Matur pur in Rumänien

07. Juli 2011 11:50; Akt: 07.07.2011 12:05 Print

Seit Spick-Verbot fällt jeder Zweite durch

In Rumänien sind über 55 Prozent der Maturanden durch die Prüfung gefallen – weil der Bildungsminister rigoros gegen das Spicken und Bestechungsversuche vorgeht. Jetzt wird sein Rücktritt gefordert.

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In Rumänien hat sich ausgeschummelt. Per Videokamera wurden die Maturanden überwacht. Über 55 Prozent von ihnen fielen durch die Püfung. (Bild: Colourbox)

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Mehr als die Hälfte der rumänischen Schüler hat die Matura nicht bestanden. Wie die Nachrichtenagentur «Mediafax» berichtete, haben nur 44,45 Prozent der Kandidaten die Prüfung erfolgreich absolviert, was dem schlechtesten Ergebnis seit 20 Jahren entspricht. Insgesamt traten 200 000 Schüler an.

Die niedrigste Quote registrierte mit unter 32 Prozent der westrumänische Landkreis Timis, in dessen Hauptstadt Timisoara (Temeswar) an vier Lehranstalten gleich alle Schüler durchgefallen sind. Im westlichen Landkreis Arad war an mehreren Schulen nur ein Kandidat erfolgreich. Auch die Hauptstadt Bukarest bliebt mit knapp 42 Prozent positiven Ergebnissen unter dem Landesdurchschnitt.

2010 waren im Landesdurchschnitt 67,4 Prozent durchgekommen, bis 2000 waren es stets über 75 Prozent gewesen. Bei internationalen Vergleichstests hat Rumänien in den vergangenen Jahren immer schlechter abgeschnitten, nachdem jeder neue Unterrichtsminister eine eigene Schulreform eingeführt hatte.

Massnahmen gegen das Spicken

Wie die österreichische Zeitung «Die Presse» vermeldet, hatten im vergangenen Jahr noch 67,4 Prozent der Schüler die Maturaprüfung bestanden. Bis 2000 waren es soger jeweils über 75 Prozent – obwohl Rumänien bei den Pisa-Vergleichstests in den letzten Jahren immer schlechter abgeschnitten habe.

Schuld an den schlechten Ergebnissen hat der rumänische Bildungsminister. Nicht weil er – wie alle seine Vorgänger – mit einer Schulreform, die Qualität des Unterrichts reduziert hat. Sondern, weil er rigoros gegen das weit verbreitete Spicken eingeschritten ist. So wurden die Maturanden während der Prüfung allerorts mit Videokameras überwacht, damit sie nicht mehr Spicken konnten. Trotzdem wurden 661 Schüler beim Abschreiben oder dem Einsatz von unerlaubten Hilfsmitteln ertappt – und von der Prüfung ausgeschlossen. Beim Spicken sollen teilweise auch Lehr und Aufsichtspersonen mitgeholfen haben.

Wut richtet sich gegen Minister

Statt der «faulen» Schüler kommt jetzt in Rumänien der liberaldemokratische Bildungsminister Daniel Funeriu ins Kreuzfeuer der Kritik. Elternvereine, Lehrergewerkschaften und wütende Schüler fordern seinen Rücktritt und schmieren Schulhauswände – etwa im Timisoara – mit obszönen und beleidigenden Parolen voll. Mit seinem Vorgehen versuche dieser eine ganze Generation zu zerstören, lautet der Vorwurf.

Funeriu sagte gegenüber «Mediafax», er freue sich, dass «Rumänien endlich eine gewisse Normalität erlangt hat. Ich kann nicht umhin, mir die Frage zu stellen, wie Rumänien ausgesehen hätte, wenn diese Massnahmen gegen den Betrug vor 20 Jahren getroffen worden wären.»

(uwb)