Frau auf Freeway verprügelt

09. Juli 2014 17:49; Akt: 09.07.2014 19:52 Print

So sieht ein überforderter Polizist aus

Ein Cop verprügelt in Los Angeles eine verwirrte Frau. Der Fall zeigt auch die Überforderung der Polizei: Im Staat New York wird sie alle 6 Minuten wegen psychisch Kranker gerufen.

Das von der «Los Angeles Times» weiter verbreitete Video zeigt im Detail, wie der Polizist die Frau schlägt.
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Frauen schlägt man(n) nicht, lautet ein ungeschriebenes Gesetz. Auf einem kalifornischen Freeway wurde dieser Grundsatz vergangene Woche vollständig missachtet, als ein weisser Polizist der California Highway Patrol (CHP) auf eine am Boden liegende schwarze Frau mindestens neunmal einschlug. Der im Video (ein Autofahrer hatte die Aufnahme gemacht) festgehaltene Akt von Polizeibrutalität müsse Folgen haben, fordern jetzt die Verwandten des Opfers. Sie wollen den Cop verklagen.

Die hässliche Szene trug sich bei einer Einfahrt zum Freeway 10, westlich von Downtown Los Angeles zu. Die 51-jährige Marlene Pinnock, eine zweifache Mutter und Grossmutter, spazierte barfuss auf dem Freeway herum, blockierte Fahrspuren und behinderte den Verkehr.

In Obdachlosensiedlung bekannt

Pinnock hatte einmal Buchhaltung zu lernen versucht, bevor ihr Leben eine unglücklichere Wendung nahm. Sie war den Obdachlosen unter einer nahe gelegenen Freeway-Überführung wohlbekannt. Gegenüber der «Los Angeles Times» beschrieben sie die Frau als freundliche und angenehme Person. In der gleichen Nachbarschaft war sie schon mehrere Male wegen verschiedener Verdächtigungen verhaftet worden.

Die Anwesenheit der Frau auf dem Freeway rief die Polizei auf den Plan. Ein namentlich nicht bekannter CHP-Polizist versuchte, Pinnock von der Autobahn zu holen. Sie soll ihren Arm seinem Griff entwunden haben. Die Handgreiflichkeiten endeten damit, dass die Frau auf dem Rücken am Boden lag, neben sich die Handtasche. Vom Handy eines Autofahrers gefilmt, sieht man den gross gewachsenen Cop über ihr knien. Er scheint zu versuchen, ihre sich wild bewegenden Arme ruhigzustellen. Und dann schlägt er mit aller Wucht auf sie ein, einmal, zweimal – insgesamt mindestens neunmal.

Verwandte legen Protest ein

Das Video machte seither die Runde und rief Marlene Pinnocks Verwandte auf den Plan. Es sei unwichtig, was die Frau auf dem Freeway gesucht habe, meinte deren Anwältin Caree Harper am Montag. «Sie wurde geschlagen, brutal geschlagen von jemandem, der Kampfsportarten auszuprobieren schien. Das ist unannehmbar.»

Nach dem Polizeibericht wurde die Frau verhaftet, weil sie «physisch kämpferisch» geworden sei. Gegenwärtig wird sie psychiatrisch untersucht. Der in den Vorfall verwickelte Polizist ist administrativ beurlaubt, solange eine interne Untersuchung läuft.

«Cops, keine Psychologen»

Während manche Experten in dem Fall ein klassisches Beispiel von Gewalt gegen schwarze Frauen erkennen, sehen andere darin eine viel alltäglichere Begegnung von Gesetzeshütern mit psychisch belasteten Leuten.

«Polizeioffiziere sind heute Strassenpsychologen», sagte Carla Jacobs gegenüber der «Times». Sie ist eine Verfechterin für ein besseres Gesundheitssystem für geistige Krankheiten. «Manche sind gut ausgebildet. Manche nicht. Die Wahrheit ist: Sie sind Cops, keine Psychologen.»

Massive Ressourcen beansprucht

Landesweit kommen Zusammenstösse der Gesetzeshüter mit psychisch kranken Menschen immer öfter vor. Nach einer Analyse von Michael Biasotti, dem Polizeichef von New Windsor, NY, beansprucht der geistig verwirrte Bevölkerungsteil inzwischen massive Ressourcen der Polizei.

Im Gliedstaat New York müssen Uniformierte laut Biasettis Studie alle sechseinhalb Minuten auf Anfragen im Zusammenhang mit psychisch Kranken reagieren. In Florida werden jährlich 40’000 Leute zur psychischen Abklärung festgenommen. Das sind mehr Menschen, als wegen Überfällen oder Einbrüchen verhaftet werden.

(sut)