Lawinen-Katastrophe

23. Januar 2017 05:48; Akt: 23.01.2017 11:04 Print

Schweizer bewachen den Unglückshang in Italien

von V. Blank - Zwei Schweizer wurden nach Farindola gerufen, um einen hochspezialisierten Lawinenradar zu installieren. Er schützt die Rettungskräfte vor Folgelawinen.

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Die Schweizer Firma Geopraevent wurde nach Italien gerufen, um das Sicherheitsrisiko für die Rettungskräfte zu minimieren. Der hochspezialisierte Lawinenradar von Geopraevent wurde oberhalb des verschütteten Hotels Rigopiano in Farindola angebracht. Entdeckt das Gerät Bewegungen am Hang, geht ein Alarm los. Die Wetterbedingungen in Farindola sind ungünstig für die Bergungsarbeiten. Giorgia G. war nach dem Lawinenniedergang in Farindola, der ein ganzes Hotel verschüttete, vermisst worden. Freitagnacht konnten Sie und ihr Freund Vinzeno in den Trümmern lokalisiert werden. In der Nacht auf Samstag wurden sie ins Spital gebracht. In mühsamer Kleinarbeit haben sich die Retter zuvor über verschiedene Öffnungen Zugang zum Hotel geschaffen. Mit Schaufeln graben sie sich durch die Betonharten Schneemassen. Die Orientierung ist schwierig, da das Hotel zu einem grossen Teil zerstört wurde. Im Innern blieben aber einige Bereiche praktisch unversehrt. Hier wurde mehrere Überlebende gefunden. Die Betroffenen hatten riesiges Glück im Unglück. Für die Schweizerin Giorgia G. ist es ein Wunder, dass sie überlebt hat. Die Lawine habe ihr Leben für immer verändert. Ein Bild aus dem Übergang zwischen Poolbereich und Hotel zeigt die Gewalt der Zerstörung. Kampf gegen die Zeit: Feuerwehrleute, alpine Retter und Militär suchen nach Überlebenden im von der Lawine heimgesuchten Hotel. (19. Januar 2016) Drama im Erdbebengebiet: Ein Helfer beim Poolbereich. Er versucht, ins Innere des zerstörten Hotels zu gelangen. (19. Januar 2017) Der Rettungseinsatz läuft: Ein Foto des italienischen Feuerwehr-Departements zeigt einen Konvoi auf dem Weg zum Hotel Rigopiano. (19 Januar 2017) Italienische Rettungsteams kämpfen gegen die Zeit an, um die verschütteten Menschen zu retten. Zwei Personen, die sich während des Unglücks im Freien aufgehalten haben sollen, sind laut Medien gerettet. Schneemassen dringen in die Räume des Hotels Rigopiano ein. Rettung kommt: Hilfskräfte graben sich durch die Schneemauern ins Hotel. Die Lawine drang ins Hotel ein: Schnee am Ende eines Gangs im Hotel Rigopiano in Farindola. Schwieriger Zugang: Eine von Schnee umgebene Tür. Eine Luftaufnahme zeigt das Hotel. Retter sprechen von einem «tragischen Gemisch aus Erdbeben und Lawine»: Ein Helikopter und Retter zu Fuss auf dem Weg zum Hotel in Farindola. (19. Januar 2017) Weiter bergauf ist die Strasse durch Lawinenniedergänge blockiert: Zufahrt zum verschütteten Hotel Rigopiano in den Abruzzen in Mittelitalien. Gefangen in der Kälte: 20 Personen, darunter zwei Kinder, befinden sich im Hotel Rigopiano. Das Hotel befindet sich in der der mittelitalienischen Bergregion Abruzzen, in der Ortschaft Farindola: Das Foto zeigt das Hotel vor dem Lawinenniedergang. Rettungskräfte suchen nach den Verschütteten. Ein Teil der Gebäudestruktur sei eingestürzt, hiess es. Die Rettungseinheiten konnten wegen des hohen Schnees nur mit grösster Mühe nach Stunden das Hotel erreichen, in dem Lichter brannten.

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Der Hilferuf kam am Freitag. Die italienischen Rettungskräfte am Unglücksort in Farindola, wo am Mittwoch eine Lawine das Hotel Rigopiano begraben hatte, stehen vor einem Problem: Wegen der schlechten Wetterbedingungen begrenzt sich die Sicht auf maximal 50 Meter – mögliche Folgelawinen können nicht früh genug erkannt werden. Das bringt die Einsatzkräfte, die immer noch nach Überlebenden suchen, in eine prekäre Lage.

Die Universität Florenz wusste, wer helfen kann. Sie standen schon vor dem Unglück in Kontakt mit der Schweizer Firma Geopraevent. Das Züricher Start-up hat einen Lawinenradar entwickelt, der Massenbewegungen aus einer Distanz von bis zu 2 Kilometern erkennen kann. Das Gerät funktioniert bei jeder Wetterlage, auch bei Regen, Nebel und Schnee – also genau denjenigen Witterungsbedingungen, die die Bergungsarbeiten in Farindola derzeit so schwierig machen.

Radar schlägt sofort Alarm

Nach dem Anruf aus Florenz fackelte Geopraevent nicht lange und schickte noch am selben Tag zwei Mitarbeiter nach Italien. Im Gepäck hatten sie ihren in der Schweiz entwickelten Lawinenradar. «Seit Samstagabend ist das Gerät erfolgreich im Einsatz», sagt Samuel Bohnenblust von Geopraevent zu 20 Minuten. Er und sein Kollege Bernhard Blattmann sind die beiden Schweizer Spezialisten, die den Radar unter grossem Zeitdruck oberhalb des verschütteten Hotels installiert haben. Sie sind voraussichtlich noch bis Dienstag an der Unglücksstelle.

Bohnenblust schildert die Situation vor Ort: «Der Nebel ist sehr dicht, es können keine Helikopter fliegen – ohne technische Hilfe kann man eine Folgelawine unmöglich detektieren.» Der an einem Baumstamm angebrachte Schweizer Radar schlägt sofort Alarm, wenn er eine Bewegung am Hang entdeckt, an dem die tödliche Lawine losgegangen ist: Es ertönt eine Sirene, ein Lichtsignal blitzt auf. «Die Rettungskräfte haben nach der Alarmierung rund eine Minute Zeit, sich in Sicherheit zu bringen», erklärt Bohnenblust.

Eine Minute entscheidet über Leben und Tod

Diese Minute entscheidet im Fall einer Folgelawine über Leben und Tod der Retter vor Ort. Genügend Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, sagt Bohnenblust: «Etwa 100 Meter vom Lawinenkanal entfernt besteht keine Lebensgefahr mehr.» Sein Kollege, Radar-Ingenieur Blattmann von Geopraevent, checkt regelmässig vor Ort, ob das Schweizer Gerät einwandfrei funktioniert. Auch die Kollegen am Unternehmenssitz in Zürich können den Radar vom Computer aus überwachen.

Dass gerade eine Schweizer Firma um Hilfe angefragt wurde, hat gute Gründe: Die Technologie, die Geopraevent einsetzt, ist weltweit einzigartig. «Einer unserer grossen Wettbewerbsvorteile sind die All-Wetter- und die Nacht-Funktionalität», sagt Geschäftsführer Lorenz Meier im Gespräch mit 20 Minuten. Auch eine Fläche von bis zu drei Quadratkilometern überwachen könne nur der Lawinenradar von Geopraevent.


Ein Video zeigt, wie Überlebende aus den Trümmern des zerstörten Hotels gerettet werden:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zürcher am 23.01.2017 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Engel

    Mein grösster Respekt an die Retter! Was die leisten ist unglaublich!

  • Giuseppe am 23.01.2017 06:53 Report Diesen Beitrag melden

    Svizzera-Italia

    Was ist mit den Tessiner Rettungstruppen welche schon lange vor Ort sind und unseren italienischen Brüdern helfen? Kein Wort darüber?

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  • greenlife-ch am 23.01.2017 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prävention

    Prävention vom feinsten!! :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mainon am 23.01.2017 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    merci

    ich kann nicht in Worte fassen wie viel Respekt und Dankbarkeit ich für die Arbeit jedes einzelnen Helfers empfinde. Danke

  • Sehnsucht 67 am 23.01.2017 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal von wo.

    Egal von vo die Hilfe kommt wichtig ist zu helfen. Vielleicht passiert noch ein wunder und es werden lebende geborgen. Die Helfer ( egal von wo) leisten hervorragende Arbeit. Wir im warmen Stübchen wissen nicht wie es vor Ort ist und genau darum ein dickes Lob für alle die daran beteiligt sind.

  • Sulejka am 23.01.2017 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rettungsdienst

    der Schweiz.Rettungsdienst ist auf der ganzen Welt bekannt auch unsere Lawinen- und Katastrophen- Hunde- Führer. Wir hatten vor vielen Jahren auch einen Hund so ausgebildet im Militär Camp in Wangen a.A. Ein grosses Dankeschön an alle Retter vom In- und Ausland für diese gefährlichen Einsätze.

  • Fritz Hofer am 23.01.2017 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richte Hilfe naht

    Danke an die Schweizer, die Dort Hilfe leisten. Ich bin beeindruckt. Einmal mehr sieht man, dass es ohne uns nicht vorwärts geht

    • Karl Karli am 23.01.2017 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz Hofer

      Diese Hilfe ist sicher nicht Gratis . Wohl eher ein Geschäft. Aber trotzdem sage ich Danke.

    • antonzum am 23.01.2017 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz Hofer

      "Einmal mehr sieht man, dass es ohne uns nicht vorwärts geht"!?? Das ist eine sehr hochtrabende Aussage und bedarf dringend einer Überarbeitung: sehr wohl können auch Nicht-Schweizer-Teams hervorragende Arbeit leisten. Wir sollten unsere Nase nicht immer so hoch tragen.

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  • warum ? am 23.01.2017 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lawinensuchhund

    warum hat man nicht von anfang an lawinensuchhunde eingesetzt ? die sind herforragend und haben in einem heli bestens platz. jede minute zählt, danke an alle helfer, vorallem denen die schon tagelang im einsatz stehen.

    • E.G.D. am 23.01.2017 08:54 Report Diesen Beitrag melden

      Schon

      Sie haben tatsächlich von Anfang an im Hotel Hunde eingesetzt...

    • Jacqueline am 23.01.2017 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @warum ?

      weil sie nicht durch die Wände riechen können, sie waren ja ganz zu Anfang im Einsatz haben aber nicht angeschlagen

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