Mord an Journalist

08. November 2019 04:52; Akt: 08.11.2019 06:51 Print

Slowakischer Politiker tritt nach Ermittlungen zurück

Martin Glvac ist einer drohenden Amtsenthebung zuvorgekommen. Dem Parlaments-Vizepräsidenten werden Kontakte zum mutmasslichen Auftraggeber des Mordes vorgeworfen.

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Der Unternehmer Marian Kocner soll die Ermordung des Investigativjournalisten in Auftrag gegeben haben. Kocner soll enge Kontakte zur slowakischen Regierung gehabt haben und sogar Nachbar des mittlerweile zurückgetretenen Ministerpräsidenten Robert Fico gewesen sein, schreiben slowakische Medien. Zuvor hatte ein Staatsanwalt die inhaftierte ... ... und hoch verschuldete Übersetzerin Alena Z. als mutmassliche Auftraggeberin bezeichnet. Diese scheint nun in der Haft geplaudert und den Namen des Mulitmillionärs genannt zu haben. Der slowakische Invetigativjournalist hatte vor seiner Ermordung über mutmassliche Verbindungen der slowakischen Regierungspartei zur italienischen Mafia recherchiert. Der Mord an dem 27-jährigen Journalisten löste Massendemonstrationen gegen die Regierung aus Die damalige Regierung schrieb eine Million Euro für sachdienliche Hinweise aus. Doch das allein reichte nicht: Polizeipräsident Tibor Gaspar (l) und Premierminister Robert Fico mussten schliesslich zurücktreten. Journalist Kuciaks unvollendeter Artikel wurde nach seinem Tod veröffentlicht. Ermittler in Velka Maca vor dem Haus, in dem Kuciak und seine Verlobte erschossen wurden. (26. Februar 2018) Beide Mordopfer wurden mit derselben Waffe erschossen. Die Tatzeit muss noch genauer ermittelt werden. Der 27-jährige Kuciak und seine Verlobte waren in der Nacht zum 26. Februar in ihrem Haus im Dorf Velka Maca in der Westslowakei tot aufgefunden worden. Sie waren nach Polizeiangaben durch Schüsse in Kopf und Brust im Stil einer Hinrichtung getötet worden.

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Einer der bisher mächtigsten Politiker der Slowakei ist zurückgetreten, weil ihm enge Kontakte zum mutmasslichen Auftraggeber des Journalistenmordes vom Februar 2018 vorgeworfen werden. Mit seiner Rücktrittserklärung kam Parlaments-Vizepräsident Martin Glvac am Donnerstag einer drohenden Amtsenthebung zuvor.

Mehrere Oppositionsparteien hatten eine Sondersitzung des Parlaments beantragt, um ihn abzusetzen. Daraufhin stellte sich auch ein Teil der Regierungskoalition gegen ihn.

Der Investigativ-Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren am 21. Februar 2018 in ihrem Haus erschossen worden. Als mutmasslicher Auftraggeber der Bluttat ist der Millionär Marian K. angeklagt, über dessen zwielichte Geschäftspraktiken Kuciak immer wieder berichtet hatte.

Unter Korruptionsverdacht

Aus dem Ermittlungsverfahren gegen K. gelangten in den vergangenen Monaten immer wieder Aufzeichnungen von engen Kontakten des Angeklagten zu führenden Politikern, Staatsanwälten und Richtern an die Öffentlichkeit, die K. bestochen haben soll.

Glvac, der auch Regionsparteichef der Sozialdemokraten für Bratislava ist, bestritt in seiner Rücktrittserklärung am Donnerstag, K. bei dessen Betrugs- und Korruptionsaktivitäten unterstützt zu haben. Er sei Opfer einer politischen Intrige mit gefälschten Dokumenten.

Schon im September musste die sozialdemokratische Justiz-Staatssekretärin Monika Jankovska zurücktreten, weil ihr vorgeworfen wurde, gegen Bestechungsgeld Justizverfahren gegen K. behindert zu haben. Auch mehrere Richter und Staatsanwälte verloren wegen mutmasslicher Zusammenarbeit mit K. ihre Funktionen.

Der ermordete Journalist Kuciak hatte nicht nur über K. berichtet, sondern auch über andere Fälle von Korruptionsverdacht. Deshalb trat schon im Frühjahr 2018 der sozialdemokratische Langzeit-Regierungschef Robert Fico nach Massenprotesten zurück.

(sda)