12. April 2005 08:31; Akt: 12.04.2005 11:07 Print

Stichwort: Das Konklave

Die theologischen und kirchengeschichtlichen Werke über Papsttum und Konklave füllen ganze Bibliotheken.

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Wer eine aufbereitete Zusammenfassung dieser Erkenntnisse sucht, wird fündig beim italienischen Historiker Alberto Melloni, der vor wenigen Jahren eine ebenso kluge wie verständliche Abhandlung über das Konklave vorgelegt hat.

Melloni spricht der Wahlversammlung der Kardinäle eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit zu, deren Basis er gerade darin sieht, dass sich das Konklave bis in die Gegenwart hinein immer wieder an neue Bedingungen und Erfordernisse angepasst hat: «Das Konklave überlebt und besteht, weil es sich verändert.»

Der Autor zeichnet die Geschichte der Papstwahl nach, wobei er bei der frühen Gemeinde in Rom ansetzt. Im Mittelpunkt stehen die wiederholten Versuche politischer Mächte, das Konklave zu ihren Gunsten zu beeinflussen. In die eher nüchterne Beschreibung der immer wieder neu geänderten Bestimmungen flicht er erstaunliche Bilder ein: Weil die Folge der Päpste wegen des Zölibats nicht wie bei den weltlichen Herrschern von der Familiendynastie bestimmt werden konnte, bezeichnet er das Kardinalskollegium als «Ersatz-Uterus» einer päpstlichen Dynastie.

Für Melloni ist das Konklave ein mittelalterliches Überbleibsel, das die weltliche Macht des Heiligen Stuhls überlebt hat und sich nun als «Sammelbecken von Widersprüchen und von Hoffnungen zugleich» darstellt. Indem er die mannigfaltigen Brüche in der Geschichte der Versammlung aufzeigt, werden die Bestimmungsfaktoren für das jetzt bevorstehende Konklave deutlich. Tabellen belegen, wie sich das Kollegium der Kardinäle zunehmend internationalisiert hat.

Welche Faktoren im nächsten Konklave entscheidend sein werden, ist vorher kaum abzusehen. Zum einen weist Melloni auf die Bedingungen der Mediengesellschaft, zum anderen auf einen zunehmenden Einfluss von religiösen Organisationen wie dem Opus Dei hin. Die oft nur vermutete Anhängerschaft zu dieser Bewegung könnte nach Einschätzung des Verfassers zwei Reaktionen hervorrufen, die sich gegenseitig ausgleichen: Bei den einen wird sie Zustimmung, bei den anderen Misstrauen hervorrufen.

Alberto Melloni: Das Konklave. Die Papstwahl in Geschichte und Gegenwart. Freiburg: Verlag Herder, 2002. 216 Seiten.

(ap)