Angeschossen in Favela

03. Januar 2020 01:40; Akt: 03.01.2020 02:01 Print

Schweizer Tourist in kritischem Zustand

Ein 73-jähriger Tourist aus der Schweiz wurde bei einem Raubüberfall in Rio de Janeiro schwer verletzt. Er und seine Frau waren vom GPS ins Armenviertel gelotst worden.

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Ein Schweizer Touristenpaar ist von seinem Navigationssystem in ein brasilianisches Armenviertel gelotst und dort Opfer eines Raubüberfalls geworden. Ein 73-jähriger Mann wurde laut Polizei in die Brust geschossen und schwer verletzt. Seine Frau kam leicht verletzt davon.

Die Militärpolizei von Rio de Janeiro teilte am Montag (Ortszeit) auf Twitter mit, dass sie zwei Schweizer Touristen, die bei dem Überfall am Sonntagabend im Armenviertel Cidade Alta verletzt wurden, gerettet hat. Der verletzte Mann wurde ins Spital eingeliefert. Die Kugel hat seine Lunge durchbohrt - das Organ hat sich entzündet, weshalb eine Operation derzeit nicht möglich ist. Er befindet sich in kritischem Zustand. Gemäss «Extra Globo» wurde der Mann inzwischen auch vom staatlichen Spital in ein anderes, moderneres Spital verlegt.

Das GPS-System habe das Ehepaar, das in die Küsten-Kolonialstadt Paraty südlich von Rio unterwegs war, am Sonntagabend durch die Favela geleitet, teilte die Polizei mit. Dort seien beide von unbekannten Räubern angegriffen worden. Die 65 Jahre alte Frau trug nach Presseberichten Schnittwunden am Arm davon. Sie selbst schildert die Situation jedoch anders:«Wir haben die Favela nicht betreten», sagt sie laut örtlichen Medien.

Touristen sollten Gegend meiden

Der Vorfall habe sich in einem Gebiet ereignet, das von Kriminellen beherrscht werde, sagte ein Sprecher der Militärpolizei der Nachrichtenagentur AP. Touristen sollten die Gegend meiden. Bis Dienstag hat die Polizei drei Verdächtige ausgemacht. In welche Zusammenhang sie mit der Tat stehen, war zunächst unklar. Die Beamte stellten zudem eine Handfeuerwaffe sowie Drogen sicher.

Der Schweizer Generalkonsul in Rio de Janeiro, Rudolf Wyss, teilte gemäss Medienberichten in einer Stellungnahme mit, er stehe in Kontakt mit den brasilianischen Behörden und leiste den Opfern die notwendige Unterstützung. Aufgrund des Persönlichkeitsschutzes könnten keine weiteren Angaben gemacht werden.

Ein brasilianisches Ehepaar war 2015 wegen ihres GPS-Geräts ebenfalls in eine Favela gefahren. Eine 70-jährige Frau wurde durch einen Schuss getötet.

(scl/sda)