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19. März 2019 14:49; Akt: 19.03.2019 14:49 Print

Schweizer Arzt rettet von Kugeln durchsiebten Affen

Um die Leben von zwei Orang-Utans zu retten, reiste Dr. Andreas Messikommer nach Sumatra. Bereits 15-mal operierte er schwere Fälle.

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Ein Orang-Utan-Weibchen wurde letzte Woche mit 74 Luftgewehrkugeln im Körper in die Auffang- und Pflegestation des Sumatra-Orang-Utan-Schutzprogramms eingeliefert. Dort gab man ihr den Namen Hope. Nur einen Tag später kam ein Säugling mit gebrochenen Knochen dazu, die Mitarbeiter tauften ihn Brenda. Um den beiden Tieren zu helfen, flog ein Chirurg im Auftrag der Schweizer Stiftung Pan Eco nach Sumatra.

In Südostasien geht durch Rodung der natürliche Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen zurück. Menschen, die sich um die Ernte ihrer Felder fürchteten, gerieten wahrscheinlich in den Konflikt mit dem hungernden Tier und versuchten es mit dem Luftgewehr zu verscheuchen oder zu verletzen, schreibt Pan Eco in einer Medienmitteilung.

Infektionen durch schwere Verletzungen

Das Resultat: Das Orang-Utan-Weibchen Hope wurde von Dutzenden Kugeln getroffen, verlor beidseitig sein Augenlicht, das Schlüsselbein war gebrochen und es hatte durch die schweren Verletzungen Infektionen. Entsprechend ernst war sein Zustand bei der Ankunft in der Station des Schutzprogramms.

Brenda, erst drei Monate alt und aus einer illegalen Haustierhaltung befreit, wurde mit einem gebrochenen Oberarmknochen eingeliefert. Um den beiden Orang-Utans zu helfen, flog Dr. Andreas Messikommer, ein Humanorthopäde aus der Westschweiz, extra nach Sumatra. Am letzten Sonntag operierte er die beiden Tiere.

Nur noch etwa 14'000 Exemplare

Bereits 15-mal reiste der Arzt im Auftrag der Stiftung Pan Eco in die Auffang- und Pflegestation, um dort schwierige Fälle zu operieren. Sein Engagement leistet er freiwillig. Dazu sagt er: «Mich freut es, wenn ich helfen kann. Für mich ist es jeweils sehr schön, wenn ich höre, dass es den von mir operierten Orang-Utans wieder besser geht. Natürlich sind einige Schicksale wirklich schockierend, wie auch das von Hope.» Umso schöner sei es jeweils, wenn die Tiere wieder im Regenwald leben könnten. Einige von ihnen würden sich dort erfreulicherweise wieder fortpflanzen und damit helfen, ihre Art zu erhalten. Ein Teil dieses Prozesses zu sein, sei «grossartig».

Die Zukunftsperspektiven der beiden Orang-Utans sind gut. Dr. Yenni Saraswati, leitende Tierärztin in der Auffang- und Pflegestation, sagt dazu: «Die Operationen gingen den Umständen entsprechend gut. Noch ist es zu früh, um ein abschliessendes Urteil zu fällen, jedoch hoffen wir auf eine schnelle und komplikationslose Erholung.» Obwohl Hope nie mehr in freier Wildbahn leben kann, wird ihr bei entsprechender Genesung ein gehegefreies Leben auf einer Insel im «Orang-Utan Haven» beschieden sein.

Für Brenda sieht es noch besser aus. Bei guter Entwicklung und bester Gesundheit steht einem späteren freien Leben im tropischen Regenwald nichts im Weg. Schicksale wie das von Brenda und Hope sind leider nicht selten. Anfang 2018 wurde im indonesischen Teil der Insel Borneo ein Orang-Utan von 130 Kugeln getroffen. Das Tier verendete. Auf Sumatra leben nur noch etwa 14'000 Exemplare in freier Wildbahn.

(dmo)