Föhnsturm

22. Dezember 2009 10:43; Akt: 22.12.2009 22:47 Print

Schweiz erlebte Temperatursprung von 42 Grad

In der Schweiz schlägt das Wetter Kapriolen: Nördlich der Alpen hat in der Nacht und auch am Dienstag ein Föhnsturm gewütet, nachdem noch am Wochenende Rekord-Kälten gemessen worden waren. Im Tessin fielen selbst im Flachland rund 30 Zentimeter Schnee.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Jungfraubahn zwischen der Kleinen Scheidegg und dem Jungfraujoch stand am Dienstagvormittag still. Auch die Wengernalpbahn zwischen Grindelwald Grund und der Kleinen Scheidegg fuhr nicht. Im Gebiet Kleine Scheidegg massen die Jungfraubahnen am frühen Dienstagmorgen Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Kilometern pro Stunde.

Auch zahlreiche Anlagen in anderen Wintersportorten des Berner Oberlands blieben am Dienstagvormittag geschlossen, so etwa die Schilthornbahn ab Mürren. Die Züge von Lauterbrunnen hinauf nach Wengen und zur Wengernalp verkehrten aber schon ab dem frühen Morgen.

Strassen in Altdorf gesperrt

Mit 140,4 Kilometern pro Stunde blies der Föhn in Altdorf den Urnern um die Ohren. Die Urner Kantonspolizei musste deshalb mehrere Strassen sperren. Aufgrund des starken Föhnsturmes lösten sich von einem Hausdach Ziegel, welche herumflogen. Kurz vor Mitternacht sperrte die Polizei die Seedorferstrasse zwischen der
Giessenstrasse und der Seedorferbrücke. Sie konnte am Dienstag gegen 10 Uhr noch nicht für den Verkehr freigegeben werden.

In Ägeri im Kanton Zug mass MeteoSchweiz eine Windspitze des Föhnsturms in der Nacht zum Dienstag Tempo 111,6. Vaduz im Fürstentum Liechtenstein meldete 109,1 km/h. Und in Evionnaz im Unterwallis blies der Südwind mit 105,4 Kilometern pro Stunde. Die Höchstwerte wurden in der ersten Nachthälfte erreicht, wie Meteorologin Christa Hayoz sagte.

Temperatursprung von 42 Grad

Im Westen heizte von Frankreich her in die Schweiz gepresste Warmluft ein. In Basel wurde es deshalb 14,3 Grad warm. In La Brévine NE sorgte dieser Westwind für einen phänomenalen Temperatursprung von 42 Grad innerhalb von zwei Tagen: Am Sonntag wurden minus 34,2 Grad gemessen, am Dienstag plus 7,8 Grad.

Auch anderswo sorgte der Föhn für frühlingshafte Temperaturen: Vaduz meldete 11,4 Grad. In Glarus stieg die Quecksilbersäule auf 10,5 Grad. In Altenrhein am Bodensee wurden 10,0 Grad abgelesen, und in Altdorf 9,8 Grad.

SBB-Linien in der Westschweiz lahmgelegt

Wegen des starken Windes haben zwei Züge zwischen St. Maurice VS und Aigle VD in Richtung Lausanne am Dienstagmorgen eine Panne gehabt. Dies führte zu Verspätungen auf der Simplon-Linie - und zwar in beide Richtungen. Der Wind hatte die Stromabnehmer von den Lokomotiven gerissen. Ob die Fahrspuren einen Schaden erlitten haben, wird zurzeit abgeklärt.

Wegen Schäden, verursacht durch das turbulenten Wetter, musste zudem die SBB-Strecke zwischen St. Maurice und St. Gringolph VS zweitweise gesperrt werden. Ersatzbusse kamen zum Einsatz. Gegen 8.30 Uhr wurde die Strecke jedoch wieder frei gegeben.

Winter hat das Tessin im Griff

In der Nacht auf Dienstag fielen in den Niederungen des Tessins rund dreissig Zentimeter Schnee. Etliche Schulen blieben am Dienstag geschlossen. Viele Strassen sind schneebedeckt. Auf dem Lugano Airport wurden am Dienstagmorgen mehrere Flüge annulliert. Die Autobahn A2 wiederum wurde zwischen Airolo und Chiasso für den Schwerverkehr gesperrt, wie Viasuisse mitteilte.

Am Montagabend hatten auf der Ceneri-Rampe acht Lastwagen, die nicht mit Schneeketten ausgerüstet waren, die steile Fahrbahn blockiert. Die Autobahn blieb deswegen mehrere Stunden lang gesperrt. Im Sottoceneri wiederum war der Verkehr sowohl auf der A2 als auch auf den Kantonsstrassen zum Erliegen gekommen.

Die Schneefälle sollen im Tessin andauern. Ob es in der Sonnenstube jedoch weisse Weihnachten geben wird, ist dennoch fraglich. Für Donnerstag und Freitag werden in den Niederungen Regenfälle und Temperaturen um 5 Grad vorhergesagt.

Es wird wieder kalt

Die beiden Haupttransitrouten über Gotthard und San Bernardino waren für den Schwerverkehr gesperrt. Wie den Verkehrsinformationen zu entnehmen war, wurden sie am Dienstagmorgen wieder freigegeben. Die Meteorologen erwarteten für die Nacht zum Mittwoch eine neue Kaltfront.

(rub/ap)