Neujahrsvorsätze

27. Dezember 2010 23:45; Akt: 28.12.2010 07:58 Print

So besiegt man den inneren Schweinehund

von Katrin Neubauer, dapd - Gute Vorsätze gehören zum Jahreswechsel wie «Dinner for one». Doch oft genug verlaufen sie im Sand. Warum? Und wie lassen sich Vorsätze umsetzen?

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Mit der Neujahrsnacht rückt für viele der Moment der Kampfansage an den inneren Schweinehund näher. «Neujahr oder Geburtstage sind ideale Zeitpunkte, um im Leben etwas zu verändern», sagt Julia Scharnhorst, Psychologin aus Wedel (Schleswig-Holstein).

«Voraussetzung ist, dass es jemand wirklich will», sagt die Psychologin. «Ich sollte vorher ernsthaft hinterfragen, ob ich überhaupt Kapazitäten dafür habe und ob ich wirklich bereit bin, da Energie reinzustecken.» Denn an der Routine des Alltags etwas ändern zu wollen, koste oft mehr Kraft, als man denkt.

Positiv statt negativ formulieren

Aus psychologischer Sicht hat die Umsetzung eines Vorsatzes bessere Aussicht auf Erfolg, wenn ein positives Ziel gefasst wird. Nicht mehr rauchen zu wollen, dem Alkohol abzuschwören oder sich nicht mehr so viel Stress zu machen, sind negative Absichtserklärungen, die sagen, was man nicht will. «Es genügt nicht, von irgendwo wegzukommen, sondern Menschen müssen wissen, wohin sie wollen», meint die Expertin für Gesundheits- und Lebensplanung.

Eine attraktive Perspektive für künftige Nichtraucher könne beispielsweise sein, die Treppen in den 3. Stock dann ohne Keuchen zu schaffen. Für Abnehmwillige kann die Aussicht, wieder in figurbetonte Kleidung zu passen, die Motivation aufrecht halten.

Klare Ansage hilft

Ein weiterer Fehler sei, dass viele ihre Vorsätze zu unpräzise fassen. «Mehr Bewegung» oder «weniger Stress» haben zu wollen, sind Pläne, die meist schnell wieder aufgegeben werden, weil sie nichtssagend und unverbindlich sind, weiss die Psychologin.

Greifbarer als «mehr Bewegung» ist zum Beispiel, dreimal pro Woche eine halbe Stunde spazieren zu gehen. Im Fall des Rauchens sollte  das eigene Verhalten, etwa vor Partys mit Rauchern, genau durchgespielt werden, um für möglichst viele Eventualitäten gedanklich gewappnet zu sein. Die meisten Menschen unterschätzten das.

Durchhalten!

Gute Vorsätze erfordern erfahrungsgemäss einen langen Atem. Damit der nicht ausgeht, empfiehlt der Berliner Psychologe Steffen Jacob  eine regelmässige Erfolgskontrolle. Sinnvoll sei es, sich schon beim Fassen des Vorsatzes in der Silvesternacht Termine zu setzen, an denen dann Bilanz gezogen wird. «Menschen sollten sich über das Jahr verteilt eine Struktur schaffen und immer wieder auf ihren Vorsatz zurückkommen», rät er.

Bei manchen Vorsätzen, etwa beim Abnehmen, versprächen viele kleine Schritte mehr Erfolg als ein grosser auf eine bestimmtes Traumgewicht zu. Dauert es zu lange, bis das Ziel erreicht ist, könne das auf viele entmutigend wirken, gibt der Psychologe zu bedenken.

Der Härtetest für einen guten Vorsatz kommt allerdings erst, wenn es einen Rückschlag gibt. Dieser verleite fast immer dazu, das Ziel aufzugeben. «Wer nach zwei Wochen rauchfrei trotzdem mal wieder zur Zigarette gegriffen hat, darf nicht gleich die Flinte ins Korn werfen», ermuntert Psychologin Scharnhorst. Mit derartigen Rückschlägen fertig zu werden, sei auch eine Kunst und gehöre dazu.

Glücklich ist, wer keine Vorsätze braucht

Wer es schliesslich geschafft hat, seinen inneren Schweinehund in die Schranken zu weisen, wird gleich mehrfach dafür belohnt. «Die Erfolgreichen fühlen sich nicht nur gesundheitlich besser, sondern stärken damit auch ihr Selbstbewusstsein», betont sie. Meist bleibt für die Leistung auch soziale Anerkennung nicht aus.

«Allerdings ist es auch eine Herausforderung, sich so anzunehmen, wie man ist», meint Jacob. Wer ohne Vorsätze ins neue Jahr startet, ist vielleicht einfach nur ein zufriedener Mensch.