Best of Robert Durst

03. April 2015 21:38; Akt: 03.04.2015 21:57 Print

So schräg ist der Killer-Millionär

Robert Durst ist ohne Zweifel ein Killer. Daneben fiel der exzentrische Millionenerbe vor allem durch bizarre Gewohnheiten auf.

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Nach über 30 Jahren als Verdächtiger muss sich Robert Durst jetzt wegen Mordes verantworten - und zwar in einem von drei Fällen. Bild: August 2014 in Houston. Sein jüngerer Bruder Douglas hat ausgepackt und bizarre Einzelheiten aus dem Leben von Robert publik gemacht. Bild: Douglas Durst am 3. November 2014 bei der Einweihung von One World Trade Center, das zum Immobilienbesitz der Familie gehört. Am Samstag, 14. März 2015, wurde Durst in New Orleans festgenommen. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles verdächtigt den Spross einer reichen Immobiliendynastie aus New York, im Jahr 2000 seine Pressesprecherin erschossen zu haben. In orangem Overall und mit Handschellen wurde er am Montag vor Gericht geführt. Durst verzichtete darauf, seine Auslieferung nach Kalifornien anzufechten. Dick DeGuerin, einer von Dursts vier Anwälten, gab sich vor dem Gerichtsgebäude sicher, dass der Mordvorwurf abgewehrt werden könne. Die Anklage wurde aufgrund der Arbeit des HBO-Filmemachers Andrew Jaretzki erhoben. In dessen sechsteiligem Dokudrama «The Jinx» (Der Verhexer) führt Jaretzki neue Beweise gegen Durst vor, darunter ein auf einer Toilette aufgenommenes Geständnis. Der geschäftlich unzuverlässige Durst entfremdete sich früh von seinem Vater Seymour (Bild), weshalb die Führung des Immobilienimperiums an Roberts Bruder Douglas übergeben wurde. Unter Verdacht geriet Durst schon 1982, als seine Frau Kathleen spurlos verschwand. Bild: die Hochzeit 1973. Durst ist jetzt des Mordes an Susan Berman angeklagt. Die Pressefrau war seine Vertraute, und Durst könnte 2001 befürchtet haben, dass die Polizei sie als Zeugin befragen würde. Vor Gericht kam Durst 2003, nachdem er zugegeben hatte, einen Nachbarn in Galveston, Texas, erschossen und zerstückelt zu haben. Bild: Titelblatt der «New York Post» im September 2003. Vor Gericht führte Durst vor, wie sich der Schuss auf den Nachbarn während eines Gerangels gelöst haben soll. Er will aus Notwehr gehandelt haben. Die Geschworenen glaubten ihm und sprachen ihn frei. Bild: Nach dem Freispruch am 11. November 2003 umarmt Durst seinen Anwalt DeGuerin. Daneben steht Anwalt Mike Ramsey. Das stärkste Beweismittel aus dem neuen Dok-Film: Der Ortsname «Beverley Hills» ist auf dem Brief des Mörders (oben) genau gleich falsch mit einem «e» vor dem «y» geschrieben wie auf einem Brief Dursts an die später ermordete Susan Berman (unten). Auch die Handschrift ist dieselbe. Am 23. März musste Durst in New Orleans vor Gericht zu einem Kautionshearing antraben. Bild: 17. März 2015. Der Richter verweigerte dem Millionenerben einer Immobiliendynastie die Freilassung auf Kaution. Hat der Millionärserbe Robert Durst auch Lynne Schulze ermordet? Die College-Studentin verschwand 1971 spurlos in der Nähe eines Health-Food-Ladens, den Durst damals in Vermont betrieb. Auch für das Verschwinden von Karen Mitchell könnte er verantwortlich sein. Durst soll die 16-Jährige 1997 in Eureka, Kalifornien, gekannt haben. Mitchell stieg zuletzt in ein Auto ein. Am Steuer sass ein Mann, den ein Zeichner wie im Bild links skizzierte - verblüffend ähnlich dem Foto von Robert Durst aus der gleichen Zeit (rechts). Der Buchautor Matt Birkbeck vertritt die These, Durst könnte Mitchell ermordet und ihre Leiche zum Verschwinden gebracht haben. Derweil beschuldigt ihn die Ex-Richterin Susan Criss, er habe ihr den Kopf einet toten Katze vor die Haustür gelegt, um sie zu bedrohen. Criss leitete 2003 den Mordprozess gegen Durst. Er wurde damals freigesprochen, obwohl er gestand, seinen Nachbarn in Galveston, Texas, getötet und zerstückelt zu haben. Criss glaubt, Durst habe die Technik des Zerstückelns an sieben Hunden geübt, die nacheinander verschwanden. Sie waren Alaskan Malamutes und hiessen alle Igor.

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Robert Durst sitzt im Untersuchungsgefängnis von New Orleans, angeklagt des Mordes an seiner Vertrauten Susan Berman im Jahr 2000. Eingestandenermassen hat der Millionenerbe des Durst-Immobilienimperiums 2001 seinen Nachbarn Morris Black erschossen – wenn auch aus Versehen, wie er sagt. Zudem wird er verdächtigt, für das Verschwinden seiner Frau Kathleen im Jahr 1982 verantwortlich zu sein, ebenso wie für dasjenige der 18-jährigen Lynne Schulze 1971 sowie der 16-jährigen Karen Mitchell und der 18-jährigen Kristen Modafferi im Jahr 1997.

Dursts Kindheit war von unermesslichem Reichtum geprägt – aber auch von einem Trauma: Als Siebenjähriger wurde er vom Vater zu einem Fenster geführt, durch das er seine Mutter sehen konnte, die auf dem Dach stand. «Winke deiner Mama zu», sagte der Vater und brachte ihn zurück ins Kinderzimmer. Kaum lag der Junge wieder im Bett, sprang die Mutter vom Dach in den Tod.

Danach entwickelte sich Robert Durst zu einem Exzentriker.

Von Wauwaus und Igors

Auf ganz eigene Weise ist der Einzelgänger Durst dem besten Freund des Menschen zugetan. Seinen Firmen gab er Namen wie Woofing LLC oder WoofWoof LLC – in Anspielung auf das englische «woof» für Wauwau. Eine andere Firma hiess Igor-Fayette. Igor hiess auch sein Hund, der 1981 spurlos verschwand. Kurz darauf verschwand ein zweiter Igor, dann ein dritter, vierter, fünfter, sechster, siebter. Robert Durst habe alle Igors getötet, um an ihnen das Zerstückeln von Leichen zu üben, sagt sein jüngerer Bruder Douglas Durst. Um später zu wissen, was er mit der Leiche seiner Frau anfangen sollte?

Papierkörbe sind zum Pinkeln da

Von Hunden scheint sich Durst das öffentliche Urinieren abgeschaut zu haben: 1993 wurde er vom Vater als Nachfolger abgeschrieben, nachdem er wiederholt in den Firmenbüros in Papierkörbe gepinkelt hatte. Im Dezember letzten Jahres urinierte er in Texas über die Auslage einer Drogerie und wurde dafür mit 500 Dollar gebüsst.

Genug ist nie genug

Die Busse dürfte Durst nicht wehgetan haben: Er erbte 65 Millionen Dollar und soll heute 100 Millionen besitzen. Trotzdem erfand er in der elterlichen Firma eine separate Lohnbuchhaltung, um sich noch mehr Geld zuzuschieben.

Das Pouletsalat-Sandwich

Im Jahr 2001 wurde Durst in einem Laden verhaftet, weil er ein Pouletsalat-Sandwich, ein Heftpflaster und eine Zeitung stehlen wollte – trotz 500 Dollar im Portemonnaie. In seinem Auto fand die Polizei 37'000 Dollar, zwei Schusswaffen, Marihuana – und den Fahrausweis des ermordeten Morris Black. Aufgefallen war Durst den Ladenmitarbeitern übrigens, weil er sich eines der Heftpflaster grundlos unter die Nase geklebt hatte.

Masken und falsche Namen

Bei seiner Verhaftung im März fand man in Dursts Hotelzimmer 42'000 Dollar, einen Revolver, Haschisch für 300 Joints und eine lebensechte Latex-Gesichtsmaske. Eingecheckt hatte er unter dem Frauennamen Everette Ward. Schon im Jahr 2000 – nach dem Mord an Berman – tauchte Durst mit einer Perücke als taubstumme Frau namens Dorothy Ciner unter. Andere seiner Pseudonyme waren Sigmund James Zachary, Stephen Newhouse, Stafford J. Demouchette.

Grimassen, Ticks und Lügen

Als Kind täuschte Durst vor, Tuba zu spielen. Später behauptete er, zwei Doktortitel zu haben. Um Konventionen schert er sich nicht: Er rülpst in Gesellschaft, raucht Joints. Ausserdem zuckt sein Gesicht immer wieder unkontrolliert. Und er führt ständig Selbstgespräche.

Ein solches hat den 71-jährigen Durst letztlich verraten. Als er während Aufnahmen zu einem HBO-Dokumentarfilm vor sich hinmurmelte: «Ich habe sie alle umgebracht».

(sut)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.G. am 03.04.2015 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    verrückt

    Der Mann ist einfach nur verrückt. Anders kann mans gar nicht beschreiben. Mir scheint der Staat hat vollkommen versagt.

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  • Shady am 03.04.2015 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass!

    Alter Schwede! Die Geschichte mit der Mutter auf dem Dach ist ja mal echt übel.

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  • Leo 10 am 03.04.2015 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld ist nicht alles

    Viel Geld kann Menschen verrückt machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • i.m. am 04.04.2015 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst vor was? sich selbst

    Die Leute haben Angst vor solchen Geschichten. Dabei ist das Leben mit den vielen Kriege noch viel grausamer. Wegen dieser irrationalen und subjektiven Angst lässt man auch die ganz gezielt die hoch gelobte Meinungs-freiheit unter den Tisch fallen. Traurig aber halt total bünzlig.

  • Snoopy am 04.04.2015 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verfilmt

    Wer sich für dessen Story interessiert, sollte sich den Film "all beauty must die" ansehen - mit Starbesetzung.

  • tino am 04.04.2015 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Film schauen

    Verrückt, vor 1 monat habe ich mir den wahre Verfilmung angeschaut und dachtw mir schon der muss in den Knast. der Film heisst "All beauty must die " falls wer lust bekommen hat.

  • Mr.Pink am 04.04.2015 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    wenig geld kann menschen verrückt machen...

  • bieps am 04.04.2015 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sieht aus wie ein grauhaargier Bieber.

    Ob der echte Bieber irgendwann auch so aussieht?

    • Ihr macht ihn gross am 04.04.2015 19:18 Report Diesen Beitrag melden

      Lasst doch mal den Bieber

      in Ruhe. Solange Menschen sich über ihn nerven und dennoch jeden Artikel über ihn lesen, wird er in den Medien bleiben. Ignorieren und er verschwindet von selbst. Es liegt an Euch.

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