Havarierte «Costa Allegra»

28. Februar 2012 12:47; Akt: 28.02.2012 17:43 Print

Schweizer müssen drei Tage auf Schiff ausharren

von Adrian Müller - Kein Strom, Angst vor Piraten: Statt einer Traum-Kreuzfahrt im Indischen Ozean erleben die 90 Schweizer an Bord der «Costa Allegra» bange Stunden. Ein Ende der Odyssee ist nicht in Sicht.

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Erschöpft, aber in Sicherheit: Eine Passagierin der «Costa Allegra» wird im Hafen von Mahé von Helfern an Land geführt. Der Albtraum hat ein Ende: Am 1. März läuft die «Costa Allegra» in den Hafen von Mahé ein. Die Passagiere sind in Sicherheit. An Land warten auf sie bereits Angestellte von Reisebüros, die die Rückreise für die Passagiere organisiert haben. Die Passagiere mussten eine zweite Nacht an Deck verbringen, nachdem das Lüftungssystem an Bord ausgefallen war. Seit Montag trieb die «Costa Allegra» manövrierunfähig im Indischen Ozean, nachdem ein Brand im Maschinenraum ausgebrochen war. Viele der rund 1000 Menschen an Bord standen an Deck und winkten, als das Schiff am Kai festgemacht wurde. Kurz bevor das Schiff im Hafen anlegte, war das Gepäck der Passagiere schon vor Ort. Hier haben die rund 1000 Menschen an Bord nur noch kurz auszuharren, bis auch sie an Land können. Rote Kreuz hat im Hafen Zelte aufgebaut, um sie versorgen zu können. Im Schlepptau eines französischen Fischtrawlers hat die «Costa Allegra» am 1. März den Hafen von Mahé auf den Seychellen erreicht. Die über 600 Passagiere sollen von dort in ihre Heimatländer ausgeflogen werden. Alternativ wird ihnen aber auch angeboten, ihre Ferien gleich auf den Trauminseln zu verbringen. 29. Februar 2012: Die Costa Allegra wird Richtung Seychellen geschleppt. Die Passagiere sind fast alle auf dem Oberdeck. Sie werden aus der Luft versorgt... ...dort ist es wegen einer leichten Brise auch am kühlsten. Hier im Hafen von Victoria auf den Seychellen soll das Schiff am Donnerstag 1. März 2012 um 08.30 Uhr ankommen. Unrühmliches Ende einer Kreuzfahrt: Ein französischer Fischkutter schleppt die 187 Meter lange Costa Allegra ab. Nach einem Brand an Bord trieb das Kreuzfahrt Schiff zuvor seit dem 27. Februar manövrierunfähig im Indischen Ozean. An Bord befinden sich 1049 Personen, darunter sind 636 Passagiere aus 25 Ländern. Unter den Passagieren sind 90 Schweizerinnen und Schweizer. Nach dem Ausfall der Motoren gibt es an Bord keinen Strom. Die Menschen müssen ohne Licht und warmes Essen auskommen. Bis zur endgültigen Rettung werden die Passagiere mit Lebensmitteln aus der Luft versorgt. Einen Tag nach der Havarie erreichte ein französisches Fischereischiff (rechts) die «Costa Allegra». Der Fischtrawler soll das Kreuzfahrt Schiff zur 3,24 Quadratkilometer grossen Seychellen-Insel Desroches schleppen. Die «Costa Allegra» gehört ebenso wie die havarierte «Costa Concordia» zur italienischen Reederei Costa Crociere. Im Bild Giorgio Moretti, der Direktor der Reederei.

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So haben sich die Schweizer Gäste ihre Traumkreuzfahrt bestimmt nicht vorgestellt: Seit Montag treibt die «Costa Allegra» ohne Strom mit 1000 Menschen an Bord rund 200 Kilometer südlich der Seychellen, wo somalische Piraten aktiv sind. Die Passagiere mussten die Nacht offenbar auf dem Deck verbringen. Statt eines ausgiebigen Frühstücks-Buffets gab es heute bloss ein kaltes Zmorge. Weder die Klimaanlage noch der Notstrom funktionieren. Und dies nur sechs Wochen nach dem Untergang der «Costa Concordia», die zur selben Reederei gehört.

Helikopter fliegen derzeit Taschenlampen, Lebensmittel, Satellitentelefone und Kurzwellenradios zu der wegen ihrer grossen Glasfronten auch «Kristallschiff» genannten «Costa Allegra», die ursprünglich als Containerfrachter gebaut worden war.

Erst am Donnerstag am Ziel

Ein französischer Fischkutter und zwei Schlepper haben das havarierte Kreuzfahrtschiff inzwischen erreicht und schleppen sie Richtung der Hauptstadt Victoria ab. Dort soll die Costa Allegra allerdings laut neuesten Meldungen erst am Donnerstag eintreffen. Eigentlich sollte zuerst die nahe gelegene Luxus-Insel Desroches Island angesteuert werden, wo Prinz William und Kate 2007 Liebesferien verbrachten. Nach intensiven Abklärungen haben aber die Costa-Verantwortlichen erkannt, dass das das Kreuzfahrtschiff im kleinen Hafen nicht anlegen kann.

Auf spontane Luxus-Ferien können die Schweizer Passagiere also nicht hoffen. 73 der 90 Schweizer gehören einer Gruppe des Veranstalters Reisecenter Plus an: «Wir haben unseren Reiseleiter noch nicht erreichen können, da keine Telefonverbindung verfügbar ist», sagt Geschäftsführerin Christine Bucher zu 20 Minuten Online. Costa selbst könne mit dem Kapitän nur per Funk kommunizieren. Alle Passagiere seien wohlauf. «Das ist bestimmt keine angenehme Situation für die Reisenden, die Lage ist aber unter Kontrolle», so Bucher.

(Quelle: YouTube/AP)

Schwierige Evakuierung

Die 90 Schweizer waren am 21. Februar von Mauritius aus in See gestochen. Am Montag sollten die Passagiere nach einem Stopp in Madagaskar einen «Tag auf See» geniessen, bevor die Seychellen angesteuert worden wären. Doch dann ist im Motoren-Raum ein Brand ausgebrochen. An eine Reparatur der Generatoren ist nicht zu denken, der Schaden ist zu gross. «Die Kreuzfahrt wird deshalb abgebrochen», so Bucher.

Einmal in der Hauptstadt angelangt, will Costa die Reisenden von Mahé mit Sonderflügen nach Europa fliegen. Möglicherweise könnten aber die Kreuzfahrer ihre Ferien auf den Seychellen weiterführen, so Bucher.


Ein Fischkutter schleppt die «Costa Allegra» in die Hauptstadt der Seychellen, Victoria. Dort kommt das Schiff allerdings erst am Donnerstag an.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christine Schmohl am 28.02.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Costa

    Costa gibt es schon über 60 Jahre leider können immer Unfälle geschehen. Kann mir einer sagen wieviel mal Costa Unfälle hatte. Ich bin schon 13X mit Costa gereist und die nächste ist bereits in Reichweite. Costa ist Sicher....

  • Kipkoech am 28.02.2012 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Reederei Thuner- und Brienzersee

    Jawohl Kreuzfahren ist herrlich. Aber doch am liebsten mit der Reederei "Thuner- und Brienzersee-schifffahrt" - da kann man Abends dann wieder Heim und schläft gemütlich in der eigenen "Koje" .....

  • Heiri Nussmüller am 28.02.2012 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht vergleichbar

    Es ist doch wie bei Flugzeugabstürzen. Wenn etwas tragisches passiert, wird danach in den Medien jeder noch so kleine "Vorfall" aufgebauscht. Es beteiligen sich dann viele selbsternannte "Experten" an den den Diskussionen ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben. 1. ein 1969 gebautes Schiff (Containerschiff) welches 1992 umgebaut wurde, ist kein alter Kahn. 20 Jahre sind für ein Kreuzfahrtschiff kein Alter 2. Costa Concordia war klar menschliches Versagen. Costa Allegra ist technisch bedingt und deshalb nicht vergleichbar.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Salomé am 29.02.2012 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Buglastig

    Wieso sieht dieses Schiff eigentlich so buglastig aus? Ich weiss, das war mal ein Frachter, und sie wird wegen dieses Brandes auch sicher nicht sinken. Trotzdem. Weiss vielleicht jemand, wieso die so aussieht? Ist das einfach die Konstruktion von Frachtern?

  • Christine Schmohl am 28.02.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Costa

    Costa gibt es schon über 60 Jahre leider können immer Unfälle geschehen. Kann mir einer sagen wieviel mal Costa Unfälle hatte. Ich bin schon 13X mit Costa gereist und die nächste ist bereits in Reichweite. Costa ist Sicher....

  • Bostitch am 28.02.2012 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Günstig

    Das ist zwar traurig, aber ich traue COSTA immer noch. Und jetzt wird die Reise immer günstiger.

  • D. Lüthi am 28.02.2012 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Kreuzfahrt, die ist lustig...

    Wie ging nochmal das Lied? ... "Eine Kreuzfahrt, die ist lustig, eine Kreuzfahrt, die ist schön..." "Adventure Ferien auf Ozeanriese", sollte doch im Prospekt stehen. Was ich mich allerdings frage: Wieso müssen die Schiffe immer vor der Somalischen Küste stolzieren? Diese Leute haben nichts zu essen, kein Geld, einfach nichts. Sie können nicht mal fischen, weil das Meer bereits leer ist. Kein Wunder werden sie zu Piraten. Doch wer setzt sich freiwillig auf den Präsentierteller?

  • dave am 28.02.2012 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    ausharren?

    Was heisst hier ausharren? 3 Tage auf einem Luxusschiff auf den seychellen das klingt für mich eher nach urlaub...