Zwei Tricks

01. April 2014 16:44; Akt: 01.04.2014 16:44 Print

So kann Japan das Walfang-Verbot umgehen

Das Walfang-Verbot des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag löst unter Tierschützern Jubel aus. Freuen sie sich zu früh?

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Den Haag hat gesprochen: Laut einem Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH) muss Japan seinen Walfang zu Forschungszwecken einstellen. Doch ob damit das blutige Kapitel tatsächlich geschlossen wird, darf bezweifelt werden.

Japan hätte gleich zwei Möglichkeiten, den Walfang weiter zu betreiben. Zum einen könnte es kurzerhand aus der Internationalen Walfangkommission austreten und sich so dem Verbot entziehen.

Doch laut dem «Spiegel» gibt es einen zweiten, einfacheren Trick: Das Urteil des IGH bezieht sich nämlich auf das 2005 gestartete Forschungsprojekt Jarpa II im Südpolarmeer. Doch Japan betreibt seit dem Jahr 2000 noch ein zweites Walfangprogramm namens JARPN II. Dieses ist – noch – kleiner und findet im Nordpazifik statt.

Das Problem mit der Ausnahmeregel

Seit 1986 ist der Walfang international verboten. Trotzdem konnte Japan laut Angaben von Tierschützern seit dem Verbot völlig legal über 15'000 Wale töten. Möglich gemacht hat dies eine Ausnahmeregel, die die Jagd für wissenschaftliche Zwecke erlaubt.

Darauf hatte sich das Land stets berufen und betont, dass das Walfleisch bloss ein Nebenprodukt seines Forschungsprojekts Jarpa II sei. Der Verkauf des Fleischs diene lediglich der Finanzierung des Projekts.

3600 tote Wale für zwei Forschungsberichte

Ein Argument, das Tierschützer stets als unglaubwürdig kritisierten. Das Urteil des Internationalen Gerichtshofs hat nun den Walfang-Gegnern recht gegeben: Die Tausenden von getöteten Tieren stünden in krassem Widerspruch zu der kleinen Menge an wissenschaftlichen Publikationen. Oder wie der «Spiegel» schreibt: «Nur zwei von unabhängigen Experten begutachtete Fachartikel seit 2005 rechtfertigten nicht den Fang von mehr als 3600 Tieren.»

Japan zeigte sich in ersten Reaktionen zwar «zutiefst enttäuscht», beteuerte aber, es werde das Urteil akzeptieren. Beobachter bezweifeln jedoch, dass das Land tatsächlich auf den Walfang verzichten wird, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Nicht, weil die Japaner das Fleisch besonders mögen, das tun sie gar nicht. Sondern, weil ihnen der Nationalstolz verbiete, ausländischem Druck nachzugeben.


(kmo)