Haare an Spitzhacke

01. März 2019 08:19; Akt: 01.03.2019 08:20 Print

Starb Julen erst bei den Rettungsversuchen?

Der 2-jährige Julen soll erst durch die Arbeiten der Retter gestorben sein. Das behauptet ein neuer Bericht.

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Der Sonntagsausflug einer Familie aus dem spanischen Málaga nahm am 13. Januar 2019 ein dramatisches Ende, als der zweijährige Sohn Julen in ein 110 Meter tiefes Erdloch stürzte. Am 15. April 2019 gaben die Pathologen der Gerichtsmedizin und Forensik von Málaga den Autopsiebericht bekannt: Julen starb am 13. Januar gegen 13.50 Uhr, also nur wenige Minuten nach seinem Sturz in den 73 Meter tiefen Schacht. Der Fall hatte die ganze Welt während Wochen in Atem gehalten. 13 Tage nach dem Sturz kam die traurige Bestätigung: Julen ist tot. (Im Bild: Sein Vater, José Roselló, an der Beerdigung seines zweijährigen Sohnes. Der Mann musste sein zweites Kind zu Grabe tragen.) Hunderte Menschen nahmen am 27. Januar 2019 in Totalán an der Trauerfeier für den verstorbenen Julen teil. Ein Sprecher der Guardia Civil gab zwei Tage zuvor den aktuellen Ermittlungsstand zum Fall Julen an einer Pressekonferenz in Totalán bekannt. Victoria García (l.), Julens Mutter, zeigte sich am 26. Januar umringt von Polizei und Rettungskräften – kurz nach Bekanntwerden von Julens Tod. Familienangehörige von Julen in Totalán. Viele Menschen haben sich in der Nähe des Hauses eingefunden, nachdem der kleine Bub am frühen Samstagmorgen tot gefunden worden war. Rettungskräfte haben Julen um 1.25 Uhr in der Nacht auf Samstag leblos im Brunnenschacht aufgefunden. (26. Januar 2019) Die Leiche des zweijährigen Buben wurde nach tagelangen Bohrungen in einer Tiefe von rund 70 Metern entdeckt. Die Eltern des zweijährigen Julen erlebten qualvolle Stunden. (24. Januar 2019) Ein Helikopter der spanischen Guardia Civli transportiert Sprengstoff. (24. Januar 2019) Rund 100 Retter arbeiteten an der Bergung des Kleinen. Auch in der Nacht ging die Suche nach Julen weiter. Die Rettungskräfte waren mit Kameras bis knapp 80 Meter Tiefe vorgedrungen. Dort fanden sie eine Tüte mit Süssigkeiten und einen Becher, die Julen zum Zeitpunkt seines Verschwindens dabeihatte, doch bis zum Buben konnte die Kamera nicht vordringen. Für die Retter stellte die Bergung eine grosse Herausforderung dar, weil der Schacht einen Durchmesser von nur rund 25 Zentimetern aufwies. Die Retter versuchten am 14. Januar, ein neues Loch zu bohren, parallel zu dem, in dem sich das Kind befindet. Vater José Roselló (l.) weinte verzweifelt am Unglücksort. Die Menschen aus Totalán drückten mit einem Marsch und bunten Schildern ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung für Julen und seine Familie aus.

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Die Tragödie um den zweijährigen Julen, der im spanischen Malaga in einen Brunnen fiel, hat die Welt in Atem gehalten. Er stürzte in einen 71 Meter tiefen Brunnenschach. Nach zwei Wochen fieberhaften Arbeitens konnten ihn die Rettungskräfte nur noch tot bergen.

Ein erster Obduktionsbericht nach dem Unglück kam zu dem Ergebnis, dass Julen ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte. Zeitungen berichteten damals, dass der Zweijährige entweder sofort tot war oder noch am Tag des Sturzes gestorben sei.

Widersprüchlicher Bericht

Dem widerspricht nun ein Bericht, den die Anwälte des Finca-Besitzers vorlegten, auf dessen Grundstück sich das Loch befand. Sie sehen die Schuld bei jenen Menschen, die Julen zu retten versuchten.

Der Bericht will festgestellt haben, dass das Kind nicht durch den Sturz, sondern erst durch die Rettungsarbeiten starb. Aus den vorhandenen Informationen, beispielsweise Videoaufnahmen, könne man sich «erlauben anzunehmen», dass Julen «während der Rettungsarbeiten» starb.

Konkret hat der Bericht ein Werkzeug im Visier, das in den ersten Stunden nach Julens Sturz verwendet wurde. Mit einer Spitzhacke sollte ein Erdklumpen gelockert werden, der den Schacht blockierte: «Der Einsatz mit der Spitzhacke, insgesamt zehn Schläge, zwischen 17.30 Uhr und 21.00 Uhr am Unglückstag (Julen stürzte um 14 Uhr in den Schacht), ist das einzige, was die körperlichen Wunden am Kopf und am Schädel des Minderjährigen verursachen konnte», heisst es im Bericht.

Haare an der Hacke

Auch schreibt der Bericht von «acht Haaren des Kindes, drei davon mit Wurzel», die an einer Spitze des Werkzeugs vorhanden gewesen sein sollen. «Welche andere These als die des direkten Einflusses auf Julens Kopf kann das erklären?», steht im Bericht.

Die Anwälte wollen nun, dass die eingesetzten Feuerwehrleute, die Polizisten und diejenigen, die für die technische Planung und Durchführung verantwortlich waren, befragt werden.

(heute.at/20 Minuten)