45 Millionen Beute

10. Mai 2013 15:35; Akt: 10.05.2013 16:10 Print

So gingen die Cyber-Gangster vor

Der Diebstahl von 45 Millionen Dollar wurde im grossen Stil aufgezogen, wie ein Dokument der New Yorker Staatsanwaltschaft belegt. Geschnappt wurden jetzt allerdings nur die kleinen Fische.

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Wie gingen die Cyber-Gangster beim Diebstahl von insgesamt 45 Millionen Dollar vor? Auskunft gibt die Staatsanwaltschaft New York, deren Bericht spannende Einblicke in die Welt der Internet-Betrüger gibt.

Schritt 1
Am Anfang steht der Datendiebstahl: Hacker dringen in das System einer indischen Kreditkartenfirma ein, die Prepaid-Karten von Mastercard und Visa anbietet. Anschliessend
schrauben die Cyber-Gangster bei den Banken, bei denen die Konten der Prepaid-Kreditkarten hinterlegt sind, das Limit hoch. In diesem Falle handelte es sich um die RakBank aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo bei fünf Konten die Grenzen für das Abheben enorm angehoben wurden.

Schritt 2
21. Dezember: Die Hacker geben die Kreditkarteninformationen, die sich auf diese fünf Konten beziehen, inklusive PIN an die «Cashing Crews» weiter. Kleinkriminelle in 20 Ländern gehen zeitgleich auf Beutetour: Sie heben an 4500 Geldautomaten in zweieinhalb Stunden fünf Millionen Dollar ab. In New York waren es 400'000 Dollar an 140 Maschinen. Die Kreditkartenfirmen bemerken den Vorgang erst, als alles vorbei ist. MasterCard alarmiert den Secret Service. Der «Spiegel» schreibt übrigens, dass die Masche nicht neu sei: 2008 wurden in den USA an 2000 Automaten 9,5 Millionen Dollar abgehoben.

Schritt 3
Berauscht von ihrem Erfolg versuchen die Täter ihre Masche zwei Monate später erneut. Dieses Mal dringen die Männer in die Computer einer US-Kreditkartenfirma ein. Zwölf Konten der Bank von Muskat im Oman werden manipuliert. Wie auch im ersten Fall ist alleine das Geldinstitut geschädigt, weil es bei Prepaid-Karten in Vorleistung geht.

Schritt 4
19. Februar: Um 15 Uhr legen «Cashing Crews» in mehr als 24 Staaten los und heben in 36'000 Automaten in rund zehn Stunden 40 Millionen Dollar ab. Allein in New York werden an insgesamt 2904 Automaten 2,4 Millionen Dollar entnommen. In Japan sind es zehn Millionen – auch weil hier die Obergrenze für den Bezug an einem einzelnen Bankomat bei 10'000 Dollar liegt.

Schritt 5
Die Ermittler sichten Bildmaterial, weil jeder Kunde beim Geldabheben fotografiert wird. Sie erkennen die Täter, deren Rucksäcke von Bild zu Bild schwerer werden. Es habe sie an den Film «Ocean's Eleven» erinnert, sagte Brooklyns Staatsanwältin Loretta E. Lynch der «New York Times». «Genau so schnell wie sich Daten durchs Internet bewegen, hat sich die Organisation ihren Weg aus den Computersystemen internationaler Unternehmen auf die Strassen New Yorks gebahnt, wo die Angeklagten über Manhattan ausschwärmten, um in wenigen Stunden Millionen von Dollar zu stehlen.» Die Fahnder erkennen offenbar einige Männer.

Schritt 6
Die Täter, unter ihnen Elvis R. (24) und Emir Y. (24, siehe Bildstrecke), waschen das Geld: Sie kaufen mit den Dollar zwei Rolex-Uhren, einen Mercedes SUV und eine Porsche Panamara, die später sichergestellt werden. Ausserdem eröffnen sie ein Bankdepot in Miami. Doch die Polizei ist ihnen bereits auf den Fersen: Elvis R. wird bereits am 27. März auf der Flucht in die Dominikanische Republik geschnappt. Am 3. April geht den Fahndern Evan P. (35) ins Netz. Joan L. (22), Jose R. (24) und Emir Y. (24) stellen sich am 15. April freiwillig.

Schritt 7
Am 27. April wird Alberto Lajud-Pena in der Dominikanischen Republik ermordet. Der 23-Jährige gilt als Kopf der New Yorker «Cashing Crew». Zwei Maskierte stürmten sein Haus und erschossen ihn. Ein Briefumschlag mit 100'000 Dollar blieb unangetastet. Am 8. Mai werden Jael C. (23) und Chung Y. (22), die letzten zwei der acht Verdächtigen, gefasst. Im Ausland werde laut New Yorker Staatsanwaltschaft weiterhin ermittelt. Über die Hintermänner macht sie keine Angaben.

(phi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • crediter am 12.05.2013 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    falsch verbunden

    "MasterCard alarmiert den Secret Service." Aja? War Obamas Kreditkarte auch betroffen? Hat MasterCard auch die Rega informiert?

  • Robin Hood am 10.05.2013 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Gut gemacht.. Nicht jammern. Die haben noch genug Knete...

    einklappen einklappen
  • Huser M. am 11.05.2013 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prepaid Kreditkarte

    Ich selber besitze auch eine Prepaid Kreditkarte und frage mich jezt wie gut sind die zu knacken? Ich habe mir sagenlassen dass es bereits Geräte gibt wo man nur vorbeilaufen muss und es scannt sofort die daten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Iris am 12.05.2013 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fingerprint

    Nein die Internetgeschwindikeit muss nicht heruntergesetzt werden! Der Code ist längst nicht mehr sicher,und eine Erneuerung überfällig. Von 2015 bis 2025 Karte mit versehen mit Fingerprint,ab2025 bis 2035 Fingerprint plus Irisscanner ab 2035 bis 2045 plus DNA Fenster ab 2045 plus Ohrenscanner.

  • Iris am 12.05.2013 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fingerprint

    Nein die Internetgeschwindikeit muss nicht heruntergesetzt werden! Der Code ist längst nicht mehr sicher,und eine Erneuerung überfällig. Von 2015 bis 2025 Karte mit versehen mit Fingerprint,ab2025 bis 2035 Fingerprint plus Irisscanner ab 2035 bis 2045 plus DNA Fenster ab 2045 plus Ohrenscanner.

  • krS am 12.05.2013 02:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Porsche

    PanamEra! :)

  • crediter am 12.05.2013 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    falsch verbunden

    "MasterCard alarmiert den Secret Service." Aja? War Obamas Kreditkarte auch betroffen? Hat MasterCard auch die Rega informiert?

  • Huser M. am 11.05.2013 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prepaid Kreditkarte

    Ich selber besitze auch eine Prepaid Kreditkarte und frage mich jezt wie gut sind die zu knacken? Ich habe mir sagenlassen dass es bereits Geräte gibt wo man nur vorbeilaufen muss und es scannt sofort die daten.