Saas-Fee VS

08. Dezember 2011 12:27; Akt: 09.12.2011 11:08 Print

Sechsjähriger starb in Lawine - trotz Sprengung

Ein Bub aus Spanien ist in Saas-Fee auf der Piste durch eine Lawine gestorben. Die Patrouilleure wollen alle Sicherheitsvorgaben eingehalten haben. Im Dorf ist man tief bestürzt.

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Hier geschah das tödliche Unglück (Bild: Bergbahnen Saas Fee)

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Im Walliser Skiort Saas-Fee ist man zutiefst bestürzt über den Tod des sechsjährigen Buben aus Spanien. Er war am Mittwochmorgen mit einer Skilehrerin auf der Piste unterwegs, als sich eine Lawine löste und auf die beiden niederging. Während die Skilehrerin schnell befreit werden konnte, dauerte es 45 Minuten, bis der Junge geborgen wurde. Bis Mitternacht kämpfte man im Lausanner Unispital um sein Leben, musste aber schliesslich aufgeben.

Bei den Bergbahnen Saas-Fee spricht man den Eltern tief empfundenes Beileid aus. «Wir haben so gehofft, dass der Bub den Unfall überlebt. Die Nachricht von seinem Tod hat uns zutiefst getroffen», sagt Rainer Flaig, Chef der Bergbahnen Saas-Fee.

Hang wurde gesprengt

Der betroffene Hang sei an jenem Mittwoch zwischen 7.45 und 8.15 Uhr gesprengt worden. «Unsere ausgebildeten Sprengpatrouilleure haben das ausgeführt und sich an alle Sicherheits-Vorgaben gehalten.» Um 9.15 Uhr sei die Piste vom Patrouilleur frei gegeben worden.

Trotz diesen Massnahmen sei gegen 11.30 Uhr beim Ausgang Stollen, Traverse Felskinn – einem Ausstieg aus der Bahn ins Skigebiet – eine Lawine niedergegangen. Die Lawine löste sich gemäss Untersuchungen auf einer Höhe von 2900 bis 3000 Metern.

Tourengänger oder Verwehungen

Man habe alle Prozessabläufe eingehalten, um die grösstmögliche Sicherheit zu garantieren, so Flaig. Dazu gehörten auch sechs Patrouilleure, die die Pisten den ganzen Morgen überwachen. «Eine hundertprozentige Garantie können wir aber nicht geben, dass nichts passiert. Wir befinden uns im hochalpinen Gebiet.»

Wieso die Lawine niederging, kann Flaig nicht erklären. «Klar ist: Am Mittwoch fielen zwischen 20 und 65 Zentimeter Schnee, das ist bezüglich der Schneemenge nicht extrem.» Auslöser könnten unter anderem Schneeverfrachtungen oder auch Tourengänger gewesen sein. «Die Gründe sind bisher unklar und müssen noch genau untersucht werden.»

Eltern wollen Strafanzeige einreichen

Die Skischule «Eskimos», unter deren Aufsicht der Knabe im Skigebiet unterwegs war, möchte sich zum Unglück selbst nicht äussern. «Wir sind zutiefst betroffen und bestürzt über den Vorfall. Unsere Priorität liegt jetzt bei der Betreuung der Angehörigen und Angestellten.»

Die Staatsanwaltschaft Oberwallis hat eine Untersuchung eröffnet. Die Eltern des Jungen wollen gemäss spanischen Zeitungen eine Strafanzeige gegen die Bergbahnen und die Skischule einreichen. Der spanische Konsul in Genf, Carlos Vinuesa, kümmert sich derzeit um die Belange der Familie.

(ann/cbl/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gelöscht am 08.12.2011 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gelöscht

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  • Christoph Meier am 08.12.2011 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    warum war Piste geöffnet?

    @Hr. Balmer gemäss der Meldung befanden sie sich auf einer Skipiste. Man muss sich eher fragen, weshalb eine lawinengefährdete Piste geöffnet war.

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  • Simon Schild am 08.12.2011 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Keine 100% Sicherheit möglich!

    Die, die jetzt sagen, wieso eine solche "Lawinengefährderte Piste" geöffnet war, sollten sich bewusst sein, dass eine Lawine überall niedergehen kann. Eine Staublawine kann sogar durch einen Talkessel durchschiessen und auf der anderen Seite wieder hochschiessen! Daher eine 100% Sicherheit gibts es nicht, auf keiner einzigen Piste. Vielleicht Langlaufpisten die im Mittelland vorhanden sind - in den Bergen gibt es eine solche Sicherheit nicht! Es wird das Mögliche gemacht, damit es wohl zu 99.9% sicher ist, mehr ist nicht drin! Tragisch ist das Ereignis, die Natur kann teils sehr hart sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Keller am 08.12.2011 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wohl kein Zufall...

    Ich durfte in Saas-Fee auch schon einmal einen Lawinenabgang über eine Piste beobachten (das gleiche auch mal in Zermatt). Das Ganze ist Heuchlerei, der Entscheid nicht zu öffnen kostet Geld und da ist man schnell bereit im Zweifelsfall halt doch zu öffnen. Meistens geht es ja gut und sonst ist halt jemand schuld, der 20 m neben der Piste unterwegs war. Mein Eindruck ist, dass in anderen Regionen damit wesentlich vorsichtiger verfahren wird.

  • Simon Schild am 08.12.2011 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Keine 100% Sicherheit möglich!

    Die, die jetzt sagen, wieso eine solche "Lawinengefährderte Piste" geöffnet war, sollten sich bewusst sein, dass eine Lawine überall niedergehen kann. Eine Staublawine kann sogar durch einen Talkessel durchschiessen und auf der anderen Seite wieder hochschiessen! Daher eine 100% Sicherheit gibts es nicht, auf keiner einzigen Piste. Vielleicht Langlaufpisten die im Mittelland vorhanden sind - in den Bergen gibt es eine solche Sicherheit nicht! Es wird das Mögliche gemacht, damit es wohl zu 99.9% sicher ist, mehr ist nicht drin! Tragisch ist das Ereignis, die Natur kann teils sehr hart sein.

  • Stefan O. am 08.12.2011 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Risiko

    Skischule für 6-jährige in hochalpinen Regionen? Die Eventualvorsätzlichkeit aus reiner Gewinnsucht (seitens der Skilehrerin) wird hoffentlich demnächst gerichtlich bestätigt. Goodnews für Saas Fee: Piste gut, die Reaktion der Bergbahnverantwortlichen übertrifft jeglichen bisher bekannten Zynismus, ein 6-Jähriger käme aus eigener Kraft niemals in eine vergleichbare Risikosituation.

    • Matthias Zwyssig am 08.12.2011 20:02 Report Diesen Beitrag melden

      Lächerlich

      nun ja, dann wäre es ja fahrlässig von den Eltern, das Kind für eine Skischule welche in hochalpinem Gelände fährt, anzumelden!! Ich bin selber Skilehrer und falls Sie jemals einen Gewinnsüchtigen Skilehrer antreffen, dann bitte geben Sie mir Bescheid. Im Verhältnis zur Verantwortung gegenüber anderen Menschen der wahrscheinlich schlecht bezahlteste Job!!

    • Nicole am 08.12.2011 21:33 Report Diesen Beitrag melden

      Gewinnsucht?! Hallo?!!

      Gewinnsucht? Also nun mal halblang, Skilehrerin ist ihr Job, verdient damit ihr Geld was hat das bitte mit Gewinnsucht zu tun wenn sie ihren Job ausführt? Nicht jeder ist ein Bürogummi!

    • Andrea K am 09.12.2011 08:23 Report Diesen Beitrag melden

      Oh je!

      Wenn Sie Saas-Fee kennen würden, würden Sie nicht so ein "Seich" erzählen. Die Hochalpinen Pisten sind zum lernen Perfekt. Ich war mit meinem Dad kaum konnte ich gehen dort oben unterwegs. In der nähe der Dorflifte können sich ebenfalls Lawinen lösen. Das tragische Unglück hat wohl kaum was mit Gewinnsucht zu tun. Und Risikosituation ist wohl völlig Übertrieben. Ich hab in den 20 Jahren Skiferien in Saas-Fee noch NIE erlebt, dass die Skipisten geöffnet waren und eine Lawine auf die Skipiste niedergegangen ist.

    • Sonja am 09.12.2011 19:31 Report Diesen Beitrag melden

      Fragwürdig

      da kann ich Matthias nur zustimmen, so leid es mir für das Kind tut...

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  • Tommy H. am 08.12.2011 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ortungssender

    Sämtliche skischüler sollten mit einem ortungssender ausgestattet werden. Hier in sierra nevada ist dies zumindest bei kindern üblich!

  • Jakob Schneider am 08.12.2011 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht überall

    Jedes Skigebiet hat seine Regeln. In Crans Montana z.B. wird so lange gesprengt bis die Betreiber zu 100% sicher sind, dass keine Lawine losgehen kann. Manchmal ist es mühsam beim schönsten Wetter den ganzen Tag zu warten, doch haben diese im Vergleich zu anderen Gebieten eine sehr tiefe Verschüttungsgefahr... und ja das Skigebiet hat teilweise sehr gefährliche Hänge!

    • Susi Sorglos am 09.12.2011 00:43 Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Wie kann ein Betreiber zu 100% sicher sein? Das gibt es auch nicht in Crans Montana, mon cher! Wenn ja, wäre ich Millionärin, Herr Jakob Holle!

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