Schweizer Experte in Indonesien

04. Oktober 2018 16:52; Akt: 04.10.2018 16:52 Print

«Bei Dunkelheit bewegen wir uns nicht»

Eine Woche nach dem Tsunami erreichen Hilfsgüter die schwer beschädigte Stadt Palu. Auch das Expertenteam des Bundes ist angekommen. Die ersten Eindrücke.

Die dringend benötigte Hilfe erreicht langsam die Insel. (Video:Tamedia/AFP/Storyful)
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«Aus der Luft haben wir die Bodenverflüssigung in Teilen der Stadt gesehen. Das wirkt ziemlich bedrohlich», sagt der Schweizer Logistikexperte Beat Herger. Knapp eine Woche nach dem schweren Erdbeben und dem folgenden Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi ist Herger als Teil des ersten Expertenteams des Schweizer Korps für Humanitäre Hilfe SKH in Palu eingetroffen.

«Am Flughafen herrscht ein hektisches Treiben, es gibt viel Bewegung von Militärs und Hilfsorganisationen», sagt Herger. Maschinen – beladen mit Hilfsgütern aus dem Ausland – kommen hier an.

Palu mit rund 350'000 Einwohnern wurde vom Tsunami besonders schwer getroffen – bis zu sechs Meter hohe Wellen trafen die Stadt.

Es ist Donnerstagnachmittag (Ortszeit) und das Expertenteam seit wenigen Stunden in der Stadt. «Die Bilder, die wir hier sehen, machen sehr betroffen. An den grossen Schadensplätzen ausserhalb der Stadt wird sich das wohl noch verstärken», sagt Herger. «Die Menschen sind konsterniert, schockiert, verzweifelt. Es herrscht Trauerzustand.»

«Bewegen uns nicht bei Dunkelheit»

Noch immer gibt es kleinere Nachbeben. Auch für die Helfer eine Gefahr – und nicht die einzige. Berichten zufolge wurden Lastwagen mit Hilfsgütern auf dem Weg nach Palu von Plünderern überfallen.

«Davon haben wir natürlich Kenntnis», sagt Herger. In der Stadt sei diese Gefahr weniger gross, «trotzdem bewegen wir uns nicht bei Dunkelheit».

In Erdbebengebieten sei die Situation immer schwer einschätzbar. Eine weitere Sicherheitsvorkehrung: «Wir halten uns nur in einstöckigen Gebäuden auf, wie die Einheimischen das zurzeit auch tun», erklärt Herger. Der Ingenieur im Team beurteile jeweils deren Statik. «Alternativ haben wir auch Zelte als Unterkunft dabei.»

Schwingt bei den Experten auch Angst mit? Herger: «Angst wäre bei solchen Einsätzen ein schlechter Begleiter. Aber Respekt haben wir schon.»

Beat Herger ist Logistikexperte und Verbindungsoffizier des Schweizer Korps für Humanitäre Hilfe SKH.

«Verwüstung und Tragödie» in Indonesien


(kko)