Umfrage

12. Dezember 2010 22:16; Akt: 12.12.2010 21:20 Print

So ticken die Schweizer Jugendlichen

von Deborah Sutter - Vegis und politische Demos sind out – Familie und Haus sind in: Das zeigt das Jugendbarometer.

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Das erste Jugendbarometer zeigt: Die 16- bis 25-Jährigen stehen wieder auf traditionelle Lebensentwürfe. (Bild: Keystone)

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Jugendliche stehen wieder auf traditionelle Lebensentwürfe: Dies zeigt das erste, von der Credit Suisse in Auftrag gegebene Jugendbarometer. Denn für 87 Prozent der Befragten ist die Familie in ihrem Leben sehr wichtig, 51 Prozent wissen bereits jetzt, dass sie Kinder haben möchten, und 85 Prozent hätten gerne ein eigenes Haus. Ebenfalls im Trend bei den 16- bis 25-Jährigen ist es, Karriere zu machen. Laut Studie aber nicht, um möglichst viel Geld zu scheffeln, sondern um sich selbst verwirklichen zu können. Die Selbstverwirklichung läuft bei den heutigen Jugendlichen jedoch nicht wie noch in den 90ern über abstrakte Werte wie Freiheit oder Bildung, sondern über Dinge, die man sich kaufen kann.

«Interessant ist, dass sich offenbar viele Jugendliche zu gängigen Werten wie Arbeit, Familie und Partnerschaft bekennen», sagt Ueli Mäder, Soziologie-Professor der Uni Basel. Nach der Phase der Coolness, die teils als allzu kühl erfahren worden sei, wünschten sich Jugendliche wieder eine höhere Verbindlichkeit in sozialen Beziehungen, so Mäder. Auf der anderen Seite werde aber auch der Hedonismus betont: «Auf den Putz zu hauen etwa kontrastiert die bierernste Welt der Alten», sagt Mäder weiter. Claude Longchamp, Mitautor der Studie des Meinungsforschungsinstituts GFS Bern, sagt: «Das Sicherheitsbedürfnis und die Wohlstandsorientierung der Jugendlichen sind nationale Eigenheiten, das wäre im Ausland anders.» Der Lebensstandard in der Schweiz sei international hoch, daran möchte man festhalten, so Longchamp. In Zeiten der Bedrohung reagiere man deshalb besonders sensibel auf Fragen zu Wohlstand und Sicherheit.

Die häuslichen Bürgerlichen
Dieser Typ Jugendlicher pflegt Schweizer Traditionen am aktivsten, steht auf Popmusik und ist wenig im Ausgang. An politischen Demonstrationen würde er nie teilnehmen, auch bei NGOs ist er nicht Mitglied. Ausserdem ist er bereits Arbeitnehmer und wohnt mit seiner Freundin zusammen. Snowboarden sagt ihm nicht viel: Auf Abenteuer steht er nicht.

Die ethischen Debattierer
Dies ist die einzige Gruppe von Jugendlichen, die Secondhandkleider kauft, biologische Produkte bevorzugt und sich aktiv für die Umwelt einsetzt. Sie ­verzichtet dafür auf Ferien im Ausland und steht auf lebhafte Diskussionen. Geld und gutes Aussehen spielen in ihrem Leben keine grosse Rolle.

Die ungesunden Resignierten
Jugendliche, die unter die Gruppe der Resignierten fallen, sind am ehesten bereit, an Flashmobs oder politischen Demonstrationen teilzunehmen. Auf ihre Ernährung achten sie wenig und machen auch nicht gerne Ferien im Ausland. Sie finden in ihrer Lebenswelt nichts Anstrebenswertes und können schlecht mit Geld umgehen. Resignierte wohnen oft in der Romandie.

Die aktiven Materialisten
Aktive Materialisten wollen eher als andere Gruppierungen viel Geld verdienen und sind am wenigsten an Umweltschutz interessiert. Sie wollen das Leben ­geniessen, essen Fast Food und gehen oft in Clubs. Dort flirten sie, was das Zeug hält, und suchen auch überdurchschnittlich viele sexuelle Erlebnisse.