Rätselplakate

02. November 2009 17:04; Akt: 02.11.2009 17:12 Print

Steckt die IV hinter der Kampagne?

von Annette Hirschberg - Die provozierenden Plakate gegen Behinderte polarisieren die Betroffenen. Die einen hoffen auf eine fruchtbare Diskussion, die anderen empfinden sie als herabsetzend und extrem. Derweil gibt es Anzeichen, dass die Invalidenversicherung hinter der Kampagne steckt.

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«Neunzig Prozent der Bevölkerung lehnen solche Aussagen vehement ab», sagt Marc F. Suter über die heute Morgen gestartete Plakatkampagne gegen Behinderte. Die Aussagen «Behinderte sind dauernd krank», «Behinderte liegen uns auf der Tasche» oder «Behinderte kosten nur Geld» auf den Plakaten empfindet der FDP-Nationalrat, der selbst im Rollstuhl sitzt, als «extrem und herabsetzend». Dabei kommt es für Suter nicht darauf an, ob auf die Sprüche eine positive Auflösung folgt. «Wir Behinderte müssen viel einstecken, aber so einen frontalen Angriff habe ich noch nie erlebt», sagt er. Das sei entweder ein schlechter Scherz oder einfach nur bösartig. «Öffentliche Gelder sollten nicht für so etwas ausgegeben werden», fügt Suter an.

Packt gängige Vorurteile an den Hörnern

Andere Behinderte wiederum gewinnen den Beleidigungen auf den Plakaten vor allem Positives ab. «Wird es richtig gemacht, werden mit der Kampagne die gängigen Vorurteile über Behinderte an den Hörnern gepackt», sagt Peter Wehrli vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben in Zürich, der selbst im Rollstuhl sitzt. Durch diese zielgerichtete Provokation könne eine fruchtbare Diskussion entstehen, glaubt er. Er hofft darum, dass die Aussagen in diesem Sinne aufgelöst werden. «Sonst wäre es schade.»

Bundesamt für Sozialversicherungen kennt den Auftraggeber

Währenddessen scheint etwas Licht ins Dunkel um den Auftraggeber der nationalen Kampagne zu kommen. Beim Bundesamt für Sozialversicherung kennt man die Verantwortlichen. «Wir haben uns aber verpflichtet, nicht zu sagen von wem die Kampagne ist», sagt Mediensprecher Rolf Camenzind. Da dem Bundesamt für Sozialversicherungen unter anderem die Invalidenversicherung unterstellt ist, liegt die Annahme nahe, dass die Kampagne aus dieser Ecke kommt. Camenzind möchte solche Spekulationen nicht kommentieren, betont aber: «Die Kampagne ist nicht gegen Behinderte gerichtet.»