Vorerst macht man sich mit Spielen luft. Die Realität muss folgen!

  • Sonja am 07.02.2011 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    dieses Spiel gibt es schon lange

    Ich würde mir wünschen, einige Betriebsinhaber hätten dieses Spiel gespielt an dem Tag, als sie den Entschluss fassten, ihre gesamte Produktion nach China (oder sonstwo) zu verlegen, ihre gesamte Belegschaft zu entlassen und von fadenscheinigen Sozialpläne für die tatsächlichen Verlierer in diesem Spiel sprachen... so gesehen gibt es dieses Spiel schon sehr lange und bisher wurde es ja auch geduldet!

  • Peschä am 07.02.2011 05:00 Report Diesen Beitrag melden

    Tabu?

    Es zeigt höchstens - vielleicht in einer etwas überspitzten Form - was tagtäglich abgeht. Man könnte sagen, es ermöglicht dem Durchschnittsmenschen auch mal zu tun, was ihm sonst höchstens als Opfer widerfährt. So ein Spiel kann etwas befreiendes haben. Vielleicht führt es auch zu einer offeneren Debatte darüber, was für eine Wirtschaft wir wirklich haben wollen. Eine die Wohlstand für möglichst viele Bürger bringt, oder eine, die es ein paar wenigen erlaubt, ihre Taschen mit Geld zu füllen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonja am 07.02.2011 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    dieses Spiel gibt es schon lange

    Ich würde mir wünschen, einige Betriebsinhaber hätten dieses Spiel gespielt an dem Tag, als sie den Entschluss fassten, ihre gesamte Produktion nach China (oder sonstwo) zu verlegen, ihre gesamte Belegschaft zu entlassen und von fadenscheinigen Sozialpläne für die tatsächlichen Verlierer in diesem Spiel sprachen... so gesehen gibt es dieses Spiel schon sehr lange und bisher wurde es ja auch geduldet!

  • christian anderegg am 07.02.2011 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft in Reinkultur

    Genau so sieht doch die realität aus. Wenn ein Manager den Gewinn steigern kann, so erhält er einen grösseren Bonus. Egal wie der Gewinn entstanden ist. Wenn halt das profitdenken regiert, kann man es sich nicht leisten ethisch zu handeln. Wilkommen auf unserer schönen Welt.

  • Crok Ette am 07.02.2011 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Spiel auf Realitätsbasis!

    Gute Sache! Auch ewige Tranferleistungsbezüger können sich real auf eine härtere Gangart einstellen. Der Mittelstand hat genug, nur als Melkkuh für linke Umverteiler zu dienen. Vorerst macht man sich mit Spielen luft. Die Realität muss folgen!

  • Peschä am 07.02.2011 05:00 Report Diesen Beitrag melden

    Tabu?

    Es zeigt höchstens - vielleicht in einer etwas überspitzten Form - was tagtäglich abgeht. Man könnte sagen, es ermöglicht dem Durchschnittsmenschen auch mal zu tun, was ihm sonst höchstens als Opfer widerfährt. So ein Spiel kann etwas befreiendes haben. Vielleicht führt es auch zu einer offeneren Debatte darüber, was für eine Wirtschaft wir wirklich haben wollen. Eine die Wohlstand für möglichst viele Bürger bringt, oder eine, die es ein paar wenigen erlaubt, ihre Taschen mit Geld zu füllen.

  • MWE am 07.02.2011 03:35 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche ploitical correctness

    Lieber den Austausch pflegen als das man gewisse Ideen verteufelt. Zwischen Gedankenexperimente und der Handlung gibt es immer einen Unterschied. Etwas verbieten nur weil damit Gedankengänge angeregt werden ist der erste Schritte in die Diktatur.