Mexiko

17. Juli 2014 08:09; Akt: 17.07.2014 10:48 Print

So hausten die Internats-Kinder

Nach der Befreiung von 597 Kindern und Erwachsenen aus einem Internat im Westen Mexikos zeigen Bilder, in welch menschenunwürdigen Zuständen die Schüler leben mussten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Immer mehr Details über die Missstände im mexikanischen Internat «La Gran Familia» (Die grosse Familie) kommen ans Licht – Kinder seien zur Strafe für lange Zeit ohne Essen und Trinken in eine sechs Quadratmeter grosse Zelle eingesperrt worden, sagte der Chefermittler der Generalstaatsanwaltschaft, Tomás Zerón, an einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Soldaten und Polizisten hatten am Vortag 597 Menschen aus dem Internat in Zamora im Bundesstaat Michoacán geholt. 438 von ihnen sind minderjährig, sechs davon im Babyalter. Die Gründerin des Heimes sowie acht Mitarbeiter wurden festgenommen. Rosa del Carmen Verduzco wird Freiheitsberaubung vorgeworfen.

20 Tonnen Müll gefunden

«Die Bewohner haben unter unmenschlichen Bedingungen gelebt», sagte Zerón. So hätten die Ermittler in den Schlaf- und Speisesälen des Heims rund 20 Tonnen Müll entdeckt. Die Kinder seien zum Betteln gezwungen worden, hätten sich von verfaulten Lebensmitteln ernähren und auf dem Boden zwischen Insekten und Ratten schlafen müssen.

Zudem hätten die Kinder von sexuellem Missbrauch berichtet, sagte Zerón. Ein Mann habe sie zu Oralsex gezwungen. Sollten sie sich weigern, werde er sie töten und ihre Organe verkaufen, habe er gedroht.

Auch Erwachsene festgehalten

Auch Erwachsene im Alter von 18 bis 40 Jahren seien gegen ihren Willen festgehalten worden. So habe eine der befreiten Frauen der Polizei berichtet, sie habe die Einrichtung mit 18 Jahren verlassen wollen, sei aber 13 weitere Jahre festgehalten worden. In dieser Zeit brachte die Frau nach eigenen Angaben zwei Kinder zur Welt. Diese seien ihr weggenommen worden. Heimgründerin Verduzco liess zahlreiche Neugeborene bei den Behörden auf ihren Namen registrieren.

Gründerin erhielt Auszeichnungen

Zwar waren bereits 2010 Vorwürfe gegen «La Gran Familia» laut geworden, doch in Michoacán galt Verduzco als angesehene Frau. Sie traf die früheren Präsidenten Vicente Fox (2000 bis 2006) und Felipe Calderón (2006 bis 2012) und erhielt für ihre soziale Arbeit zahlreiche Auszeichnungen.

Ex-Präsident Fox stellte sich hinter Verduzco: «Mamá Rosa, ich bin solidarisch mit dir. Ich weiss, dass du stark bist, und ich weiss um all das Gute, das du für Tausende Kinder und Jugendliche getan hast», schrieb er am Mittwoch auf Twitter. «Habe Mut. Ich schicke dir eine feste Umarmung.»

(sda)