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08. September 2018 14:32; Akt: 08.09.2018 16:31 Print

Stärkste russische Luftangriffe auf Idlib

Die russische Luftwaffe hat am Samstag nach Angaben von Aktivisten die stärksten Angriffe seit vier Wochen in der syrischen Provinz Idlib geflogen.

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Nach Angaben von Aktivisten kam es am Samstag zu starken Luftangriffen auf die Provinz Idlib. Rauch über al-Muntar am südlichen Rand der Rebellenhochburg Idlib. Protest in der Rebellenhochburg Idlib. Tausende Menschen gingen am 7. September gegen die erwartete Militäroffensive auf die Strasse. In der gleichnamigen Provinzhauptstadt hüllten sich Demonstranten am Freitag in Flaggen von Oppositionsgruppen. Manche hielten Banner hoch mit Aufschriften wie: «Ich bin ein Bürger Idlibs, und ich habe das Recht, in Würde zu leben.» Die oppositionsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von Zehntausenden Protestierenden in der gesamten Provinz sowie in benachbarten Rebellengebieten. In Idlib leben etwa drei Millionen Zivilisten, viele von ihnen sind Flüchtlinge aus anderen Teilen Syriens. Bei einem zeitgleichen Gipfel in Teheran tauschten sich Russlands Staatschef Wladimir Putin (l.), der iranische Präsident Hassan Rohani und der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (r.) über das Schicksal der letzten grossen syrischen Rebellenhochburg aus. Unmittelbar vor Beginn der Syrien-Konferenz sind nach Angaben einer oppositionellen Gruppierung die Luftangriffe auf die Rebellen-Provinz Idlib fortgesetzt worden. Zum Auftakt des Syrien-Gipfels hat es der iranische Präsident Hassan Rohani als «unvermeidbar» bezeichnet, den «Terrorismus» in Idlib zu bekämpfen. Erdogan (r.) warnte vor einem «Blutbad» in Idlib. «Ein Angriff auf Idlib wird zu einer Katastrophe, einem Massaker und einer riesigen humanitären Tragödie führen», sagte der türkische Präsident, der seit langem die Rebellen in Syrien unterstützt.

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Vor der erwarteten Grossoffensive syrischer Truppen auf die Rebellenhochburg Idlib hat die russische Luftwaffe dort am Samstag nach Angaben von Aktivisten die stärksten Angriffe seit einem Monat geflogen. Binnen drei Stunden habe es fast 60 Luftangriffe auf mehrere Ziele im Süden und Südosten der Provinz gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Syrische Flugzeuge warfen demnach zeitgleich Fassbomben ab.

Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die syrische Armee beschiesse mehrere Stellungen von Dschihadisten und Aufständischen mit schwerer Artillerie. Einige seien zuvor verlassen worden. Am Freitag waren der Beobachtungsstelle zufolge bei russischen Luftangriffen auf Positionen der dschihadistischen Hajat Tahrir al-Scham (HTS) und der islamistischen Ahrar al-Scham fünf Menschen getötet worden.

Die HTS-Allianz ist aus der Al-Nusra-Front, dem syrischen Ableger des Al-Kaida-Netzwerks, hervorgegangen. Sie kontrolliert etwa drei Fünftel der im Nordwesten Syriens gelegenen Provinz Idlib.

Vermeidung eines «Blutbads»

Die in Grossbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Nach UN-Angaben leben in Idlib 2,9 Millionen Menschen, darunter 1,4 Millionen Vertriebene aus anderen Landesteilen. Der syrische Staatschef Baschar al-Assad hat am Rande von Idlib eine grosse Zahl von Truppen zusammengezogen. Im Fall einer Grossoffensive drohen erbitterte Kämpfe, da es für die islamistischen Rebellen keine Ausweichmöglichkeit in Syrien mehr gibt. Die Vereinten Nationen riefen deshalb zur Vermeidung eines «Blutbads» auf.

Der Syriengesandte der Vereinten Nationen, Staffan de Mistura, hatte am Freitag einen Plan für einen Rückzug von Rebellen aus bewohnten Gebieten der Rebellenhochburg Idlib vorgelegt. Vor dem UN-Sicherheitsrat in New York sagte de Mistura, den bewaffneten Kämpfern solle eine Frist für einen Rückzug gesetzt werden. Während dieser Zeit sollten militärische Angriffe auf die Rebellen unterbleiben.

(afp)