Todesstrafe in den USA

22. Juni 2011 08:51; Akt: 22.06.2011 09:34 Print

So viel kostet eine Hinrichtung

Eine Studie liefert den Gegnern der Todesstrafe in den USA neue Munition. Sie belegt am Beispiel des Bundesstaats Kalifornien die Kosten einer Exekution. Diese sind exorbitant.

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Die Todeskammer im Staatsgefängnis von San Quentin wurde letztes Jahr neu gebaut, nachdem ein Bundesrichter die bisherige Anwendung der Giftspritze für verfassungswidrig erklärt hatte. Seit 2006 wurde in Kalifornien niemand mehr hingerichtet. (Bild: Keystone/AP/Eric Risberg)

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Im März hat der US-Bundesstaat Illinois die Todesstrafe abgeschafft. Begründet wurde die Massnahme unter anderem mit den hohen Kosten. Tatsächlich zeigen diverse Untersuchungen der letzten Jahre, dass es deutlich teurer ist, einen Menschen hinzurichten, als ihn für den Rest seines Lebens ins Gefängnis zu stecken. In Kalifornien, dem grössten Bundesstaat, ist dieses Verhältnis besonders krass. Dies zeigt eine neue Studie.

Demnach hat die Todesstrafe die kalifornischen Steuerzahler seit ihrer Wiedereinführung 1978 mehr als vier Milliarden Dollar gekostet. In dieser Zeit wurden aber nur 13 Personen hingerichtet – macht im Durchschnitt 308 Millionen Dollar pro Exekution. Und Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Bis 2030 würden die Gesamtkosten für die Todesstrafe auf neun Milliarden Dollar steigen, schreiben die beiden Autoren, der Richter Arthur Alarcon und die Rechtsprofessorin Paula Mitchell von der Loyola Law School, laut «Los Angeles Times».

Unglaubliche Geldverschwendung

Ins Geld gehen die Infrastruktur für die Todeskandidaten und nicht zuletzt die langwierigen und teuren Rechtsverfahren. Ein Fall, in dem die Todesstrafe verhängt wird, ist laut der neuen Studie etwa 20-mal teurer als einer mit lebenslänglich ohne Aussicht auf Bewährung. Etwa 70 Prozent aller Todesurteile in Kalifornien würden von Berufungsrichtern wegen Mängeln an die Vorinstanz zurückgeschickt, heisst es im Bericht weiter.

«Wir wollen, dass die Wähler aufwachen und realisieren, dass es sich um eine unglaubliche Geldverschwendung handelt», sagte Paula Mitchell, eine Gegnerin der Todesstrafe. Ihr Ko-Autor Arthur Alarcon befürwortet sie grundsätzlich. In Kalifornien bestimmt das Volk über die Todesstrafe. Es hat sie getreu der allgemeinen Befindlichkeit in den USA in den letzten Jahrzehnten laufend ausgebaut. Bereits werden 39 Delikte davon erfasst.

Befürworter betonen, man müsse sie nur effizienter gestalten. Doch das ist leichter gesagt als getan: Seit 2006 wurde in Kalifornien niemand mehr hingerichtet, und das wird sich so schnell nicht ändern. Nach einer verpfuschten Hinrichtung in Florida hat ein Bundesrichter die heutige Praxis mit der Giftspritze für verfassungswidrig erklärt.

184 Millionen Ersparnis pro Jahr

Die Autoren der Studie betonen, dass eine «Verbesserung» das System nur noch teurer mache. Wogegen der Staat 184 Millionen Dollar pro Jahr sparen könnte, wenn er die derzeit 714 hängigen Todesurteile in lebenslänglich ohne Aussicht auf Bewährung umwandeln würde. Kein unwichtiges Argument in einem Bundesstaat, der unter Defiziten von 25 Milliarden Dollar pro Jahr ächzt und an der Schwelle zum Bankrott steht. Umfragen zeigen bereits, dass die Zustimmung zur Todesstrafe abnimmt – wegen der hohen Kosten.

(pbl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 16.09.2011 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    50 Rappen

    Eine GP90 kostet 50 Rappen... günstiger gehts wohl nicht mehr... So teuer wirds wohl nur weil man ja auch in klaren fällen lieber 10-20 jahre darauf warten muss...

  • Der Beobachter am 22.06.2011 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Darum geht es nicht

    Die Todesstrafe ist vor allem eines: Sie ist ein Schnadfleck für einen modernen, demokratischen Staat, der sich an den Prinzipien der Aufklärung und der Menschrechte orientiert. Sie lässt sich nicht rechtfertigen. Das alleine schon verbietet sie.

  • Max Mustermann am 22.06.2011 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Grösster Bundesstaat?

    Seit wann ist Kalifornien der grösste Bundesstaat? Meinen Sie wohl nicht eher, Kalifornien sei der grösste Staat mit Totesstrafe??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • peter schmailzl am 23.11.2011 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Todesstrafe = vorsätzlicher Mord

    Eine Justiz , die Morde rechtfertigt, ist nicht berechtigt, über verbrecher zu urteilen. Jedes Todesurteil ist Anstiftung zum Mord, jede Hinrichtung ist vorsätzlicher Mord, es sind also schwerste Verbrechen, die durch diese Staaten geschützt werden. Wie wäre es, alle Urteile, die in solchen Staaten gefällt werden, in unserem Land für nichtig zu erklären und für diese "Mordstaaten" Visumspflicht einzuführen? Ich wäre dafür!

    • Dorfwirth Edi, Graz. am 23.11.2011 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      Bin zwar Oesterreicher, finde das aber als eine gute Idee und richtige Massnahme.

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  • Marco am 16.09.2011 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    50 Rappen

    Eine GP90 kostet 50 Rappen... günstiger gehts wohl nicht mehr... So teuer wirds wohl nur weil man ja auch in klaren fällen lieber 10-20 jahre darauf warten muss...

  • Rena am 22.07.2011 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Todesstrafe.. ein no go!

    Kein Mensch hat das Recht über Leben oder Tod eines anderen Menschen zu entscheiden. Wiso soll man einem Mörder das ganze denn so einfach machen? Er sollte Lebenslänglich (bis zu seinem natürlichen Tod) verwahrt werden und mit seiner Schuld leben. Dies nicht in einem "netten" Gefängnis, wohl eher in einem mit den Lebensnotwenigsten Ausstattungen, also weder TV, I-Net etc. Ausserdem müsste der im Gefängnis arbeiten, den Lohn dafür könnte für seinen Lebensunterhalt abziehen und den Rest für Opfer-Familien oder Wohltätige Zwecke verwenden.

  • Ilija Vukadin am 23.06.2011 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Recht über Leben und Tod!

    Wir haben kein Recht über Leben und Tod eines Menschen zu entscheiden. Die Todesstrafe ist somit keine gerechtfertigte Justiz und keineswegs Genugtuung für die Angehörigen der Opfer, denn eine Todesspritze ist kein qualvoller Tod. Die heutigen ****-Hotelgefängnisse sollten wieder wie Askaban werden, der angeschlagenen Wirtschaft und menschlichem Gewissen zuliebe.

    • Sandra am 24.06.2011 09:09 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Recht auf Leben

      Finde ich nicht! Ein Mörder sollte seine Gerechte Strafe erhalten (Todesstrafe). Die Familie des Opfers soll sich nicht fürchten müssen, dass er aus dem Gefängnis ausbrechen kann....

    • Luzi Fehr am 24.06.2011 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Sandra

      Wovor soll sich die Familie fürchten? Die Rückfallquote bei Mord ist sehr gering, und wenn, welchen Grund soll ein Mörder haben, noch die Familie des Opfers zu töten? Ich kenne auch kein Beispiel eines Serienmörders, der aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen seine Opfer aussucht. Dieses Beispiel ist absurd. Ausserdem: Gerechtigkeit ist eine Frage der Definition, Auge um Auge ist nur eine Art der Gerechtigkeit. Wer sagt dass das die Richtig ist?

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  • G. Egner am 23.06.2011 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Rückfallquote Mord

    Die Rückfallquote bei Mord liegt bei etwa 3%. Mit der Todesstrafe wird also ein verschwinden kleiner Teil von Morden verhindert, und es hat erwiesenermassen keine abschreckende Wirkung. Im Gegenteil werden 97% getötet, die die Tat vielleicht bereuen und dankbar für eine zweite Chance wären. Worin soll also der Sinn der Todesstrafe sein? Für Rache und Gerechtigkeit? Dies soll den Angehörigen der Opfer vorbehalten sein, und oft wünschen diese nicht, dass der Deliquent hingerichtet wird. Das Geld soll besser in Prävention und Schutz investiert werden.

    • Marco Schwarz am 23.11.2011 17:19 Report Diesen Beitrag melden

      Rückfallquote Egner

      Interessante Darlegung. Ich weiss nicht, woher Sie die Daten haben, aber falls diese zutreffen, sprechen sie ja für sich. Falls in der ganzen Geschichte auch nur ein einziges Mal ein unschuldiger Mensch zu Tode verurteilt und dann auch hingerichtet wurde, ist die Todesstrafe juristisch unmöglich vertretbar. Es gibt dann nach meiner Ansicht wirklich keine Argumente für eine Rechtfertigung mehr

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