Unfall bei der Loreley

07. Februar 2011 12:29; Akt: 07.02.2011 14:44 Print

Schwefelsäure wird in den Rhein gelassen

Seit dem 13. Januar liegt der havarierte Tanker «Waldhof» im Rhein. Die Bergung ist schwierig. Jetzt drohen die Tanks zu bersten, weil sich das Schiff verbiegt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Teil der Schwefelsäure an Bord der nahe dem Loreleyfelsen havarierten «Waldhof» ist am Montag in den Rhein abgelassen worden. Weil sich das Schiff verbog, drohten Tanks zu bersten und damit ein unkontrollierter Austritt der Säure, wie ein Sprecher der Einsatzleitung in St. Goarshausen auf Anfrage sagte. Den Angaben zufolge bestehe das Risiko, dass sich das Wasser erhitzt, wenn sich Hunderte Tonnen der Säure auf einen Schlag in den Fluss ergiessen. «Im ungünstigsten Fall müssen 1000 Tonnen der Säure kontrolliert in den Rhein geleiten werden», sagte der Sprecher.

Wegen der Gefahr für die Bergungskräfte auf dem Schiff habe man sich zum kontrollierten Einleiten entschlossen. Mit dem Abpumpen von bis zu 80 Tonnen Säure pro Stunde in den Rhein wurde am Mittag begonnen. Das Abpumpen beeinträchtige den Fluss nur in geringem Masse, da die Säure vom Rheinwasser stark verdünnt werde. Pro Sekunde treffen dabei laut Berechnungen der Experten zwölf Liter Schwefelsäure auf 1,6 Millionen Liter vorbeifliessendes Rheinwasser. Das Ablassen der Ladung werde vom Laborschiff «MS Burgund» aus ständig von Chemikern überwacht, sagte der Sprecher.

Schiff biegt sich wie eine Banane

Auch weiterhin versuche man aber nach Kräften, so viel Ladung wie möglich zu bergen. Nach neuen Erkenntnissen sind seit der Havarie am 13. Januar bereits etwa 900 von knapp 2400 Tonnen Säure von der «Waldhof» durch Ventile in den Rhein geflossen. Bislang war man von nur einer geringen Menge ausgegangen. Nötig geworden war das Einleiten in den Rhein, weil sich das Schiff nach dem Abpumpen aus dem hinteren Tank an Bord am Wochenende verzogen hatte. Mehr als 240 Tonnen Säure wurden von einem anderen Tankschiff übernommen. Der vordere Teil der «Waldhof» war daraufhin auf sandigem Untergrund um etwa 20 Zentimeter durchgesackt. Das Schiff habe dadurch eine «leichte Bananenform» bekommen, sagte der Sprecher. Damit das Wrack des Tankers durch das Ablassen der Säure nicht völlig instabil wird, sollen die geleerten Tanks zum Teil mit Rheinwasser gefüllt werden. Der Fluss wurde unterdessen nicht für Schiffe gesperrt: Die Rheinschiffe dürfen die Unfallstelle auch weiterhin nach Aufforderung einzeln passieren.

(ap)