Todesstrafe

16. April 2010 13:35; Akt: 16.04.2010 14:18 Print

Simbabwe sucht den Teilzeit-Henker

von Angus Shaw, AP - Seit der letzte Scharfrichter nicht mehr wollte, sucht Simbabwe einen Nachfolger. Aushänge und ein Inserat für einen Teilzeit-Henker sollen vorbereitet sein.

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Henker gesucht - höhere Schulbildung erforderlich, Berufserfahrung nicht Bedingung. Auf den neuen dringend gesuchten Henker warten in Simbabwe etwa 50 Verurteilte. Sie sitzen zur Zeit im Todestrakt des Hochsicherheitsgefängnisses Chikurubi nahe Harare.

Der letzte Henker Simbabwes hat, dem Vernehmen nach von Gewissensbissen geplagt, nach seiner letzten Hinrichtung 2004 den Job aufgegeben. Die simbabwische Regierung musste feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, einen Nachfolger zu finden. Sie hat einer Gefangenenhilfeorganisation zufolge sogar eine Stellenanzeige aufgesetzt.

Derweil wird der Ruf nach Abschaffung der Todesstrafe in Simbabwe immer lauter. Kürzlich fand der Todeskandidat Shepherd Mazango den Beistand von Menschenrechtsorganisationen bei seinem Versuch, sein Urteil anzufechten und vor dem Obersten Gerichtshof die Abschaffung zu fordern. «Weiss Gott, wann ich hingerichtet werde. Das macht mich jeden Tag unruhig», schrieb Mazango, der 2002 wegen Mordes verurteilt wurde, dem Gericht. Er und andere Insassen der Todeszellen meinten, darüber allmählich verrückt zu werden.

Vollstreckung mit Gewissensbissen

Der letzte Henker Simbabwes soll ein ehemaliger sambischer Polizeioffizier gewesen sein. Als sein Vertrag mit Strafvollzugsbehörden und Justizministerium auslief, ging er. Ein ehemaliger ranghoher Strafvollzugsbeamter sagte der Lokalzeitung «The Daily News», der Henker habe immer ein sehr schlechtes Gewissen wegen seiner Tätigkeit gehabt.

Sein Arbeitsplatz war das Gefängnis bei Chikurubi. Der Galgen soll aus Gerüstmaterial und Holz bestehen und augenscheinlich noch aus Kolonialzeiten stammen. Seit der Unabhängigkeit von Grossbritannien 1980 wurden in Simbabwe nachweislich insgesamt 78 Menschen exekutiert. Die Arbeitsbelastung des Henkers war sehr unterschiedlich. An manchen Tagen hatte er im Morgengrauen zwei bis vier Verurteilte zu hängen, dann fiel wieder monatelang nichts an.

«Solche Stelle sollte es gar nicht geben»

Die Identität des Henkers wurde nie bekannt. Man habe nie wieder von ihm gehört, sagt Edson Chiota, Leiter einer Gefangenenhilfsinitiative, die sich gegen die Todesstrafe einsetzt. Die Regierung habe Aushänge und eine Anzeige mit einem Stellenangebot für einen Teilzeit-Henker vorbereitet, aber noch nicht veröffentlicht, berichtet er.

Einstellungsvoraussetzung ist nur ein höherer Schulabschluss. Allerdings wären zusätzliche Kenntnisse gewiss nicht schlecht, da sich in Studien gezeigt hat, dass für eine Hinrichtung durch den Strang ein gewisses Wissen gebraucht wird über Körpergewicht und Körperbau, über Seile und Knoten und Grundlagen der Mechanik. «Eine solche Stelle sollte es gar nicht geben», sagt Chiota.

Nach einem Treffen von Präsident Robert Mugabe mit Papst Johannes Paul II. 1988 waren Hinrichtungen zehn Jahre lang ausgesetzt worden. Während des Moratoriums wurden Dutzende von Todesurteilen aus humanitären Gründen in lebenslange Haft umgewandelt. Inzwischen ist an der Einheitsregierung auch die Bewegung für demokratischen Wandel (MDC) beteiligt, die Hinrichtungen ablehnt. Sie könnte versuchen, sie in einer künftigen neuen Verfassung abzuschaffen.