Spenden für trauernde Familie

07. August 2019 15:45; Akt: 07.08.2019 15:45 Print

Zeuge des ICE-Dramas sammelt 100'000 Euro

Michael Kötter hat miterlebt, wie der achtjährige Bub in Frankfurt vor den Zug gestossen wurde. Der Augenzeuge möchte helfen und hat ein Spendenkonto eröffnet.

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H. A. soll der Täter des tödlichen Vorfalls am Frankfurter Hauptbahnhof sein. Der 40-Jährige wohnt in der Schweiz und hat bei den VBZ gearbeitet. Am Dienstag informierte die Kantonspolizei Zürich zum Fall. Der Mann war in der Woche zuvor polizeilich aufgefallen, als er seine Frau, die drei Kinder und eine Nachbarin in seiner Wohnung eingesperrt hatte. Auch der deutsche Innenminister Horst Seehofer äusserte sich am Dienstag öffentlich zum Fall. Dabei kam heraus, dass der Täter in der Schweiz zur Verhaftung ausgeschrieben war. Die Tat vom Montag schockierte international: Am Hauptbahnhof in Frankfurt wurden ein Achtjähriger und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE gestossen. Der Achtjährige kam dabei ums Leben. Seine Mutter wurde ins Spital gebracht. Die Polizei konnte einen 40-Jährigen festnehmen. Der aus Eritrea stammende Mann wird der Tat verdächtigt. Passanten konnten dem mutmasslichen Täter hinterherrennen. Augenzeugen, die die schreckliche Tat beobachtet hatten, brachen weinend zusammen. Die Polizei sucht nun Zeugen. Vier Gleise am Bahnhof wurden gesperrt. Die Spurensicherung läuft auf Hochtouren. Wie die Polizei mitteilte, wollte der Täter eine weitere Person vor den Zug stossen. Laut Angaben der Polizei konnte sich diese allerdings wehren. Die Mutter des verstorbenen Buben wurde ins Spital gebracht. Sie konnte sich mit einer Rolle in den Zwischenraum der Gleise retten. Ihren Sohn bekam sie jedoch nicht mehr zu fassen. Etliche Personen am Gleis und im Zug mussten die Tat mit ansehen. Für sie sind Seelsorger am Bahnhof unterwegs. 15 Personen mussten betreut werden. Innenminister Horst Seehofer hat seine Ferien abgebrochen, um sich mit Sicherheitsbehörden zu treffen. Die Mordkommission hat den Fall übernommen. Wie lange die Sperrung der Gleise andauert, ist noch unklar.

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Vor etwas mehr als einer Woche ist ein achtjähriger Bub mit seiner Mutter in Frankfurt von einem 40-jährigen Mann vor einen fahrenden Zug gestossen worden. Dabei kam das Kind ums Leben, die Mutter konnte sich retten. Der Maschinenbauingenieur Michael Kötter war Augenzeuge des tragischen Vorfalls.

Im Anschluss hatte er den Wunsch zu helfen. Gegenüber der «Bild»-Zeitung sagte er: «Niemand kann der trauernden Mutter ihr Kind zurückbringen. Viele von uns wollen helfen. Deshalb habe ich mich entschlossen, für die Mutter Spenden zu sammeln.»

Kötters Ziel war es, 100'000 Euro zu sammeln. Heute Nachmittag kurz nach 13 Uhr war es schliesslich so weit und die Spendenseite zeigte 100'051 Euro an.

Familie ist gerührt

Der Anwalt der trauernden Familie sagte gegenüber der «Bild», dass die Eltern gerührt seien. Sie wussten bis vor Kurzem noch gar nichts von der Aktion. Es bedeute ihnen nun sehr viel, weil es ein besonderes Zeichen der Anteilnahme sei, wenn jemand auch etwas von sich gebe.

Der 40-jährige Täter aus Eritrea wurde verhaftet. Er wohnte in Wädenswil ZH und war in psychiatrischer Behandlung. Die Polizei ermittelt nun wegen eines mutmasslichen vollendeten Tötungsdelikts und zwei Versuchen. Wieso er den kleinen Buben und seine Mutter vor den ICE stiess, ist weiterhin unklar.

(doz)