Kampf bis aufs Blut

21. Mai 2012 14:36; Akt: 21.05.2012 14:46 Print

Sein Glaube und seine Frau haben ihn fast getötet

Der Argentinier und Zeuge Jehovas Pablo Albarracini liegt seit zwei Wochen mit fünf Schusswunden im Spital. Sein Vater will ihn mit der nötigen Bluttransfusion behandeln lassen, doch Pablos Frau wehrt sich.

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Pablo Albarracini lag zwei Wochen im Koma. Am Freitag wachte er wieder auf. (Bildausriss: Infobae.com)

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Jorge Albarracini ist verzweifelt. Er würde alles tun, um das Leben seines Sohnes Pablo zu retten. Doch er darf nicht - sein 38-jähriger Sohn ist ein Zeuge Jehovas. Für die Religionsanhänger ist es strikt verboten, Blutkonserven in jeglicher Form zu «konsumieren». Mit anderen Worten, Pablo Albarracini darf weder eine Bluttransfusion bekommen noch eine Blutwurst essen.

Ironischerweise hängt aber sein Leben im Moment ausgerechnet von einer Bluttransfusion ab. Albarracini wurde am 4. Mai überfallen, als er am frühen Morgen in sein Auto stieg, um zur Arbeit zu fahren. Zwei Jugendliche schossen auf den jungen Familienvater. Einer der Schüsse verletzte Albarracini am Kopf. Zwei Wochen lang lag er in einer noblen Klinik in Buenos Aires im Koma. Vergangenen Freitag kam er wieder zu Bewusstsein.

Vater und Ehefrau des Opfers lösen den Streit vor Gericht

Dies, obwohl sich das Drama um den 38-Jährigen in den ersten Tagen nach dem Überfall verschärfte. Die Ärzte hielten es für notwendig, den Patienten mit Blut zu versorgen. Vater Albarracini willigte ein, die Ehefrau des Opfers liess dies aber nicht zu. Jorge Albarracini wandte sich an die Justiz und erhielt vom Richter eine einstweilige Verfügung. Für den Richter war klar, Pablo Albarracini könne nicht für sich selbst entscheiden und seine Genesung sei wichtiger als sein Glaube.

Pablos Ehefrau holte daraufhin Hilfe bei ihrer Religionsgemeinde. Nur wenige Stunden später kam sie in die Klinik in Begleitung mehrerer Zeugen Jehovas, die der Spitalleitung ein Dokument vorwiesen, das notariell beglaubigt war: Pablo Albarracini hatte beim Eintritt in die Gemeinschaft im Jahr 2008 schriftlich festgehalten, dass er auf Bluttransfusionen verzichte.

Das Pflegepersonal war verwirrt. Der behandelnde Arzt setzte sich mit dem Richter in Verbindung. Dieser studierte das vorgewiesene Dokument persönlich und zog die Verfügung zurück. Der Vater des Opfers beschwerte sich.

Inzwischen ist Pablo Albarracini aus dem Koma erwacht. Während seine Ehefrau von einem Wunder spricht, hofft sein Vater, dass sein Sohn nun selber seinen Entscheid, auf Bluttransfusionen zu verzichten, zurückzieht. Wenn nicht, ist er bereit, bis zum Obersten Gerichtshof zu gehen. Sein Sohn müsse völlig gesund werden, erklärte er gegenüber dem argentinischen Newsportal infobae. Das sei sein einziges Ziel und dafür werde er alles tun.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gundel Gaukelei am 21.05.2012 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder wie er will...

    Ich selber kann mit diesem Religions-firlefanz überhaupt nichts anfangen (bin Atheistin). Wenn jemand aber ausdrücklich auf Bluttransfusionen und dergleichen verzichten will, egal aus welchem Grund, muss man das respektieren! Selbst dann wenn es die Person das Leben kostet.

  • A.Blatter am 21.05.2012 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte beide Seiten prüfen, VOR Urteilung

    Ich bitte jeden darum, der diesen Artikel liest und sich aufregt und sich fragt: WARUM?? doch bitte - fairerweise - auch die Gegenseite anzuhören. Darum sei hier der Hinweis auf die offizielle Ansicht und Stellungsnahme auf erlaubt, welche Informationen zur Sichtweise der Bibel/ der Zeugen Jehovas liefert. Bitte erst ein Urteil bilden, nachdem man BEIDE Seiten kennt.

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  • Inquirer am 21.05.2012 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Auf der Anklagebank

    Wenn ich selber Bluttransfusionen ablehne und diese Entscheidung von anderen unterstütze, bin ich dann ein vorverurteilter Mörder bzw. Selbstmörder? Wer trägt die eigentliche Schuld, dass man in eine solch lebensbedrohliche Lage erst kommt?

Die neusten Leser-Kommentare

  • JOSW-2012 am 21.05.2012 23:01 Report Diesen Beitrag melden

    Schwein gehabt

    Also mir war die Zeugen Jehovas schon immer ein Dorn im Auge. Die können mich absolut nicht überzeugen. Der Mann hatte Glück gehabt.

  • Stefan Baer am 21.05.2012 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Ist in der CH genau so, fast täglich. Kenne das das als Az bestens.

  • Blutspender am 21.05.2012 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schämt euch ihr Zeugen der Geisteskrankheit

    Wer in einer Sekte ist hat meiner Meinung nach Minderwertigkeitskomplexe oder wurde hineingeboren! Fakt ist, Sekten aller Art sind bemitleidenswert! Von wegen beide Seiten! Der einzig Vernünftige ist sein Vater. Er wäre ziemlich sicher auch der Einzige der aufrichtige Trauer verarbeiten müsste!!!!

  • realist am 21.05.2012 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    religion

    zum glück kann ich selbst entscheiden und stehe auf eigenen Beinen..und muss nicht auf ein buch hören..nur schnell zum thema religion..: weshalb gibt es so viele kriege, gewaltverbrechen etc? entwedr ist jemand geistig krank, grössen wahnsinnig oder streng religiös..meist alles zusammen..das zweit und dritt genannte ist auch oft in unserer gesellschaft zu beobachten..in kleinen mustern..es wird ganz dezent angewandt...rassendiskriminierung, missionierung und absonderung.. wiso sollte ich an etwas glauben das solche missverständnisse auslöst? wiso soll ich an etwas glauben das mir den seltenen spass von alkohol und den gelegentlichen spass an sexualverkehr verbietet? und wiso soll ich an etwas glauben das die leute intolerant macht und nur alibi-sozial? religion verbindet nur was es will.. religion ist mit vorurteilen überhäuft..vergesen wird das wir nur ein lebewesen sind..menschen, alle sind menschen..ich behandle menschen wie menschen und nicht wie ein christ oder jude oder sonst was..mir ist egal an was ihr glaubt..lasst mich einfach mit eurer hetzerei in ruhe..ich lass euch ja auch..meine meinung ist dazu da..zum zeigen wie ein nichtgläubiger denkt..vielleicht erwecke ich so die eine oder andere toleranz...das betrifft alle religionen...bis auf den buddismus.. brian live;D

  • Inquirer am 21.05.2012 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Auf der Anklagebank

    Wenn ich selber Bluttransfusionen ablehne und diese Entscheidung von anderen unterstütze, bin ich dann ein vorverurteilter Mörder bzw. Selbstmörder? Wer trägt die eigentliche Schuld, dass man in eine solch lebensbedrohliche Lage erst kommt?