Klassenreise nach Berlin

05. Februar 2011 10:53; Akt: 07.02.2011 11:15 Print

Schweizer Schüler überfallen Paar

Schon wieder sind Schweizer Schüler auf einer Klassenfahrt in Deutschland kriminell geworden: Vier 18-jährige Berner haben in Berlin ein Pärchen verprügelt und überfallen.

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Es war am frühen Freitagmorgen im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, als die vier Schweizer Schüler in der Belforter Strasse einen 38-Jährigen und dessen 27-jährige Freundin um Geld baten, schreibt der «Tagesspiegel». Den Mann stiessen sie Polizeiangaben zufolge von hinten zu Boden. Auch die Frau attackierten die Touristen. Darauf flohen sie. Dem Paar wurde das Handy und das Portemonnaie gestohlen. Wenig später nahm die Polizei einen der Schweizer fest. Die anderen wurden in einem Hostel verhaftet. Die Polizei in Berlin ermittelt wegen Raubes.

Ein Polizeisprecher in Berlin bestätigte gegenüber 20 Minuten Online den Vorfall. Bei den Schweizer Schülern handle es sich um Jugendliche aus dem Kanton Bern (Belp, Bremgarten und Muri). Alle seien jetzt auf freiem Fuss, müssten zu Hause aber mit dicker Post aus Berlin rechnen. Nähere Angaben über die Täter konnte der Polizeisprecher nicht machen. In der Millionenmetropole Berlin gebe es viele Raubüberfälle, darunter seien natürlich auch Schweizer als Täter auszumachen. Mit ironischem Unterton meinte der Polizeisprecher, die Schweizer seien aber die schlimmsten.

Münchner Schläger bei Deutschen präsent

Dieser subjektive Eindruck des Sprechers deckt sich mit den Talkbacks im «Tagesspiegel». Der Artikel löste bei den Lesern Empörung aus. Im Talkback wundert man sich über die Schweizer Schüler im Ausland: «Scheint ja ein Volkssport der Jugend dort zu sein, bei uns die Leute umzuhauen.» Oder: «Wieder mal so eine (lustige) Klassenfahrt. Man sollte die Institution der 'Schweizermacher' wieder aufleben lassen, mit anderer Zielrichtung. Nicht die Aussortierung unerwünschter 'Fremder' sollte hier das Ziel sein, sondern Lehrstunden 'wie benehme ich mich im Ausland, damit ich meinem Land keine Schande mache'.»

Der Fall erinnert in Ansätzen an den Fall München: In der Nacht vom 30. Juni 2009 verprügelten die Zürcher Schüler Mike B., Ivan Z. und Benji D. in München fünf zufällig ausgewählte Opfer. Sie wurden 2010 verurteilt (siehe Infografik).

Regeln vorgelegt

Der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver sagte am Westschweizer Radio, dass die vier Schüler bis anhin nicht negativ aufgefallen seien. Ihr Verhalten in Berlin sei aber keinenfalls tolerierbar. Die Eltern der Schüler seien «sehr überrascht» gewesen.

Weiter sagte Pulver, dass der Klasse vor der Reise schriftlich Verhaltensregeln vorgelegt worden seien. «Alle Massnahmen, die nach dem Fall München eingeführt wurden, sind ergriffen worden.» Die Klasse sei in Berlin von zwei Lehrern begleitet worden.

Auch machte Pulver darauf aufmerksam, dass volljährigen Schülern nicht verboten werden könne, auszugehen. Die Diskussion, ob Klassenreisen überhaupt noch durchgeführt werden sollen, will der grüne Regierungsrat den Schulen überlassen. Er betonte, dass «99,9 Prozent aller Schülerinnen und Schüler» keine Probleme machten.

(kub)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger Duft am 05.02.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    schäme mich als Schweizer

    In Dutschland verhaften, und aburteilen, analog den Zürcherschülern.

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  • AP. Bärfuss am 06.02.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdige deutsche Justiz?!

    Da werden Leute überfallen und ausgeraubt (Kapitalverbrechen) von Erwachsenen und die D Justiz lässt sie einfach laufen? Sie werden mit Post zu rechnen haben? Ja, was? Strenge Strafen im ultralinken Bern - wer's glaubt. Da lachen ja die Hühner - und die Schweizerbürger ärgern sich.

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  • Peschä am 06.02.2011 03:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ist dieses Phänomen wirklich neu?

    Oder wird heute einfach mehr darüber berichtet?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schmutzli am 07.02.2011 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Lästerei

    Geht ja gar nicht diese Lästerei. Nur weil diese vier jungen Männer und die drei des vergangenen Jahres totalen Mist gebaut haben, ist es nicht erforderlich gleich alle SchweizerInnen in den selben Kochtopf zu schmeissen. Das gezeigte Verhalten ist nicht zu entschuldigen und weiss Gott was den Männern durch den Kopf gegangen ist, eine solche Straftat zu begehen. Aber nur weil 2 solche Ereignisse in 2 Jahren von Schweizer Touristen verursacht wurden, sind noch lange nicht alle Schweizer Jugendlichen so. Der Grossteil der Jugend, ob nun Schweiz oder nicht, weiss sich durchaus zu benehmen!

    • freisinn am 07.02.2011 22:24 Report Diesen Beitrag melden

      Nee, oder doch!? Nee, oder etwa doch?!

      Ja klar, das werden die Opfer sicher verstehen und Ihnen ganz sicher zustimmen . Eigentlich sind ja die armen Schweizer Schüler die Opfer...das Paar hat die Schüler ganz sicher brutal proviziert und hat sich ihnen gegenüber arogant gegeben.

    • freisinn am 07.02.2011 23:21 Report Diesen Beitrag melden

      Nochmal, ganz langsam, überlegen

      Bitte lesen sie den Tatablauf; ganz langsam und in Ruhe durch: und dann überlegen Sie bitte nochmals; ganz langsam und in Ruhe... und nun, bleiben Sie bei ihrer Meinung: "totalen Mist gebaut haben"? Hallo, es geht nicht darum, dass die Jungs (alle sind 18 und somit Volljährig) einen Kaugummiautomaten geknackt haben... Sie haben unschuldige, teilweise behinderte Menschen gemein und hinterhälitg überfallen, geschlagen (brutal und ohne rücksicht) und (beim Paar) ausgeraubt. Frage, wie würden SIE sich fühlen?

    • Schmutzli am 08.02.2011 20:54 Report Diesen Beitrag melden

      @ freisinn, bitte langsam lesen

      Uns scheint, Sie haben den Inhalt unseres Beitrages nicht richtig verstanden... Deshalb hier nochmal, ganz langsam: Wir haben in keiner Weise angedeudet, dass wir es in Ordnung finden, was die Jungs angestellt haben. Wir haben lediglich gesagt, dass es nicht O.K. ist nun gleich alle Schweizer Jugendlichen gleich darzustellen, da es sich bei den 4 um einen extrem kleinen Anteil handelt und der Rest nicht so negativ auffällt!!

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  • ... am 07.02.2011 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    interessant...

    Ist echt interessant, wie viele Leute diese Täter höchstpersönlich kennen und genau wissen, welche Nationaliät sie haben... Ausserdem ist es vollkommen egal, welche Nationalität sie haben, der entscheidende Punkt ist ja, dass derartige Täter hier in der Schweiz einfach nicht so bestraft werden, wie sie es verdient hätten!!!

  • rölfli am 07.02.2011 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    härter bestrafen?

    an die leute die hier härtere bestrafungen fordern: glaubt ihr wirklich, dass härtere strafen etwas bringen würden? man bedenke dass diese 4 ziemlich sicher von den münchnern schläger und deren bestrafung gehört haben. abgeschreckt hat es sie nicht! ich denke bei leuten die zu gewalttaten bereit sind haben einfach keinen sinn für verantwortung und sind unfähig, vorauszudenken. man könnte die todesstrafe fordern, die würden immernoch rumprügeln und leute ausrauben...

    • Benjamin am 07.02.2011 18:07 Report Diesen Beitrag melden

      Grenzen

      Den Jugendlichen müssen gewisse Grenzen wieder in Erinnerung gerufen werden. Ich bin auch der Meinung, dass man jugendliche Täter hier in der Schweiz mit Samthandschuhen anfasst.

    • freisinn am 07.02.2011 22:35 Report Diesen Beitrag melden

      Ursachenforschung?

      Ursachenforschung? Wo liegen diese Schlägereien/ gemeinen Attacken gegenüber Deutsche begründet? Hat das mit der fortlaufenden Stimmung(smache) gegen Deutsche in der Schweiz zu tun? Warum mutieren friedliche, liebe, brave Schweizer Schüler in Deutschland zu gemeine Schläger? Ich denke nicht, dass man diese Schüler mit Samthandschuhen anfassen sollte. Diese Schüler sind volljährig und somit vollumfänglich für Ihr Handeln und Tun verantwortlich, nach deutschen und Schweizer Recht!

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  • Thomas am 07.02.2011 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schlau gewesen

    In Bayern hätte man sie Weggesperrt in Berlin lässt man sie laufen.

  • Philippe Latscha am 07.02.2011 05:22 Report Diesen Beitrag melden

    Das Ansehen der Schweiz schwindet und schwindet

    Die Schweiz lebt immer noch in der "Heidi" Vergangenheit. Kuscheljusitz und eine unfähige Polizei. Da nützt auch das Gebelle der SVP nichts. Und jetzt ist auch noch eine Waffendiskussion im Gange. Peinlich! Schweizer, wacht auf und stellt Euch der Gegenwart. Klärt Eure Probleme im Land und nicht an den Grenzen. Lahmer gehts wohl nicht mehr.