Mexikos Horror-Heim

25. Juli 2014 01:23; Akt: 25.07.2014 04:44 Print

Sechs Anklagen im Fall «La Gran Familia»

Im Heim «La Gran Familia» in Mexiko lebten bis vor zehn Tagen noch 600 Kinder und Erwachsene unter miserablen Bedingungen. Nun kommen sechs Mitarbeiter vor Gericht.

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Gut zehn Tage nach der spektakulären Befreiung von Hunderten verwahrlosten Heimkindern in Mexiko ist gegen sechs Angestellte der Einrichtung Anklage erhoben worden.

Die fünf Männer und eine Frau müssen sich wegen Entführung, Menschenhandels und organisierten Verbrechens vor Gericht verantworten, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Zudem sei die Beschlagnahmung des Anwesens angeordnet worden, auf dem sich das Heim «La Gran Familia» (Die grosse Familie) befindet.

Am 15. Juli hatte es eine Polizeirazzia auf dem Gelände in der Stadt Zamora im Staat Michoacán gegeben. Dort fanden Beamte rund 600 Kinder und Erwachsene vor, die unter grausigen Bedingungen festgehalten worden sein sollen. Bewohner der vermüllten Einrichtung sagten aus, einige Angestellte hätten ihre Opfer vergewaltigt, geschlagen und mit verdorbenem Essen abgespeist. Ausserdem seien Betroffenen in ein winziges «Bestrafungszimmer» gelockt worden.

Auch im Erwachsenenalter im Heim geblieben

Die Polizei nahm zunächst auch die Heimgründerin Rosa Verduzco alias «Mama Rosa» fest, doch sahen die Staatsanwälte von einer Anklage ab. Für einen Strafprozess sei sie wegen ihrer psychischen Verfassung ungeeignet, hiess es zur Begründung.

Einst war Verduzco für ihre seit 65 Jahren bestehende Arbeit mit Waisenkindern in Mexiko viel Bewunderung entgegengebracht worden. In einem Interview des TV-Senders Univision wies Verduzco Vorwürfe zurück, wonach es in ihrem Heim eine Strafzelle oder verdorbenes Essen gegeben habe. Vielmehr seien in einem kleinen, abgeriegelten Krankenzimmer kranke Bewohner gehalten worden, damit sie nicht herumliefen.

In den vergangenen Jahren habe ihr Heim damit begonnen, Kinder mit Verhaltensproblemen aufzunehmen, die teils aus zerrütteten Familien kämen. Die meisten seien von den eigenen Eltern oder Jugendbehörden in die Einrichtung gebracht worden. Viele von ihnen seien zudem auch im Erwachsenenalter geblieben, sagte Verudzco weiter.

(sda)