Bei Mailand

05. September 2017 16:48; Akt: 05.09.2017 16:48 Print

Sofia (4) stirbt an Malaria – in Italien

Im norditalienischen Brescia hat eine Vierjährige eine schwere Malariaerkrankung nicht überlebt. Brisant: Das Kind war in seinem Leben noch nie im Ausland.

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Die vierjährige Sofia ist in einem Spital in Brescia, rund 80 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, an Malaria gestorben. Zuvor hat das Mädchen einige Ferientage mit seinen Eltern in der Ortschaft Bibione verbracht, das an der venezianischen Küste liegt. Mit anderen Worten: Die Familie hat sich zu keinem Zeitpunkt in einem Malariagebiet aufgehalten.

Einige Tage nach der Rückkehr aus den Ferien brachten die Eltern ihre Tochter auf die Notfallstation nach Trento. Sofia hatte hohes Fieber und klagte über Kopfschmerzen. Zudem fühlte sie sich schläfrig und hatte Mühe zu sprechen, wie «Brescia Today» berichtet. Im Spital verschlechterte sich ihr Zustand sehr schnell, weshalb sie per Helikopter nach Brescia geflogen wurde. 24 Stunden nach ihrer Einlieferung war das Hirn der Kleinen dermassen angeschwollen, dass dies zu einem Atemkollaps führte.

Gefährlichste Form von Malaria

Der Infektionsmediziner Claudio Paternoster sagte gegenüber «Corriere della Sera», es handle sich bei Sofia um den ersten einheimischen Malariafall der letzten 30 Jahren. Das Kind hatte sich mit dem Parasiten Plasmodium Falciparum angesteckt, der die gefährlichste Form von Malaria verursacht.

Paternoster überrascht vor allem die Tatsache, dass die Übertragung der Krankheit in Italien stattgefunden hat: «Nach meinem Wissen gibt es in der Region keine Infektionsquellen für Malaria», sagte der Mediziner. Der Fall werde nun von der Gesundheitsbehörde untersucht.

Mücke als Überträger

Sofias Mutter erzählte der italienischen Zeitung «La Voce del Trentino», dass ihre Tochter an Kinderdiabetes gelitten habe. Sie sei deshalb im Spital von Trento in Behandlung gewesen. «Dort lagen mehrere afrikanische Kinder mit Malaria», so Francesca Ferro.

Eine These der Ärzte ist, dass sich das Mädchen während ihres Spitalaufenthalts angesteckt haben könnte. Das würde bedeuten, dass eine Mücke zuerst eines der malariakranken Kinder, dann Sofia gestochen und so den Parasiten auf sie übertragen hat. Auch über eine Bluttransfusion kann Malaria übertragen werden, eine solche hat die Vierjährige aber nie erhalten.

Wärmeres Klima: Tropenkrankheiten breiten sich aus

Mit der Klimaerwärmung würden sich tropische Infektionskrankheiten in Europa verbreiten, warnten Forscher der britischen Universität Liverpool in einer Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift «Scientific Reports» veröffentlicht wurde. Demnach werden sich im Laufe des 21. Jahrhunderts Tropenkrankheiten wegen der steigenden Temperaturen ausbreiten — und zwar stärker und schneller als bisher gedacht. Auch weil sich hierzulande neue Insektenarten ansiedeln können.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.Buyer am 05.09.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaftswandel ist die Ursache

    Es ist nicht der Klimawandel sondern der gesellschaftliche Wandel der das Leben gekostet hat. Spitäler sowie Politiker sollten anfangen umzudenken. Bevor die europäischen Völker rebellieren.

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  • carmen diaz am 05.09.2017 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    daran ist nichts brisant...

    ...das ist nur logisch und wurde bereits erwartet. man lässt leute aus afrika einfach durch europa marschieren ohne sie zuerst unter quarantäne zu setzen und den gesundheitszustand vollständig durch zu checken obwohl man weiss das viele von ihnen krankheiten einschleppen die in europa längst ausgerottet sind. ein weiterer tragischer und nicht abzusprechendes versagen der EU...

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  • Lebensarchitekt am 06.09.2017 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiteres Problem

    dass natürlich nicht offiziell und klar ausgesprochen werden darf: Vergessene Krankheiten werden durch Flüchtlinge eingeschleppt und in Zukunft noch mehr auftreten. Fazit: Die Globalisierung wird künftig immer mehr neue und gravierende Probleme aufkommen lassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jch am 06.09.2017 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Die Mücke ist auch hier!

    Gibt es auch bei uns! Sie werden mit der "Vielreiserei" auch im Gepäck "eingeschleust"!

  • Markus am 06.09.2017 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Spital schuld anstatt Flüchtlinge?

    Ich war auch schon in einem Malariagebiet als Safariturist. Nicht nur Flüchtlinge, sondern auch wir Schweizer könnten diese Krankheit einschleppen. In diesem Fall sehe ich das Versagen beim Spital, das ein 4-Jähriges Kind in das Gleiche Zimmer steckt wie bereits infizierte Kinder!

  • Silvie S am 06.09.2017 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Mückenarten sind gefährlich

    und bitte auch immer alle stehenden Wassertonnen und Ziergefäße im Garten ausleeren, andere Mücken können ebenfalls schlimme Krankheiten übertragen. denke da auch an Leishmanien , gefährlich für Mensch und Tier (meistens werden nur Hundebesitzer gewarnt, übertragbar auf den Menschen) wird nicht gerne publik gemacht.

  • Mediziner am 06.09.2017 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht neu

    Wir hatten schon 1970 in der RS in Kloten einen Malariafall in der Kaserne. Das ist überhaupt nichts neues. Die Mücke war möglicherweise in einem Flugzeugkontainer in die Schweiz gebracht worden. Das ist leider die Kehrseite der Globalisierung.

  • michi am 06.09.2017 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    malaria

    Kann aber nicht verstehen wie man ein kind in ein zimmer, mit malaria infizierten kinder stationiert.